|
|||||||||||||||||
|
Istanbul
Post
|
|||||||||||||||||
| Titel
|
|||||||||||||||||
Zum Test des neuen Layouts der Istanbul Post |
|||||||||||||||||
Die Woche vom 26. Juni bis zum 3. JuliDie vergangene Woche war zum einen durch die Auseinandersetzung von Regierung und Militärführung und zum anderen durch die Bekanntgabe des starken Rückgangs des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal diesen Jahres geprägt. Die Tarifverhandlungen für die Arbeiter im öffentlichen Dienst sind gescheitert - der Gewerkschaftsbund Türk Is hat mit Aktionen begonnen, einzelne Mitgliedsgewerkschaften haben bereits mit Streikvorbereitungen begonnen. Die Wartungsarbeiten an der Fatih Sultan Mehmet Brücke gehen weiter, während die Regierung ankündigt, noch in diesem Jahr die Ausschreibung für die dritte Brücke zu veröffentlichen.
Es gibt einen Ausweg: Mehr Individualisierung! Aber wie?
|
|||||||||||||||||
| Politik |
von Mümtaz’er Turköne
(zuerst erschienen in der Tageszeitung Zaman am 30. April 2006. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors durch Stefan Hibbeler)
In Ankara wurde ein zweitägiges Symposium „Konservative Wertvorstellungen
und Parteien in Europa und in der Türkei“ in Zusammenarbeit
der Konrad Adenauer Stiftung und der türkischen Zeitschrift für
Konservatives Gedankengut durchgeführt.
Das aus sieben Blöcken bestehende Symposium war repräsentativ
für unsere Gedankenwelt. Doch es fällt schwer, auch hinsichtlich
der Politik von Repräsentativität zu sprechen: Kaum jemand von
der AK Partei, die sich selbst als „konservativ demokratisch“
beschreibt, hat teilgenommen. Dass diese vor zwei Jahren mit großen
Kampagnen präsentierte Identität heute kaum noch zur Sprache
kommt, kann darauf zurückgeführt werden, dass das politische
Tagesgeschäft keinen Raum dazu lässt oder aber darauf, dass
Ideen nicht weiter verfolgt werden. Gleichwohl ist diese Identität
dennoch als eine Art Logo in unser Repertoire eingegangen. So fällt
es uns zu, sie zu verfolgen.
Am vergangenen Sonntag war Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan Hauptsprecher beim Provinzkongress der AK Partei in Diyarbakir. Knapp ein Jahr nach seiner letzten Rede dort, wo er vom "kurdischen Problem" gesprochen und eine demokratische Lösung angemahnt hatte, hat sich manches verändert. Seine Rede vom vergangenen Sonntag, die den Appell für Einigkeit mit der Perspektive verband, eine Lösung für die wirtschaftlichen Probleme der Region zu finden, wird weniger Aufmerksamkeit erregen. Mindestens jedoch kann sie als ein Beitrag zur Deeskalation bewertet werden.
Unter dem Eindruck von Terroranschlägen verschärft sich das politische Klima in der Türkei
Die Terroranschläge der letzten Monate und die gewalttätigen Demonstrationen in einer Reihe türkischer Städte Ende März hat zu einer Verhärtung des politischen Klimas geführt. Während sich Ministerpräsident Erdogan zum einen den Vorwurf anhören musste, mit seiner Rede vom „kurdischen Problem“ im August 2005 Hoffnungen geweckt und nicht eingelöst zu haben, wirft ihm die Opposition vor, den ideologischen Boden des Separatismus mit vorzubereiten. Mit einer Rede vor dem Bezirkskongress der AK Partei in Tunceli umriss Erdogan seine Position aufs Neue. Heraus gekommen ist eine Kurskorrektur …
von Stefan Hibbeler
Eine Woge von Gewalt hat bis Dienstag mehr als zehn Menschenleben gefordert. Neun Menschen wurden bei Demonstrationen in Städten im Südosten und Süden der Türkei getötet. Außerdem starb ein Passant bei einem Bombenanschlag im Istanbuler Stadtteil Fatih sowie drei Passantinnen, als ein Istanbuler Stadtverkehrsbus mit Molotov-Cocktails angegriffen wurde. Während gemeldet wird, dass ein großer Teil der Demonstranten in Diyarbakir Kinder und Jugendlichen gewesen seien, hat der Streit um politische Verantwortung und Konsequenzen begonnen. Die erste Konsequenz ist bereits angekündigt: Die seit Monaten in der Schublade gebliebene Änderung zum Antiterrorgesetz soll nun beschleunigt verabschiedet werden. Umstritten ist zudem die Rolle, die die Partei für eine demokratische Gesellschaft (DTP) bei den Vorfällen spielte. Das türkische Innenministerium hat Dänemark nachdrücklich ersucht, den Sendebetrieb des kurdischen Satelitensenders Roj-TV zu unterbinden, dem ebenfalls große Verantwortung für die Vorfälle zugeschrieben wird.
| Türkei und Europa |
Als am 13. April Außenminister Abdullah Gül die Pläne zum neunten EU-Anpassungspaket vorstellte, unterstrich er, dass mit den vorgesehenen Maßnahmen unterstrichen werden solle, dass der EU-Reformprozess fortgesetzt werden solle. Das Paket besteht aus vier Säulen. Die erste Säule umfasst bereits ins Parlament eingebrachte Gesetze, die bis zur parlamentarischen Sommerpause verabschiedet werden sollen. Die zweite Säule beinhaltet Gesetzesvorhaben, die beschleunigt fertig gestellt und dem Parlament überwiesen werden sollen. Die dritte Säule betrifft Verwaltungsmaßnahmen und die vierte Säule die Ratifizierung internationaler Abkommen.
Die gute Nachricht zuerst: Vor zwei Wochen beschlossen die EU-Außenminister, die Türkei mit einem Brief aufzufordern, ihre Verhandlungsposition im ersten zu eröffnenden Kapitel der Beitrittsverhandlungen „Wissenschaft und Forschung“ zu übermitteln. Aus türkischer Sicht schließt sich daran die schlechte Nachricht an: Dieser Brief soll – anders als bisher üblich – einen Satz enthalten, dass auch die politischen Kriterien Teil der Verhandlungen in den Kapiteln des Besitzstandes werden sollen.
von Stefan Hibbeler
1. Rahmenbedingungen
Die Diskussion über die Mitgliedschaftsperspektive der Türkei hat sich in 2005 deutlich verschärft. In den Vordergrund ist insbesondere der Aspekt der Aufnahmekapazität der EU getreten. Wie bei keinem anderen Beitrittskandidaten zuvor wird im Falle der Türkei betont, dass die Verhandlungen „ergebnisoffen“ und vor dem Hintergrund der Aufnahmefähigkeit der EU geführt werden. In Frankreich wurde im Frühjahr zudem eine besondere Rechtsgrundlage geschaffen, die die Zustimmung zur Mitgliedschaft eines Landes in der EU ein Referendum vorschreibt. Die Anlage der Bestimmung deutet darauf hin, dass sie ausdrücklich auf die Türkei zielt.
| Menschenrechte |
von Stefan Hibbeler
Mit sechs zu einer Stimme entschied der Hohe Rat der Richter und Staatsanwälte, dass Staatsanwalt Sarikaya aufgrund seiner Ermittlungen und der von ihm verfaßten Anklageschrift zum Bombenanschlag in Semdinli entlassen wird. Zugleich wurde Sarikaya mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Zwar steht dem Staatsanwalt noch ein Berufungsrecht zu, folgt man jedoch den Erläuterungen über das Berufungsverfahren, so besteht nur wenig Aussicht, dass sich am Ergebnis etwas ändern wird.
und Anmerkungen zur Rechtspolitik
von Stefan Hibbeler
Am 17. April wurde der Abstimmungsprozess im Kabinett abgeschlossen und ein Änderungsentwurf zum Antiterrorgesetz auf den Weg gebracht. Das türkische Gesetz teilt das Schicksal seiner europäischen Geschwister: Aus der Betrachtung des Terrorismus als "besondere Gefährdung" von Staat und Gesellschaft entspringt das Bedürfnis, besondere Maßregeln zu treffen. Diese erstrecken sich auf die Strafwürdigkeit von Handlungen und Meinungsäußerungen über die Vollmachten der Ermittlungsorgane, das anzuwendende Gerichtsverfahren bis hin zu besonderen Bestimmungen des Strafvollzuges. Da Terrorismus "aus der Mitte der Gesellschaft" entspringt, findet auch seine Bekämpfung dort statt. Grenzen lassen sich kaum ziehen und rückblickend stellt sich immer wieder die Frage, ob das Gemeinwesen mehr Schaden durch den Terrorismus oder durch die Versuche, ihn mit besonderen Bestimmungen zu bekämpfen, genommen hat. Es liegt darum in der Natur der Sache, dass jede Änderung eines solchen Sondergesetzes heftige Diskussionen hervorruft.
Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Bombenanschlag in Semdinli vom vergangenen November, der zwei Unteroffizieren der Gendarmerie und einem Informanten zur Last gelegt wird, genießt nach wie vor hohes Medieninteresse. Als im Februar gemeldet wurde, dass der ermittelnde Staatsanwalt in Van lebenslange Haft für die Beschuldigten forderte, stieg das Interesse weiter. Mit der Anklageschrift selbst, die Offiziere bis zum Oberkommandierenden des Heeres für den Vorfall mit verantwortlich macht, ist die Sensation schließlich perfekt.
| Minderheiten |
In Frankreich wird sich am kommenden Donnerstag mit einem Gesetzentwurf beschäftigen, der vorsieht, die "Leugnung des Völkermordes an den Armeniern" unter Strafe zu stellen. Die Empörung in der Türkei ist groß - während Ministerpräsident Erdogan in der Türkei engagierte französische Firmen vor den negativen Folgen eines solchen Gesetzes warnte, haben verschiedene Gruppen Vorbereitungen für Boykottaufrufe gegen französische Waren vorbereitet. Außerdem fanden vor der französischen Botschaft in Ankara mehrere Proteste statt.
Die Konferenz "Die Armenier in der Untergangsphase des Imperiums" geriet zur Kraftprobe
Vielleicht sind die Schwierigkeiten, die die Durchführung des von den Istanbuler Universitäten Bosporus, Bilgi und Sabanci veranstalteten internationalen Symposiums begleiteten, sogar aussagekräftiger als die dort gehaltenen Beiträge. Im Mai wurde die Veranstaltung abgesagt, nachdem ihr im Parlament die Wissenschaftlichkeit abgesprochen und sie vom Justizminister als "Dolchstoß" qualifiziert worden war. Und am 22. September, einen Tag vor Veranstaltungsbeginn wurde eine einstweilige Anordnung eines Verwaltungsgerichts zugestellt, das die Durchführung untersagt. Die Universitäten setzten sich am 23. September beim regionalen Verwaltungsgericht zur Wehr, erhielten jedoch keinen Aufhebungsbescheid. Daraufhin erklärte sich die vom Verbot nicht betroffene Bilgi Universität bereit, das Symposium durchzuführen. Während Justizminister Çiçek auch weiterhin keinen Hehl aus seiner Ablehnung machte, stellten sich Ministerpräsident Erdogan und Außenminister Gül ausdrücklich hinter die Veranstaltung. Diese wurde dann unter massivem Polizeischutz und verschiedenen Protestaktionen durchgeführt.
Kurzmeldungen:
Zehntausende zum Jahrestag des Sivas Massakers auf der Straße
Türk Is erklärt Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst für gescheitert
Neues Kapitel der Beitrittsverhandlungen mit der EU eröffnet
UNESCO gibt Istanbul noch ein Jahr Zeit
Anzeige
Seminare und Trainings zu interkultureller Kommunikation und Moderation |
Wirtschaftsmeldungen:
Russland lädt Türkei zur Beteiligung an "South Stream" Pipeline ein
Arcandor-Pleite erreicht die Türkei
Export im Juni 8,1 Mrd. Dollar
Russisch-aserbaidschanischer Gasdeal schwächt Position der Türkei
Türkische Volkswirtschaft im ersten Quartal um 13,8 % geschrumpft
Veranstaltungen:
Green Economy Conference, Istanbul Bilgi Universität (Dolapdere Kampus), 20./21. Juni. Die Heinrich Böll Stiftung führt zusammen mit dem Yesil Politika Enstitüsü eine zweitägige internationale Tagung durch, bei der es um die weltweite Wirtschaftskrise, ökologische Folgen und den "Green New Deal" geht. (Programm, englisch)

Ausstellung "Universelle Zeugen der Zeit" in der Galatea vom 26. Mai bis zum 26. Juni. Gemischte Ausstellung der Künstlerinnen Zehra Aral, Figen Aydıntaşbaş, Hale Sontaş, Gülseren Südor, Edis Tezel, Şemsa Pozcu und Ursula Katipoğlu. Adresse: Asmalimescit Mah., Sofyali Sok. No: 12/3 Beyoglu. Für einen Eindruck...
Festival "Beyond Belonging" vom 12. bis 20. Juni in Istanbul - anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens der Städtepartnerschaft Berlin-Istanbul. Detailliertes Programm (deutsch/türkisch).
Photoausstellung "Das Oda (Zimmer) Projekt", Istanbul Modern. Die Ausstellung der dänischen Künstlerin Annette Merrild kann bis zum 30. August besucht werden. Das Oda Projekt gehört zu den bekannten Versuchen Kunst, Alltag und Nachbarschaft in Istanbul zu verbinden.
Zwei Ausstellungen im Pera Museum: Keramiken des Victoria und Albert Museums sowie das "Logbuch der Osmanischen Flotte: Schiffe, Legenden und Seeleute". Beide Ausstellungen sind vom 15. Mai bis zum 19. Juli zu besuchen.
Berlin: "Becoming Istanbul", Ausstellung, 16.05.-30.06.09, Deutsches Architektur Zentrum. "Becoming Istanbul" project was realized for German Architecture Museum (DAM, Frankfurt) in 2008, and the exhibition was held at DAM parallel to the Frankfurt Book Fair. The exhibition contains an interactive database on contemporary Istanbul and a 16 minute movie entitled "Mapping Istanbul". The exhibition and the accompanying book was curated and edited by Pelin Derviş, Bülent Tanju and Uğur Tanyeli.
Nutzen Sie für Ihre Recherche auch unser Wochenspiegel-Archiv
| Ausländer in der Türkei |
von Perihan Ügeöz
Wie lebt es sich eigentlich in der Türkei? Das ist vielmehr die Ausgangsfrage eines seit längerer Zeit gehegten Interesses, Land, Leute und Kultur aus dem Blickfeld von Ausländern im Gespräch mit Ausländern zu ergründen. Eine Parallele zur oben kurz wiedergegebenen Studie besteht lediglich darin, daß sie die Umsetzung des Interesses etwas beschleunigt hat. Darum allein mußte sie wenigstens in einem Absatz erwähnt werden.
Ist die Türkei ein Land, in dem man sich als Ausländer wohlfühlen kann? Ist es möglich, das Gefühl von Fremdheit jemals zu überwinden? Gibt es Momente im Alltag, die trotz mehrjährigem Aufenthalt eventuell immer noch ein gewisses Unbehagen oder Befremden hervorrufen? Kann man sich in der Türkei soweit wohlfühlen, daß man eines Tages anfängt, von ihr als sein Zuhause zu sprechen? Und überhaupt, kann man sich in der Türkei je soweit Zuhause fühlen, daß man auf die Frage: "Kannst Du Dir auch vorstellen, eines Tages in diesem Land begraben zu werden?" ohne zu zögern mit "Ja" antworten könnte? Diese und verschiedene andere Fragen, die sich aus dem Rhythmus des Gesprächsverlaufs ergeben, werde ich ab heute in einer Serie mit verschiedenen in der Türkei lebenden Ausländern diskutieren.
Ein Gespräch mit Emilio Ronchetti
von Perihan Ügeöz
Eigentlich wollte er seinen Urlaub auf einer griechischen Insel verbringen. Aber Emilio kam etwas zu spät. Weil dort inzwischen alle Plätze ausgebucht waren, stellte ihm das Reisebüro zwei andere Alternativen zur Auswahl. Beinahe leidenschaftslos überließ er die Entscheidung dem Reisebüro. So kam es, daß Emilio kurze Zeit später seine erste Türkeireise in Richtung Side antrat. Zu diesem Zeitpunkt wußte er noch nicht, daß diese seine erste Türkeireise einen Wendepunkt in seinem Leben markieren würde.
Ein Gespräch mit Ursula Soltermann Katipoglu
Von Dr. Perihan Ügeöz
Ursula Soltermann Katipoglu ist Malerin und stammt aus der Schweiz. Alljährlich werden ihre Bilder in verschiedenen Galerien oder auf Kunstmessen in der Türkei, Schweiz und Deutschland ausgestellt. Ursula ist verheiratet mit Yusuf Katipoglu, ebenfalls Maler, und sie ist die Mutter von zwei Söhnen im Alter von 20 und 17 Jahren.
Ursula Soltermann Katipoglu
Lange war Istanbul, die Stadt, in der ich lebe, mit ihren über zehn
Millionen Einwohnern die Quelle und Inspiration meines künstlerischen
Ausdrucks.
Die eigentliche Dimension der Stadt ist für mich die Senkrechte.
Sie bezeichnet Häuser, Fenster, Masten, Menschen. Die aneinander
gebauten hohen Häuser und Häuserblöcke reihen sich als
Quadrate, Rechtecke und Rhomben auf der Bildfläche. Oft werden sie
auch auf schmale senkrechte Streifen und Flächen zusammengedrängt.
| Magazin |
Ein Spaziergang durch das alte Istanbul.
Von Hans-Peter Laqueur
Zweierlei ist unverzichtbar für jede anständige mahalle, für jedes Istanbuler Wohnquartier, das etwas auf sich hält, ein eigenes Heiligengrab und ein Narr. Nur für den Außenstehenden haben diese beiden nichts miteinander zu tun, tatsächlich aber stehen sie in enger Beziehung zueinander.
1. Station: Tezveren Dede, der Helfer bei Arbeitslosigkeit
2. Station: Verlorene Gräber. Die beiden Heiligen von Unkapan
3. Station: Zwei märchenhafte Geschichten und zwei gleichnamige Heilige
4. Station: Der Mann mit dem Bücherkorb
6. Station: Noch ein verlorenes Grab
7. Station: Hidri Dede, "ein neuer Heiliger"
8. Station: Die heiligen Fische und der Kopf des Pascha
Der Bäckermeister Johann Hilber (1811-1863) aus dem bis heute von der Familie geführten Gasthaus Krone in Bruneck im Pustertal in Südtirol erfüllte sich 1851 seinen Jugendtraum: mit einem Gefährten brach er am 17. November zur Pilgerreise in das Heilige Land auf, von der er Mitte Mai des folgenden Jahres in die Heimat zurückkehrte. Er verfasste darüber einen Bericht, "Pilgerreise in das heilige Land in den Jahren 1851/52", Druck und Verlag von J. G. Mahl, Bruneck 1853.
Viel Orient, wenig Express
Von Simon Riesche
Nicht erst seit den jüngsten Unglücken steckt
die türkische Bahn in einer tiefen Krise. Zu langsam, nicht komfortabel
genug und chronisch unpünktlich sei sie, so lauten die Vorwürfe.
Auch wenn all dies nicht von der Hand zu weisen ist, so bleibt das Reisen
auf den Spuren der legendären Bagdadbahn doch ein aufregendes Abenteuer.
Unterwegs auf Schienen, von Istanbul nach Damaskus.
From dusk till dawn
Von Simon Riesche
Das Nachtleben in Istanbul besteht nicht nur aus Bauchtanz, Bettlern
und Banditen. Wer sich hineinwagt, der wird belohnt durch unvergesslich
bunte Eindrücke aus einer Metropole voller Gegensätze.
Eine nächtliche Reise durch die Stadt, die niemals schläft.
Der ganz normale Wahnsinn
Von Simon Riesche / Istanbul
Fußball in der Türkei ist mehr als nur Sport oder Freizeitbeschäftigung.
Er ist Lebensgefühl, Sinnstifter und Ventil für aufgestaute
Aggressionen. "Fußball ist eine Krankheit", sagen die
Leute hier. Einmal infiziert, leiden die Betroffenen, trotz oftmals nur
mäßiger Leistung der Spieler, unter bedingungsloser Hingabe
und durchlaufen ein ständig andauerndes Wechselbad der Gefühle,
das von tiefem Schmerz bis zur grenzenlosen Euphorie reicht.
Eine kritische Liebeserklärung an den türkischen Fußball.
| Perihan Ügeöz |
von Perihan Ügeöz
Die türkische Kultur: Sie ist nicht besser oder schlechter als jede andere Kultur. Die Andersartigkeit kennzeichnet einzig der Unterschied. In Unkenntnis der eigenen kulturellen Prägung mag so mancher Mensch, der im Berufs- und Geschäftsleben mit Türken in Interaktion tritt, sich an den Rand der Verzweiflung gedrängt fühlen. Umgekehrt gilt das für manchen Türken ebenso. Die bewußte Auseinandersetzung mit den Schlüsselwerten sowohl der eigenen wie auch der anderen Kultur ist eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Interaktion und Kommunikation mit Menschen, deren kultureller Bezugsrahmen andere als die uns selber im gleichen Maße so vertrauten wie aber auch unbewußten Modelle für menschliches Handeln und Sicht der Dinge zur Verfügung stellt. Mit erfolgreicher Interaktion und Kommunikation ist nicht einzig und allein der in barer „Münze“ meßbare materielle Gewinn aus der Zusammenkunft gemeint. Erfolg mißt sich hier zuerst an der Intensität des Aha-Erlebnisses, wenn man entdeckt, daß es verschiedene Arten geben kann, an ein und dasselbe Phänomen heranzutreten.
Ein Gespräch mit Perihan Ügeöz
Alle Welt spricht von „interkultureller Kompetenz“ – was aber sollen wir darunter verstehen?
Sich mit Kultur zu beschäftigen, ist immer eine Gradwanderung. Wir beschäftigen uns meist mit „fremden“ Kulturen. Wenn wir von der Fremdheit aus auf Kultur schauen, so neigen wir häufig dazu, Kultur als etwas problematisches zu betrachten. Was uns fremd vorkommt, unterziehen wir auch oft einer Bewertung – es ist besser oder schlechter als das, was wir gewohnt sind. Dabei erkennen wir aber meist nicht, dass natürlich „Fremdheit“, „besser“ oder „schlechter“ vor allem davon abhängt, von wo aus wir auf etwas schauen. Und dieser Ausgangspunkt ist unsere eigene Kultur. Doch die Erfahrungen zeigen, dass nichts so schwierig ist zu erkennen, wie die eigene Kultur.
| Recht |
Dr. Frauke Bemberg,
Avukat O. Baran Avci
Die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer in der Türkei nimmt zu, und zu denjenigen, die von ihren deutschen Mutterunternehmen in die Türkei entsendet werden, gesellen sich immer mehr solche, die aus eigenem Antrieb den Weg hierher finden, um sich auf dem hiesigen Arbeitsmarkt umzuschauen. Viele Arbeitgeber in der Türkei stehen der Idee, auch ausländische Beschäftigte in ihr Team aufzunehmen, positiv gegenüber. Auch als Kleinunternehmer oder Selbstständiger eröffnen sich interessante Betätigungsfelder. Aber selbst dann, wenn sich faktische Möglichkeiten bieten, sind rechtliche Hindernisse zu überwinden.
oder
die göttlichen Geschäfte der Islamischen-Holdings
von Rechtsanwältin Susanne Benöhr-Laqueur
Am letzten Samstag tat sich erstaunliches am Berliner U-Bahnhof Adenauerplatz. Ungefähr 150 Almancis, zumeist Familienväter und nicht selten jenseits der Fünfzig, versammelten sich dort, um in einem friedlichen Demonstrationszug zum nicht weit entfernten türkischen Generalkonsulat zu ziehen. Dort angekommen, verlasen sie einen Brief an den türkischen Staatspräsidenten, in dem sie ihm die verzweifelte Lage der Holdingopfer schilderten. Diese 150 Geschädigten – über die immerhin die Hürriyet/Deutschland in ihrer Sonntagsausgabe auf der ersten Seite berichtete - repräsentieren freilich nur die Spitze des Eisbergs. Serösen Schätzungen zufolge sind in den vergangenen Jahren alleine in Deutschland 200.000 bis 300.000 Türken um ihre Ersparnisse betrogen worden. Der Gesamtschaden wird auf mindestens 5 Milliarden Dollar beziffert. Angesichts dieser Summe müssen ungläubige Nachfragen gestattet sein: Wie und unter welchen Umständen konnte es zu solchen betrügerischen Machenschaften kommen?
von Metin Demirkaya
Rechtsanwalt bei
Herfurth & Partner
Nicht selten sitzt der Reisende, ob zum privaten Glück und Vergnügen oder geschäftlich unterwegs, auf seinem Reisekoffer in den Wartehallen der Flughäfen und wartet vergeblich darauf, befördert zu werden. In der jüngsten Vergangenheit wurde oft über „festsitzende Fluggäste“ berichtet. Von teils „dramatischen Szenen im Flughafen“ war zu lesen. Die Vorfreude bei Urlaubsreiseantritt weicht dem Ärgernis, für manchen ein Alptraum. Der verzweifelte Ruf des „sitzengelassenen Fluggastes“ drang allerdings selten über die Wartehalle hinaus.
Änderung zum Grundbuchgesetz wurde von Staatspräsident Sezer unterzeichnet
Noch vor Jahreswechsel verabschiedete das Parlament die Änderung zum Grundbuchgesetz, mit der die Eintragungen von Immobilien wieder aufgenommen werden kann. Das Gesetz sieht eine Obergrenze von 2,5 ha für privaten Immobilienbesitz vor, wobei sich diese Grenze auf alle Immobilien innerhalb der Türkei summarisch festgelegt wird. Außerdem darf das gesamte Eigentum von Ausländern an der Fläche einer Provinz nicht 5/1000stel überschreiten. Die Feststellung, ob diese Grenze erreicht wurde oder nicht, obliegt dem Ministerrat. Ausländer dürfen außerdem in zivilen und militärischen Schutzgebieten, die ebenfalls durch Ministerratsbeschluß festgelegt werden, keine Immobilien erwerben.
Das Steuerrecht der Türkei von Nebi Kesen
Bei Überlegungen zur Gründung eines Unternehmens und der Wahl der geeignetsten Rechtsform in einem anderen Land spielen Fragen des Steuerrechts eine nicht unbeträchtliche Rolle. Dies gilt umso mehr, wenn ein Land wie die Türkei in dem Ruf steht, über ein ausgesprochen komplexes und teures Steuerwesen zu verfügen.
Rezension
Internationales Erbrecht - Türkei von Hans-Peter Schömmer und Nebi Kesen
Im Mai 2004 ist in der Reihe "Internationales Erbrecht" des C.H. Beck-Verlages der Band "Türkei" herausgekommen. Angesichts der beständig wachsenden Internationalisierung unseres privaten und beruflichen Lebens hat die ohne hin recht komplizierte Materie des Erbrechts (und wer denkt schon gern zu Lebzeiten daran...) beträchtlich an Bedeutung gewonnen. Dies gilt umso mehr für die Türkei, wo sich in den vergangenen Jahren sowohl die Zahl der binantionalen Partnerschaften und Ehen als auch der Erwerb von Gütern und Immobilien sowie die Geschäftstätigkeit enorm erweitert hat. So richtet sich das Buch nicht nur an jene, die eine ausländische Staatsangehörigkeit haben. Internationales Erbrecht findet auch Anwendung, wenn eine Person ihren Aufenthalt oder Wohnsitz im Ausland hat, sich eine Sache im Ausland befindet oder der letzte Wille im Ausland verfügt wurde bzw. ein Rechtsgeschäft im Ausland enthält.
Köksal/Tugutlu: Das türkische Gesellschaftsrecht in der Unternehmenspraxis (Druckversion)
| Claus Stille |
Von Claus Stille
Die Runde hatte sein Name vorher nicht gemacht. Ohnehin versteht man es bei der Schwedischen Akademie in Stockholm löblicherweise noch immer bis zum Schluss dicht zu halten.
So fiel denn selbst der von der Jury des Nobelpreiskomitees Auserkorene gewisserweise aus allen Wolken. Eigentlich kein großes Wunder für den Ort, an welchem er sich momentan aufhält: In New York. Der Stadt der Wolkenkratzer...
Der türkische Romancier Orhan Pamuk, Inhaber aller wichtigen Literaturpreise der Türkei und u.a. Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 2005, war am vergangenen Donnerstag letzter Woche, wie er zugab, auch erst einmal geschockt.
Von Claus Stille
Am Montag dieser Woche um 22.45 Ur trat erstmals der in Bremen lebende Türke Murat Kurnaz vor deutsche Fernsehkameras, um in der Sendung "Beckmann" der ARD in einem Interview mit dem Journalisten Reinhold Beckman über seine fast fünfjährige Inhaftierung im völkerrechtswidrigen US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba und der Vorgeschichte dazu Auskunft zu geben.
Die US-Behörden hatten Murat Kurnaz vor kanpp zwei Monaten den deutschen Behörden übergeben.
| Wirtschaft |
Mit der am 14. April vorgelegten Studie macht sich die Weltbank auf die Suche nach den Ursachen, warum das Wirtschaftswachstum in der Türkei kaum Wirkung auf die Verringerung der Arbeitslosigkeit zeigt. Dementsprechend beginnt der Bericht mit der Feststellung, dass im Zeitraum von 1980 bis 2004 die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter um 23 Millionen Menschen zugenommen hat, während nur 6 Millionen neue Arbeitsplätze entstanden. Die Folge ist eine sowohl im OECD-Vergleich als auch bezogen auf andere Schwellenländer geringe Erwerbstätigkeitsquote. Nach Gruppen aufgeteilt findet sich eine besonders niedrige Beteiligung am Arbeitsmarkt bei Frauen sowie bei Menschen über 50 Jahren (33 %). Auffällig ist außerdem die hohe Arbeitslosigkeit unter qualifizierten jungen Leuten unter 25 Jahren. Dabei wird in der Studie festgestellt, dass dieser Gruppe ihre Qualifikation kaum einen Vorteil gegenüber geringer qualifizierten jungen Menschen verschafft.
Am 23. Februar legte die Weltbank einen neuen Türkei Bericht vor, der dieses Mal den Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und EU-Prozess in den Mittelpunkt stellt. Während der vorgelegte Bericht volkswirtschaftliche Faktoren wie das öffentliche Finanzmanagement, die Effizienz im Einsatz von Produktionsfaktoren wie Marktregulierungen, Arbeitsmarkt, Finanzsektor, Innovation, Infrasturktur und Landwirtschaft behandelt, werden Aspekte wie die Auswirkungen von EU-Förderungen sowie die nötigen Maßnahmen im Umweltschutz für einen späteren Bericht aufbewahrt.
Bereits im Herbst häuften sich die Warnungen: Die Geschäfte von Textil und Konfektionsindustrie in der Türkei liefen nicht gut. Seit zwanzig Jahren unangefochten Spitzenreiter des türkischen Exportes fiel die Konfektion im vergangenen Jahr erstmals hinter den Kraftfahrzeugbau zurück. Seit dem Jahreswechsel haben die Warnungen an Dringlichkeit gewonnen. Am 28. Februar treffen nun Branchenvertreter mit der Regierung zusammen, um über mögliche Lösungen zu beraten.
Am Freitag fand das zweite Treffen des Beirats für die Verbesserung der Investitionsbedingungen in Istanbul statt
Der Beirat für die Verbesserung des Investitionsklimas ist ein erlesenes Gremium. Neben dem Ministerpräsidenten und einigen Ministern waren der IMF-Präsident, die Weltbank mit ihrem Vize-Präsidenten, 19 Spitzenmanager internationaler Unternehmen und die einflußreichsten türkischen Wirtschaftsorganisationen vertreten. Waren bei der ersten Sitzung des Rates im vergangenen Jahr konkrete Vorschläge gesammelt und seitens der Regierung Zusagen gemacht worden, so war ein wesentliches Anliegen der zweiten Sitzung, Bilanz zu ziehen. Neben viel Licht gab es dabei auch Schatten.
Eigentlich war der Medien-Tenor zu ausländischen Investitionen in der Türkei bis vor kurzem einhellig positiv. Ausländische Direktinvestitionen sollen Arbeitsplätze schaffen, Know How einbringen oder auch zur Verbesserung der Infrastruktur beitragen - so die Hoffnung. Statt dessen wurde das "heiße Kapital", d.h. Geldanlagen an der Börse und in Staatsanleihen kritisch bewertet, weil diese Investitionen in Sekundenschnelle abgezogen werden können, wenn sich anderswo ertragreiche Anlagemöglichkeiten finden. Doch zeigen Diskussionen über den Mediensektor und das Bankwesen, dass auch ausländische Direktinvestionen zunehmend kritisch gesehen werden.
von Stefan Hibbeler
Die Reform der Sozialversicherung mit der Schaffung einer allgemeinen Krankenversicherungspflicht für die gesamte Bevölkerung, die Reform der Steuerverwaltung mit dem Ziel, diese serviceorientiert zu gestalten und zu vereinheitlichen und das Bankengesetz gehören zu den mit dem Internationalen Währungsfond abgestimmten vordringlichen Reformgesetzen der Regierung. Gerade wegen ihres grundlegenden Charakters jedoch sind sie in den vergangenen Monaten heftig diskutiert worden.
Impressum:
Istanbul
Post
Dr. Stefan Hibbeler
Redaktion: redaktion@istanbulpost.net
Copyright © 2001 Istanbul
Post