Jahrgang 2 Nr. 0 vom 29.12.2001
 

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Überflutungen an vielen Orten in der Türkei

Neben der östlichen Mittelmeer-Region um Mersin und Icel, die bereits seit Mitte November immer wieder von Überschwemmungen heimgesucht werden, trafen Schneefälle, Schneeschmelze, Sturm und Regen nun auch den Westen des Landes. So wurden Überschwemmungen aus Izmir und Denizli gemeldet, Schneefälle machten eine Zeitlang die Provinz Thrakien unpassierbar - sogar ein Personenzug blieb stecken. Auch Istanbul und das Umland wurden von Überschwemmungen betroffen. Sturm führte wie in den Vorjahren auch jetzt wieder zu zahlreichen Fällen von Kohlenmonoxid-Vergiftungen wegen unzureichender Schornsteine. Eine neue Warnung der Meterologen für die Zeit von Freitag bis Sonntag wegen zu erwartender neuer massiver Niederschläge läßt erwarten, daß es zu weiteren Überschwemmungen kommt.

Parallel mit der Feststellung der Schäden beginnt die Diskussion über die Verantwortung für die Schäden. Offensichtlich ist, daß die Regenfälle - vor allem im Süden - in diesem Winter extrem ausgefallen sind. Ebenfalls offensichtlich ist jedoch auch, daß mangelnde Stadt- und Raumplanung, unzureichende Kanalisation und Mängel in der Koordination von Abwehrmaßnahmen zur Größe der Schäden beigetragen haben.

Nach einer Bilanz des Wohnungsbauministeriums belaufen sich die Flutschäden allein in der Region Mersin bei den staatlichen Einrichtungen auf 150 Trillionen TL. Außerdem wird mitgeteilt, daß 239 Häuser unbewohnbar geworden seien, 6640 Häuser beschädigt wurden und in 6879 Häusern der Hausrat beschädigt wurde. 119000 dönüm Ackerland wurde überflutet. Neben einer eingeleiteten staatlichen Hilfe wurde zu einer Spendenkampagne aufgerufen.

Kritik an den Verantwortlichen wurde von verschiedener Seite laut. So kritisierte der Assistent an der Istanbuler Technischen Universität Mikdat Kadioglu (Bianet, 26.12.01), daß Überschwemmungen wie sie in den Tagen zuvor aufgetreten seien, voraussehbar sind und beklagte, daß es in der Türkei keine Tradition des Katastrophenschutzes gäbe. Seine Kritik stützt Kadioglu darauf, daß es sich bei den Überschwemmungen nicht um das Ergebnis plötzlicher Regenfälle gehandelt habe, sondern um eine Verbindung von Schneeschmelze und langanhaltendem Regen, bei dem das Aufnahmevermögen der Erde irgendwann erschöpft ist. In anderen Beiträgen wird auf Bausünden und unterdimensionierte Kanalisation sowie Abholzungen als wichtige Gründe für das Ausmaß der Schäden hingewiesen.

In einem Interview während der Hauptnachrichtensendung des Fernsehsenders STAR erklärte der Istanbuler Oberbürgermeister Gürtuna, daß natürlich jede Überschwemmung beklagenswert sei, daß sich aber angesichts der langanhaltenden Regenfälle bemerkbar mache, daß die Großstadtverwaltung in den letzten Jahren massive Verbesserungen in der Infrastruktur vorgenomen habe. Wurden in der vergangenen Woche Teile des Stadtteils Kagithane überschwemmt, so merkte Gürtuna an, daß vor nicht allzulanger Zeit angesichts solcher Regenfälle aus weit mehr Stadtteilen ähnliche Meldungen zu hören waren. Die Großstadtverwaltung habe 50 von 100 Wasserläufen im Stadtgebiet sanniert und Lösungen sowohl für Kanalisation als auch die Bewältigung des Regenwassers gefunden. Auch würden nunmehr Straßen gleich mit einer angemessenen Kanalisation versehen, so daß zukünftig die Probleme nachlassen werden. Zugleich wies Gürtuna darauf hin, daß die Zuständigkeit für die Regulierung und Sicherung der Wasserläufe nicht bei der Großstadtverwaltung läge, sondern bei der Generaldirektion für Wasserwirtschaft. Diese verfüge jedoch nicht über die nötigen Mittel, um kurzfristig erforderliche Maßnahmen durchzuführen.

 

 

 

 

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