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Türkische Beteiligung an einer möglichen UN-Mission in AfganistanAls "westlichstes" islamisch geprägtes Land ist die Türkei in den letzten Wochen als Kandidat für die Führung einer möglichen UN-Friedensmission in Afganistan ins Gespräch gekommen. Angesichts der intensiven Verhandlungen über eine neue politische Ordnung in Afganistan nach Abschluß der Kämpfe kommt absehbar einer ausländischen Militärmacht im Land zur Stützung einer alle Parteien umfassenden Regierung eine Schlüsselrolle zu. Dabei ist offensichtlich, daß eine solche Friedenstruppe auf geringeren Widerstand stoßen dürfte, wenn sie überwiegend aus muslimischen Soldaten bestünde und keine englischen oder amerikanischen Truppen umfaßte. Zugleich schätzt der Kommentator der Tageszeitung "Milliyet" Bila die derzeitige Haltung der Regierung als deutliche Prioritätensetzung im Hinblick auf diplomatische Aktivitäten zur Entwicklung einer tragfähigen Regierungsformel für Afganistan ein. (Milliyet, 24.10.01) Im Gespräch ist dabei ein Gipfeltreffen der afganischen Opposition mit dem Exilkönig in Istanbul. Pressemeldungen nach zu schließen, steht die Türkei aber auch dem Plan einer UN-Friedenstruppe unter türkischer Führung grundsätzlich offen gegenüber. Würde eine solche UN-Mission verwirklicht, wäre dies zumindest ein wichtiger außenpolitischer Erfolg, bedeutete er doch zum einen eine Aufwertung der Türkei und zum anderen die Anerkennung der Türkei als ein Brückenland zwischen Westen und Osten. Gleichwohl wird hinter den Kulissen anscheinend heftig gefeilscht: Angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise ist die Türkei auf neue Auslandskredite angewiesen. Größere Unkosten im Zusammenhang mit einer UN-Mission können nicht aus dem Budget beglichen werden. Zudem ist die Entsendung türkischer Soldaten nach Afganistan ausgesprochen unpopulär. Auch ohne eine türkische UN-Mission ist die Türkei nach dem 11. September als Regionalmacht zunächst politisch gestärkt worden. Die guten Beziehungen zwischen der Türkei und Israel, die türkische Rolle im Kaukasus und - wie durch die am Sonntag gemeldete Möglichkeit deutlich wird, daß die Verhandlungen über eine afganische Regierung in der Türkei abgeschlossen werden könnten - der Beitrag der Türkei im Afganistan-Konflikt machen das Land zu einer Drehscheibe internationaler Politik. An der Bevölkerung gehen diese Entwicklungen angesichts von Wirtschaftskrise und politischer Vertauenskrise jedoch weitgehend vorbei. |
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