Jahrgang 2 Nr. 0 vom 20.12.2001
 

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Buchbesprechung

Ahmet Ümit

 

Sis ve Gece

Oberst Sedat, Mitarbeiter des türkischen Geheimdienstes, wird angeschossen. Einer der Täter ist ehemaliger Aktivist einer militanten linken Gruppe und zugleich enger Freund der Geliebten des Obersten. Zugleich ist auch die Geliebte des Obersten, der verheiratet ist und mit seinen Kindern in einer Polizeisiedlung wohnt, verschwunden. Oberst Sedat macht sich auf die Suche nach den Hintergründen des Anschlages auf ihn und zugleich auch auf die Suche nach der Geliebten. Die Suche führt ihn auf einen Einsatz zurück, an dem er kurz vor dem Attentat teilgenommen hatte und bei dem er einen der flüchtigen linken Aktivisten angeschossen hat. Wen er angeschossen hat, konnte er wegen Nacht und Nebel nicht erkennen ... Der Roman ist zugleich eine eindrucksvolle Schilderung von Geheimdienst und Polizei in der Türkei, den Fraktionen innerhalb des Sicherheitsapparates und eines Weltbildes mit einem klaren Freund-Feind Muster. Neben der Kriminalhandlung ist Sis ve Gece zuerst ein Gegenwartsroman.

 

Patasana

Patasana ist Hofschreiber eines hethitischen Stadtstaates. Schreiben Hofschreiber jener Zeit eigentlich nur offizielle Dokumente, so hat Patasana jedoch im Verborgenen die Abrechnung seines eigenen Lebens geschrieben. Die versteckten Tontafeln werden von einem internationalen Archäologenteam bei Ausgrabungen entdeckt und ziehen sich als parallele Handlung durch den Roman. Der Roman selbst spielt in der Gegenwart und stellt das Archäologenteam in den Mittelpunkt, greift aber auch die Geschichte der Region, die Deportation der Armenier im Ersten Weltkrieg und den Krieg mit der PKK auf. Eine Reihe von Morden gefährdet den Fortgang der Grabungsarbeiten so daß die Leiterin des Grabungsteams, die junge türkische Archäologin Esra, sich zusammen mit dem Gendameriehauptmann Esref an die Aufklärung der Morde machen. Zeitgeschichte, Frühgeschichte und länger zurückliegende Geschichte fließen in der Handlung zusammen und es entsteht ein Panorama der Gewalt, die wie ein Fluch immer neue Gewalt heraufbeschwört. Das Buch ist eine eindrucksvolle Schilderung der psychologischen und sozialen Deformationen, die Krieg und Gewalt in den Menschen hervorrufen.

 

 

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