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Diskussion über die privaten Geschäfte von Bauminister Aydin
Teil 1
Nachdem in der vergangenen Woche eine großangelegte Untersuchung
über Korruption im Bauministerium begonnen wurde, die zu zahlreichen
Festnahmen wegen des Vorwurfs der Manipulation öffentlicher Ausschreibungen
geführt hatte, ist in dieser Woche Bauminister Aydin (MHP) selbst
in die Kritik geraten.
Minister Aydin wird vorgeworfen, an einem Baubedarfshandel beteiligt
zu sein. Weiterhin lautet der Vorwurf, daß dieser Baubedarfshandel
insbesondere Lieferungen für den Wiederaufbau in das Erdbebengebiet
getätigt und damit enorme Gewinne erzielt habe. Der Vorwurf wiegt
insofern schwer, als der MHP-Vorsitzende Bahceli Abgeordneten und Ministern
seiner Partei die klare Anweisung erteilt hatte, sich mit dem Zeitpunkt
der Regierungsbeteiligung an keinerlei öffentlichen Ausschreibungen
zu beteiligen. Die MHP, die versucht ein "sauberes" Image angesichts
der zahlreichen Korruptionsskandale in der türkischen Politik zu
wahren, fühlt sich erneut einer politischen Kampagne ausgesetzt.
Dies führte in der vergangenen Woche zu einer deutlichen Mahnung
an den Koalitionspartner ANAP, in dessen Händen das die Untersuchungen
führende Innenministerium liegt.
Inzwischen hat Bauminister Aydin in einer Interview mit der Milliyet
(31.08.01) ausführlich zu den Vorwürfen Stellung genommen. Er
gab an, mit diesem Baugeschäft bereits lange vor seiner Kandidatur
als Abgeordneter angefangen habe. Sein Wirkungsschwerpunkt läge auch
nicht im Erdbebengebiet, sondern in der Schwarzmeer-Region sowie im Osten
und Süd-Osten. Er selbst habe sich aus der direkten Tätigkeit
in dem Unternehmen seit Beginn seines Ministeramtes vollständig zurückgezogen.
Aus seiner Sicht habe er das möglichste unternommen, um eine saubere
Trennung zwischen seinem politischen Amt und seinen privaten Geschäften
vorzunehmen. Mehr sei nur möglich, wenn eine entsprechende Rechtsgrundlage
geschaffen würde. Wenn es beispielsweise möglich sei, eine Geschäftsbeteiligung
für die Dauer eines Mandats "einzufrieren", würde
er dies sofort tun. Hinsichtlich der erzielten Gewinne gab Aydin an, daß
das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 7 Trillionen TL habe. Er sei bereit,
alle Unterlagen jedem, der sie sehen wollte, zur Verfügung zu stellen.
Teil 2
Am 2. September tauchten erstmals Nachrichten auf, denen zufolge Bauminister
Aydin selbst direkt in die Bestechungsaffäre in seinem Ministerium
verwickelt worden sei. Zwar wurde von Kennern des Ministeriums schon zuvor
angemerkt, daß öffentliche Aufträge ohne Kenntnis des
Ministers nicht vergeben werden konnten. Die Festnahme des stellvertretenden
Staatssekretärs im Bauministerium Sedat Aban und seine Aussage bringen
den Minister nun selbst in die Schußlinie.
Aban gab an, direkte Anweisungen zur Auftragsvergabe vom Minister erhalten
zu haben und daß dies auch für dessen Vorgänger zutreffe.
Eine Hausdurchsuchung förderte nach Angaben der Tageszeitung "Milliyet"
weiteres belastendes Material zu Tage.
Demgegenüber stellt sich die MHP zunächst hinter ihren Minister.
Bei einer Klausurtagung in Kizilcahamam wurde beschlossen, zunächst
das Ergebnis der Voruntersuchung abzuwarten. Auf die Frage hin, ob Bauminister
Aydin mit seiner privaten Geschäftstätigkeit nicht gegen einen
Grundsatz der Partei verstoßen habe, antwortete der Vorsitzende
Bahceli, daß er davon ausgehe, daß Aydin die Situation regeln
werde. Auch habe er keine aktive Geschäftstätigkeit ausgeübt
und insofern nicht gegen Parteigrundsätze verstoßen.
Demgegenüber erklärt die Milliyet (2.09.01), daß Bauminister
Aydin auch in seinem Dienstzimmer Kunden empfangen und sich dementsprechend
aktiv an den Geschäften seiner Firma beteiligt habe.
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