| ||||
| Wochenspiegel |
Jetzt kostenlos! | |||
Die Woche vom 2.04. bis 8.04.2001Es wird immer deutlicher, daß die Wirtschaftskrise, die am 19. Februar ihren Anfang nahm, das politische System selbst in Frage stellt. Neben den Massendemonstrationen der Gewerbetreibenden an vielen Orten der Türkei sind die täglich deutlicher spürbaren Folgen der Krise Anzeichen dafür. Ein besonders augenfälliges Beispiel für die Probleme sind die Engpässe in der Versorgung mit Import-Medikamenten. Demgegenüber wirken die am 3. April veröffentlichten Inflationsdaten eher harmlos: So stieg der Gesamtindex auf einen Monatswert von 10,1 Prozent, der der Verbraucherpreise auf 6,1 Prozent. Es wird jedoch damit gerechnet, daß die wegen der verringerten privaten Nachfrage aufgeschobenen Preiserhöhungen im Bereich des privaten Konsums in den nächsten Monaten nachgeholt werden. Die Regierung konnte demgegenüber bisher keine wirksamen Maßnahmen entfalten, um die Krise einzudämmen. Wirtschaftsminister Dervis kündigte für den 11. April die Veröffentlichung des neuen Stabilitätsprogramms an. Für den 14. April haben die in der Emek-Plattform zusammengeschlossenen Gewerkschaften und Berufsverbände zu landesweiten Veranstaltungen aufgerufen. Die Proteste von Umweltschützern gegen den für Sommer geplanten Start des regelmäßigen Transports kazachischen Erdöls durch den Bosporus halten an. In Dalaman konnten Umweltschützer einen Erfolg in ihrem Widerstand gegen ein dort geplantes Wärmekraftwerk erreichen. So meldet die Tageszeitung Radikal am 7. April, daß das Stadtparlament von Dalaman den geplanten Verkauf eines Grundstücks an die Betreiberfirma AKSA rückgängig gemacht hat. Am 7. April starben zwei weitere Gefangene an den Folgen des Hungerstreiks gegen die neuen Hochsicherheitsgefängnisse. Nach Angaben des Fernsehsenders STAR am 7. April hat das Justizministerium jetzt beschlossen, für die noch im Hungerstreik befindlichen Gefangenen Zwangsernährung anzuordnen. Vermittlungsversuche der parlamentarischen Menschenrechtskommission sowie einer Reihe von Menschenrechts- und Berufsorganisationen zur Beendigung des Hungerstreiks waren auch in der vergangenen Woche ergebnislos verlaufen. Gegen die Durchführung von Zwangsernähung hatten die Ärztekammern im Dezember mehrfach ethische Bedenken angemeldet und angekündigt, daß sie medizinische Maßnahmen nur mit Zustimmung des Patienten für zulässig erachten, die letzte Entscheidung jedoch beim jeweiligen behandelnden Arzt liegen müsse. Die Tageszeitung Cumhuriyet berichtete am 6. April über die Initiative des klassischen Gitaristen Marc Sinan für die Waisenkinder von Gölcük. Sinan spendete die Erlöse seiner Konzerte, um für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 8 und 18 Jahren eine musikalische Ausbildung zu ermöglichen. Das Programm wird im Juni dieses Jahres beginnen, zwei Musikpädagogen sind bereits eingestellt worden. Die Finanzierung des Projekts ist für zwei Jahre gesichert, Marc Sinan geht jedoch davon aus, daß eine mindestens fünfjährige Finanzierung für die Etablierung des Programms erforderlich ist. Um weitere Spenden wird gebeten (Kontakt: Marc Sinan). Die Initiative von Marc Sinan ist eingebettet in das Kinderheimprojekt, das mit wesentlicher Mithilfe der Deutsch-Türkische Stiftung verwirklicht und am 31. März 2001 eingeweiht wurde. Endstation Sirkeci - unter diesem Titel fand eine anregende Veranstaltung von Goethe und Österreichischem Kulturinstitut statt. |
|
|||