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- (InternetHaber, 29.11.01) Amnestie auch für Verantwortliche
von Erdbebenschäden. Das Verfahren gegen
4 Angestellte der Stadtverwaltung Adana und 17 Bauunternehmer, die wegen
des Zusammenbruchs von Häusern beim Adana-Erdbeben im Jahr 1998
angeklagt waren, wurden mit Hinweis auf das im vergangenen Jahr verabschiedete
Amnestiegesetz eingestellt.
- (Aksam, 30.11.01) Untersuchungsausschuß gegen ehemaligen
Bauminister Aydin. Wegen schlechter Amtsführung
wurde gestern ein parlamentarischer Untersuchungsauschuß gegen
den im Sommer zurückgetretenen MHP Bauminiser Aydin eingeleitet.
Die Untersuchungsdauer ist mit zwei Monaten festgesetzt. Als Hintergrund
für die Abstimmungsniederlage des Regierungslager wird die Auseinandersetzung
um die TRT-Ausstrahlung des Filmes "Salkin Hanim'in Taneleri"
vermutet.
- (Radikal, 29.11.01) Sezer-Veto gegen Gesetz zur Änderung der
Zuständigkeit der Staatssicherheitsgerichte.
Sezer wendet sich mit diesem Veto gegen die Entfernung des Straftatbestandes
"Bandendelikte" aus dem Zuständigkeits der Staatssicherheitsgerichte.
Zu den Begründungen gehört das Beispiel des Susurluk-Prozesses,
der eine zentrale Bedeutung für das öffentliche Vertrauen
in die Rechtsstaatlichkeit habe und daß Bandendelikte vielfach
besonders schwierig zu ermitteln seien. Demgegenüber fand Sezer
der Begrüdung des Gesetzentwurfes mit der Überlastung der
Staatssicherheitsgerichte nicht stichhaltigt - wenn diese überlastet
seien, so müsse ihre Kapazität erhöht werden.
- (Aksam, 28.11.01) Abenteurer oder Strategen? Unter der Schlagzeile
"Sie schubsen von hinten" berichtet die Aksam von amerikanischen
Zeitungsdiskussionen. Zunächst hatten William Safire und James
Woolsey (ehem. CIA-Chef) in der New York Times vorgeschlagen, parallel
zur Fortsetzung der Kämpfe in Afganistan eine 'zweite Front' im
Irak aufzubauen. Die Zeitschrift Forbes geht noch einen Schritt weiter
und erklärt, daß ma den türkischen Widerstand gegen
einen Angriff auf den Irak wohl brechen könne, wenn man der Türkei
im Gegenzug den Nord-Irak mit seinen Erdölquellen anböte.
- (Bianet, 28.11.01) Türkisch-zypriotische Gewerkschaft des
öffentlichen Dienstes zur Lösung des Zypern-Konflikts.
Der Vorsitzende der Kibris Türk Amme Memurlari Sendikasi Ali Seylani
rief dazu auf, von der Tradition der Gespräche 'hinter verschlossener
Tür' abzugehen und endlich die Stimme der Zyprioten in den Vordergrund
zu stellen. Die Lösung des Zypern-Konflikts müsse in einer
Förderation zweier gleichberechtigter Gemeinschaften mit zwei Territorien
bestehen. Danach wäre eine EU-Mitgliedschaft möglich.
- (InternetHaber, 27.11.01) Inönü erklärt, daß
er nicht den Vorsitz einer neu zu gründenden Linkspartei übernehmen
werde. Die Vorbereitungen der Parteigründung
seien weit gediehen und man sei dabei, die Gründungsmitglieder
zu benennen. Er selbst strebe jedoch nicht den Parteivorsitz an. Er
unterstrich, daß es nötig sei, eine neue Partei auch mit
neuen Personen zu gründen. In seinem Alter sei es nicht vernünftig,
eine Partei gründen und den Vorsitz übernehmen zu wollen.
- (InternetHaber, 27.11.01) Dreimal Todesstrafe im Denizli DHKP-C
Prozeß verhängt. Gegen zwei
Angeklagte wurde außerdem eine lebenslange Haftstrafe, gegen zwei
weitere eine 15jährige Gefängnisstrafe verhängt.
- (Milliyet, 27.11.01) Rechnungshof bemängelt Mittelverwendung
des früheren Tourismusministers Mumcu in seinem Wahlbezirk.
Der Präsident des Rechnungshofes verlangt der Pressemeldung zufolge
Aufklärung von Mumcu darüber, ob 877 Milliarden TL von der
1,5 Trillionen TL im vergangenen Jahr zugewiesenen Tourismusmittel zweckgerecht
ausgegeben worden seien. Den Ermittlungen des Rechnungshofes zufolge
seien die Gelder für Infratstrukturmaßnahmen und somit zweckfremd
ausgegeben worden. InternetHaber wiederum stellt sich die Frage, ob
es Zufall sei, daß die Tageszeitung Milliyet jetzt, nach den Auseinandersetzungen
um Mumcu, diese Meldung veröffentlicht ...
- (InternetHaber, 26.11.01) Konferenzabsage im Rahmen des Denktas-Besuchs
in Italien. Eine geplante Konferenz an der amerikanischen Luiss-Universität
in Italien ist wegen Drohanrufen, die Professoren erhalten haben, abgesagt
worden. Die Konferenz sollte unter Teilnahme von Rauf Denktas unter
dem Thema "Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zur Türkischen
Republik Nordzypern" stattfinden. In der Meldung wird für
die Absage "Lobbyarbeit" griechischer Zyprioten verantwortlich
gemacht.
- (atv, 25.11.01) 80 % der Moscheen sind ohne Baugenehmigung errichtet.
Mit Berufung auf eine Untersuchung der Direktion für religiöse
Angelegenheiten (Diyanet Isleri Baskanligi) seien 80 % der Moscheen
in der Türkei ohne Baugenehmigung und dementsprechend auch ohne
Baukontrolle erstellt. Die für die Bauaufsicht zuständigen
kommunalen Stellen, so wurde in einem Beitrag der Hauptnachrichtensendung
des Fernsehsenders atv erklärt, hätten angesichts des "guten
Zwecks" einfach weggeschaut. Der Beitrag hatte den Einsturz von
Minaretten während des Sturms am Wochenende zum Thema. Bei einem
Einsturz eines Minarets am Samstag waren zwei Menschen getötet
worden.
- (Radikal, 25.11.01) Historische Anlegestellen in Bebek und Emirgan
wiederhergestellt. Die Anlegestelle in Bebek
war 1,5 Jahre zuvor wegen baulicher Mängel, die in Emirgan 1989
wegen des Ausbaus der Küstenstraße abgerissen worden. Auf
Initiative der Anwohner wurden beide Anlegestellen restauriert und wiedereröffnet.
Beide Anlegestellen liegen an der Bosporuslinie der Staatlichen Schiffsgesellschaft.
- (Aksam, 25.11.01) 160 Millionen Dollar Kredit der Türkei an
Nord-Zypern. Das Programm sieht vor, daß beginnend in diesem
Jahr, Nord Zypern auf dem Wege der Türkischen Entwicklungsbank
in einem Zeitraum von fünf Jahren 160 Millionen Dollar erhält.
Außerdem wurde vereinbart, daß sich eine türkisch-zypriotische
Delegation alle drei Monate trifft, um die Durchführung des Programms
zu überwachen.
- (Radikal, 24.11.01) Rekortkälte in Erzurum: -34 Grad im November.
Der frühe Wintereinbruch behindert in weiten Teilen der Ost-Türkei
das öffentliche Leben. Gleichzeitig wurde der Westen der Türkei
von einem Sturm betroffen. Streckenweise wurde der Schiffsverkehr stark
beeinträchtigt. Aus Bursa werden Sturmschäden und Kohlengasvergiftungen
gemeldet.
- (Radikal, 24.11.01) Staatssicherheitsgericht vertagt Entscheidung
über Meinungsdelikte. Das 1. Staatssicherheitsgericht
in Ankara hat im Prozeß über separatische Propaganda bei
einem Parteitag der HADEP einstimmig die Entscheidung vertagt. Das Gericht
kam zu der Auffassung, daß der § 312 Türkisches Strafgesetzbuch
und der § 8 des Antiterrorgesetzes in ihrer jetzigen Fassung mit
der im Oktober reformierten Verfassung nicht vereinbahr sind. Unabhängig
davon hat auch Staatspräsident Sezer die Regierung aufgefordert,
unverzüglich die nötigen Gesetzesänderungen vorzunehmen.
- (Radikal, 24.11.01) Rückkehr ins Dorf: 30.000 Personen in
17 Monaten. Mit dem Abflauen der Kämpfe im Osten und Süd-Osten
der Türkei hat die systematische und staatlich geförderte
Rücksiedlung in die frühere Kampfgebiete begonnen. Im Zuge
des Programms sind bisher 6.622 Wohnungen gebaut worden. Insgesamt sind
bisher 30.000 Menschen in 462 Dörfer und Siedlungen zurückgekehrt.
- (Hürriyet, 24.11.01) Museum über die 700jährige
Geschichte der Juden auf türkischem Boden wird eröffnet.
An der Eröffnung wird auch der stellvertretende Ministerpräsident
Mesut Yilmaz teilnehmen. Gegenstand der Ausstellung ist die Tradition
des Zusammenlebens von Juden und Türken. Das Museum strebt die
Vorstellung und den Schutz des kulturellen Erbes der Juden in der Türkei
an.
- (Radikal, 22.11.01) AKP legt Quartalsfinanzbericht vor.
Dem Bericht zufolge hatte die Adalet ve Kalkinma Partisi in 3 Monaten
Einnahmen in Höhe von 197,7 Milliarden TL und 672 Milliarden TL
Ausgaben. Das Defizit sei durch Kredit gedeckt worden. Die AKP ist bisher
die einzige türkische Partei, die einen Finanzbericht veröffentlicht.
Dies soll zukünftig quartalsweise fortgesetzt werden. Bemängelt
wird im Radikal-Bericht, daß weder Kreditquelle noch -konditionen
Eingang in den Bericht gefunden haben.
- (Radikal, 22.11.01) Verfassungsänderung zu Abgeordnetenbezügen
abgeschlossen. Mit 434 Ja-Stimmen brachte das Parlament die Bemessungsgrundlage
für die Abgeordnetendiäten wieder auf ihren vorherigen Stand.
Im Zuge des Verfassungsänderungspakets vom Oktober war hier eine
Anlehnung an das höchstvergütete Staatsamt vorgesehen worden.
Massive öffentliche Proteste und die Entscheidung von Staatspräsident
Sezer, die Gehaltsfrage einer Volksabstimmung vorzulegen, sorgten für
eine Änderung, die die Bemessungsgrundlage für die Diäten
beim alten läßt und nur Probleme der Altersversorgung ehemaliger
Abgeordneter klarstellt.
- (Radikal, 22.11.01) Zahl der Menschenrechtsverstöße
gestiegen. Nach einer Erklärung des türkischen
Menschenrechtsvereins ist die Zahl der gefolterten Personen in diesem
Jahr auf 760 für den Zeitraum Januar bis September gestiegen. Im
vergangenen Jahr lag diese Zahl im gleichen Zeitraum bei 508 Personen.
Auch die Zahl der Anklagen wegen Veröffentlichungsdelikten ist
stark gestiegen. 1999 wurden von Januar bis September gegen 103 Personen
Verfahren mit einem beantragten Strafvolumen von insgesamt 428 Jahren
Gefängnis eingeleitet. Im Jahr 2000 waren es im gleichen Zeitraum
Verfahren gegen 254 Personen und einem Strafvolumen von insgesamt 1098
Jahren. In diesem Jahr wurden bis September Verfahren gegen 921 Personen
mit einem Strafantrag von insgesamt 3758 Jahren eingeleitet.
- (Milliyet, 22.11.01) Aufruf an PKKler, sich zu ergeben. Die
türkische Armee startet eine neue Kampagne, die Mitglieder der
PKK zur Aufgabe veranlassen soll. Dazu sind eine Millionen Flugblätter
gedruckt worden, von denen der größte Teil über dem
Nord-Irak abgeworfen werden soll. Die Armee teilt mit, daß sich
in diesem Jahr 900 Mitglieder von der PKK abgesetzt hätten.
- (IP) Wintereinbruch in der Türkei.
Nach einem drastischen Temperatursturz schneite es in weiten Teilen
der Türkei. Der Wintereinbruch erfolgte in diesem Jahr sehr früh.
So hat es in Diyarbakir erstmals seit Jahrzehnten bereits im November
geschneit. In Rize wurden Hirten und Holzsammler vom Schnee in den Bergen
überrascht und mußten durch ein Rettungsteam befreit werden.
An verschiedenen Orten wurden aufgrund der starken Schneefälle
die Schulen für einige Tage geschlossen. Hunderte von Dorfwegen
sind unpassierbar. Mit dem Kälteeinbruch zeigt sich auch ein weiteres
Gesicht der Wirtschaftskrise: Da die Kosten für Heizstoffe - insbesondere
für Gas und Öl - stark gestiegen sind, werden mancherorts
ganze Appartments nicht geheizt, weil die Bewohnergemeinschaft die monatlichen
Heizkostenraten nicht aufbringen können.
- (Radikal, 20.11.01) Klage auf Zulassung von Amnesty International
in der Türkei. Nachdem ein Antrag auf Gründung
einer Sektion von a.i. in der Türkei durch die Regierung zurückgewiesen
wurde, haben Unterstützer des Projekts Klage vor dem Verwaltungsgerichtshof
angekündigt. Der Antrag auf Gründung einer türkischen
ai-Sektion war am 9. November beim Innenministerium gestellt, am 18.
November jedoch abschlägig beschieden worden.
- (Radikal, 20.11.01) Sezer: Der Bericht der EU ist objektiv.
Nachdem in der vergangenen Woche die Veröffentlichung des EU Berichts
über den Stand der Beitrittsfähigkeit der Türkei zur
EU zu teilweise heftigen politischen Reaktionen geführt hatte,
erklärte Staatspräsident Sezer, daß er den Bericht für
objektiv halte.
- (Radikal, 20.11.01) 42. Hungerstreikende gestorben. Mit Tülay
Korkmaz ist die 42. Hungerstreikende am 193. Tag seit Beginn ihrer Aktion
gestorben. Zusammen mit denjenigen, die bei der Stürmung der Gefängnisse
und der Polizeiaktion in Kücükarmutlu gestorben sind, erhöht
sich die Zahl der Toten auf 81. Die Aktion richtet sich gegen die Hochsicherheitsgefängnisse
(F-Typ).
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