Jahrgang 2 Nr. 0 vom 23.04.2001
 

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Anmerkungen zur Lage der Kinder in der Türkei

Der 23. April wird in der Türkei als Kindertag begangen. Auch wenn in diesem Jahr die Festlichkeiten wegen der Wirtschaftskrise eingeschränkt wurden, so waren doch auf zahllosen Plätzen und Straßen Feste und Paraden vorgesehen, die Schulen veranstalteten Feiern und die Medien waren voller Berichte.

Doch zeigen insbesondere die Medienberichte, daß die Lage der Kinder in der Türkei nach wie vor alles andere als befriedigend ist. Neben Kindern, die auf der Straße leben, stehen unzureichende Ernährung, eine hohe Säuglingssterblichkeit, Probleme der Schulbildung und die Kinderarbeit auf der Tagesordnung.

So weist ein Bericht der türkischen Kinderstiftung (Radikal, 23.04.01) auf Ernährungsprobleme im Osten der Türkei sowie auf die hohe Säuglingssterblichkeit hin. Die Zahl der arbeitenden Kindern wird von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) auf mehr als 3,8 Millionen geschätzt. Die türkische Kinderstiftung gibt diese Zahl mit 4,5 Millionen an. Die Türkei ist eines der Schwerpunktländer, in denen die ILO Programme zur Bekämpfung der Kinderarbeit durchführt. Doch ist das Problem wohl kaum einfach durch Verbot zu bewältigen: zwar ist überdeutlich, daß sich Kinderarbeit negativ auf die Entwicklung auswirkt, was sich am augenfälligsten daran zeigt, daß 39 % der Kinder, die keine Schule besuchen, einer Arbeit nachgehen. Gleichzeitig ist jedoch auch offensichtlich, daß das Ausmaß der Kinderarbeit die soziale Situation der Familien wiederspiegelt. Doch neben sozialen Notlagen - wie sie von Zeit zu Zeit immer wieder Eingang in die Medien finden, spielen auch Faktoren wie Landwirtschaft und Geschlecht eine Rolle. Zwei Drittel aller arbeitenden Kinder leben auf dem Land. 10 Prozent der Mädchen erhalten von ihren keine Familie keine Genehmigung, die Schule zu besuchen (Türkische Kinderstiftung).

Ein anderes Problem ist die Schulbildung. So sind in Istanbul Klassengrößen von 60 bis 80 Schülerinnen und Schülern in der Grundschule keine Seltenheit. Lehrer werden so gering bezahlt, daß sie häufig weiteren Berufsarbeiten nachgehen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die staatliche Ausstattung der Schulen ist so gering, daß in vielen Schulen Ausstattung und Lehrmaterial von den Eltern finanziert werden muß. Vor diesem Hintergrund ist der Kontrast zwischen staatlichen und privaten Schulen drastisch und vernichtet jeden Anschein gesellschaftlicher Chancengleichheit.

Gleichwohl besteht angesichts der zahllosen vorhandenen Probleme kein Grund zur Mutlosigkeit. Wird der Kindertag, wird der Lehrertag genutzt, um kritisch die eigene Situation zu reflektieren und schaut man auf die zahlreichen Initiativen, die auf die Verbesserung der Lage der Kinder zielen - Zentren für die Betreuung von Straßenkindern in Izmir und Istanbul, die vielfältigen Projekte in den Gebieten, die von den 1999er Erdbeben getroffen wurden oder auch die Kampagne der türkischen Stiftung für Freiwillige im Bildungsbereich - zeigt sich, daß durch in- und ausländische Initiative eine Menge getan werden kann, um die Probleme zu lindern - langfristig vielleicht auch zu überwinden.

 

 

 

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