Jahrgang 2 Nr. 0 vom 2.04.2001
 

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Streit über die Transportwege des Öls aus den zentralasiatischen Staaten

Am 28. März wurde die Fertigstellung der kazakisch-russischen Pipeline mit Endpunkt am Schwarzmeerhafen Novorossisk gefeiert. Für Kazakstan bedeutet dies nicht mehr und nicht weniger als eine wesentliche Erleichterung, die eigenen Erdölvorkommen auf dem Weltmarkt vermarkten zu können. Für die Schwarzmeeranliegerstaaten könnte dies jedoch nach Einschätzung des türkischen Ministers für Seeschiffahrt Mirzaoglu zur Folge haben, daß der Seeverkehr weitgehend zum Erliegen kommt.

Im Streit über den Transport der zentralasiatischen Erdölvorkommen spielen neben wirtschaftlichen vor allem strategische Erwägungen eine wichtige Rolle. Für die Transitstaaten - sei es Russland oder die Türkei - bedeutet die Durchleitung des Erdöls eine wichtige Devisenquelle. Aber es wird auch davon ausgegangen, daß die Erschließung der Ölvorkommen der ehemaligen Sowjetrepubliken einen wesentlichen Einfluß auf die Senkung der Preise auf dem Weltmarkt haben wird.

Für Istanbul ist die zu erwartende Zunahme des Tankerverkehrs nicht unproblematisch. So wird die Zahl der jährlichen Passagen von Tankern und Frachtern durch den 30 km langen Bosporus mit 50.000 Schiffen angegeben. Hinzu kommen täglich ca. 2.000 Fähr- und Passagierbootsfahrten im Rahmen des innerstädtischen Verkehrs. Dass es angesichts der schwierigen Durchfahrt - der Bosporus ist eng und gewunden und erfordert darum an mehreren Stellen scharfe Wendungen - zu Unfällen kommt, ist da nicht verwunderlich. Bereits in diesem Jahr hat es aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens eine Reihe schwerer Unfälle gegeben. Im Februar sind nach Kollisionen zwei Schiffe gesunken.

Andererseits ist die Türkei wegen des Meerengenabkommens von 1936 zur Garantie einer freien Passage des Seeverkehrs durch die Meerengen von Istanbul und Canakkale verpflichtet. Das Abkommen erlaubt nicht einmal, die Kapitäne zu verpflichten, für die komplizierte Durchfahrt Lotsen mitzunehmen.

Eine Alternative, die für eine Verringerung des Tankerverkehrs durch eine Stadt mit mehr als 10 Millionen Einwohnern sorgen würde, ist geplant, jedoch noch weit von der Fertigstellung entfernt. Es gibt ein weiteres Pipeline-Projekt, mit dem das Öl zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan gebracht werden soll. Aufgrund der komplizierten und angespannten Verhältnisse im Kaukasus hat sich die Vorbereitung dieses Projektes jedoch bedeutend verzögert. Mit der Verwirklichung wird nun im Jahr 2005 gerechnet. Ob die geplante neue Pipeline jedoch zu diesem Zeitpunkt tatsächlich ihre Arbeit aufnehmen wird, hängt von zahlreichen Unwägbarkeiten und nicht zuletzt von der Politik der Großmächte ab.

 

 

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