Jahrgang 2 Nr. 0 vom 7.05.2001
 

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Starke Beteiligung an 1. Mai Demonstrationen

Angesichts der Spannungen im Vorfeld kann die Tatsache, daß die Mai-Demonstrationen in der Türkei weitgehend ohne Zwischenfälle verlaufen sind, bereits als Erfolg der Veranstalter gewertet werden. An Demonstrationen in verschiedenen Orten nahmen Zehntausende von Menschen teil. Mit besonderer Spannung waren die Mai-Märsche in Istanbul und Ankara erwartet worden. In Ankara war nach den gewalttätigen Demonstrationen der Gewerbetreibenden im April ein Demonstrationsverbot verhängt worden. Dennoch wurde die Mai-Kundgebung, an der 20000 Menschen teilnahmen, auf dem Tandogan Platz genehmigt. In Istanbul nahmen nach Angaben der Tageszeitung Radikal 50000 Menschen an der Kundgebung auf dem Hürriyet Platz im Stadtteil Sisli teil. Lediglich aus Diyarbakir wurde über ein Verbot der Demonstration sowie über Behinderungen einer ersatzweise geplanten Pressekonferenz berichtet. Weiterhin wurde über Demonstrationen in Izmir (20000 Teilnehmer), Adana (10000 Teilnehmer) und Mersin (5000 Teilnehmer) berichtet.

Angesichts der gewalttätigen Demonstrationen im April und der durch die Wirtschaftskrise aufgeheizten Stimmung waren starke Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. So wurden alle Demonstranten, die in Istanbul die Demonstration erreichen wollten einzeln an Polizeikontrollpunkten durchsucht.

In Istanbul waren zahlreiche Plakate zu sehen, die die Unabhängigkeit der Türkei in den Fordergrund stellten. Deutlich war die durchgehende Ablehnung des wirtschaftlichen Erneuerungsprogramms der Regierung, das als Auslieferung der Türkei an den Internationalen Währungsfond aufgefaßt wird. In verteilten Flugblätter machten Gewerkschaften deutlich, daß sie nicht bereit seien, ein weiteres Mal die Zeche für verfehlte Politik zu zahlen, die sich dadurch auszeichne, Bedürfnisse des internationalen Kapitals zu befriedigen.

 

 

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