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- (Milliyet, 21.12.01) Anhaltende Streitigkeiten zwischen Türkei
und Griechenland. Als der türkische Verteidigungsminister Cakmakoglu
seine Eröffnungsansprache beim Treffen der Verteidigungsminister
von Südost-Europa in Antalya hielt, zog es sein griechischer Kollege
Papantoniou vor, im Hotel zu bleiben. Papantoniou gab an, daß
zwar auf einer Reihe von Gebiete eine wesentliche Verbesserung der beiderseitigen
Beziehungen erreicht worden sei, daß aber wichtige grundlegende
Fragen nach wie vor ungelöst seien. Insbesondere sei die türkische
Haltung zu Zypern und zum Grenzverlauf in der Ägäis nicht
hinnehmbar.
- (Milliyet, 21.12.01) Innenminister Yücelen überreichte
eine "Terroristenliste" mit 155 Namen anläßlich
seines Deutschlandbesuchs. Die Liste wird von
türkischer Seite als Bestandteil der seit dem 11. September forcierten
internationalen Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung angesehen.
Auf der Liste sollen sich Namen wie der Vorsitzende der DHKP-C Dursun
Karatas, von der PKK Duran Kalkan sowie Metin Kaplan befinden. Innenminister
Schilly soll bei der Entgegennahme der Liste erklärt haben, daß
er die nötigen Schritte veranlassen werde.
- (Bianet, 20.12.01) Drei Türen, drei Schlüssel - Vorschlag
zur Lösung des andauernden Hungerstreiks. Nach dem Vorschlag,
der von Rechtsanwaltskammern getragen und auch von dem Saadet Parti
Abgeordneten Bekaroglu unterstützt wird, sollen drei nebeneinanderliegende
Zellen tagsüber geöffnet werden und so 9 Gefangenen die Möglichkeit
zu sozialen Kontakten gegeben werden. Das Justizministerium hat bisher
auf den Vorschlag nicht reagiert. Der Hungerstreik gegen die Hochsicherheitsgefängnisse
dauert seit mehr als einem Jahr an und richtet sich vor allem gegen
die Isolation der Gefangenen.
- (Aksam, 21.12.01) Türkei sucht bei Korruptionsbekämpfung
internationale Zusammenarbeit. Seitens des Justizministeriums wird
angekündigt, daß die Spezialisierung bei Polizei und Justiz
gefördert werden soll. Neben einem Staatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft,
der zu einer Weiterbildung nach England geschickt wird, werden fünf
weitere Richter und Staatsanwälte für Weiterbildungen im Ausland
auf diesem Gebiet vorgesehen.
- (Aksam, 21.12.01) Erstes Paket der Anpassungsgesetze nach der Verfassungsänderung
ins Kabinett eingebracht. Der vom Justizministerium
vorbereitete Entwurf mit insgesammt 12 Änderungen im Straf- und
Gerichtsverfahrensrecht wurde gestern ins Kabinett eingebracht. Seitens
der rechtsgerichteten Koalitionspartei MHP wurde bekannt, daß
vor einer Unterschrift unter den Entwurf eine genaue Prüfung erfolgen
müsse.
- (Milliyet, 20.12.01) 25 Festnahmen bei Protesten zum Jahrestag
der Hayata Dönus Operation. Ein Jahr nach
der Stürmung der Gefängnisse zur Unterdrückung des Hungerstreiks
gegen die Hochsicherheitsgefängnisse, fand sich gestern eine Gruppe
von Demonstranten vor dem Gefängnis Bayrampasa (Istanbul) ein.
Nachdem Slogans gerufen wurden, griff die Polizei ein und nahm 25 Demonstranten
fest.
- (Aksam, 19.12.01) Fahrpreiserhöhung bei Bussen in Istanbul.
Der Normalfahrschein wird ab dem neuen Jahr von jetzt 750.000 TL auf
1.250.000 TL angehoben. Die monatlichen Subventionen des städtischen
Verkehrsbetrieb IETT beträgt 5 Trillionen TL.
- (Milliyet, 18.12.01) Spanien erklärt die Aufnahme der Beitrittsverhandlungen
mit der Türkei zum Ziel seiner EU-Präsidentschaft.
Nach dem für die Türkei positiv verlaufenen EU-Gipfel in Laeken
erklärte der spanische Außenminister Pique bei einem Besuch
in Brüssel, daß eines der Ziele der spanischen EU-Präsidentschaft
im kommenden Jahr die Verbesserung der Beziehungen zwischen der EU und
der Türkei seien. Man wolle Anstrengungen unternehmen, um im ersten
Halbjahr 2002 mit den Aufnahmeverhandlungen beginnen zu können.
- (Aksam, 18.12.01) Erstes L-Typ Gefängnis kommt nach Alanya.
Im Zuge der Reform des Strafvollzugs wird ein neuer Gefängnistyp
eingeführt und der erste Beispielbau in Alanya errichtet. Das neue
Gefängnis wird aus 3, 5 und 7 Personen-Zellen bestehen und für
478 Gefangene eingerichtet. Vorgesehen sind auch Räume für
soziale Aktivitäten und Sport. Bisher ist in den meisten türkischen
Gefängnissen das sogenannte kogus-System verbreitet, bei dem in
Großraumzellen an die 50 Gefangene untergebracht werden.
- (Milliyet, 18.12.01) Außenminister Cem eröffnet türkische
Botschaft in Afganistan. Außenminister Cem ist der erste westliche
Minister, der einen umfassenderen Afganistan-Besuch durchführte.
Nach der Eröffnung der Botschaft in Kabul besuchte Cem auch Mezar
i'Sherif.
- (Milliyet, 18.12.01) Bundespräsident Rau macht Bayramsbesuch
in Moschee. Auf Einladung der christlich-muslimischen
Arbeitsgemeinschaft Marl besuchte Bundespräsident Rau die Fatih
Moschee der Stadt. In einer Rede rief Rau dazu auf, in Deutschland wie
der Türkei zu lernen, daß auch unterschiedliche Kulturen
friedlich zusammenleben können.
- (Bianet, 15.12.01) Strafanzeige gegen Chef von Mercedes Benz Türk.
Gegen den Chef von Mercedes Benz Türk, Till Becker, ist Klage wegen
Schmähung der türkischen Gerichtsbarkeit erheoben worden.
Gegenstand der Klage sind Äußerungen Beckers zur Befangenheit
des Richters im Verfahren gegen Mercedes Benz wegen des Brandes eines
Autobusses, bei dem 49 Personen starben. Das Gericht in Karapinar hatte
angeordnet, daß Busse der Baureihe 403 von Mercedes eingesammelt
werden müssen. Mercedes ist gegen das Urteil in Berufung gegangen.
- (Aksam, 15.12.01, Der Spiegel) Vereinbarung zur Auslieferung Metin
Kaplans erreicht? Nach dem Verbot des "Kalifatsstaat"
und der dazugehörigen Stiftung "Diener des Islam" am
vergangenen Dienstag soll zwischen der Bundesrepublik Deutschland und
der Türkei eine Übereinkunft über die Auslieferung des
zur Zeit inhaftierten Vorsitzenden der Organisation Metin Kaplan erziehlt
worden sein. Grundlage soll die Zusicherung der Türkei sein, daß
Kaplan, sollte in der Türkei die Todesstrafe gegen Kaplan verhängt
werde, diese nicht vollstreckt würde.
- (Milliyet, 14.12.01) Europäischer Menschenrechtsgerichtshof
läßt Revisionsantrag zum Urteil wegen der Schießung
der türkischen Wohlfahrtspartei zu.
- (Bianet, 13.12.01) Schließungsbeschluß gegen die Web
Site "Idea Politika". Der Schließungsbeschluß
des Strafgerichts Sisli (Istanbul) vom 6.12.01 steht im Zusammenhang
einer Klage des Oberkommandos der Armee gegen sechs Beiträge und
Antrag der Staatsanwaltschaft. Gegen den Herausgeber Erol Özkoray
der alle drei Monate erscheinenden Netzzeitschrift sind außerdem
Verfahren nach § 162 Türkisches Strafgesetzbuch eingeleitet
worden. Wie jedoch die Schließungsanordnung des Gerichts durchgesetzt
werden soll, ist aufgrund rechtlicher Regelungen und dem internationalen
Charakter des Internets, ungeklärt. Interessant am Urteil des Gerichtes
ist, daß der Schließungsbeschluß sich auf das Pressegesetz
beruft, was unter Juristen wegen des andersartigen Charakters des Internets
umstritten ist.
- (Milliyet, 13.12.01) Frauensieg bei Kleiderordnung.
Nach nur einer Woche zeigte die von der Gewerkschaft KESK eingleitete
Kampagne gegen das 1982 in die Kleiderordnung für Beamte eingeführte
Verbot für Beamtinnen, Hosen zu tragen, Wirkung. Durch eine Neufassung
der Kleiderordnung, die von Ministerpräsident Ecevit unterzeichnet
wurde, sind Hosen nun auch für Beamtinnen erlaubt - solange es
sich nicht um Jeans handelt.
- (Aksam, 13.12.01) Eingehen auf EU-Forderungen würde die Türkei
spalten. Der Gewerkschaftsbund Türk Is hat einen Bericht vorgelegt,
in dem die These vertreten wird, daß die EU bei ihren Forderungen
an die Türkei von einer Haltung ausgehe, die sich auf das Sevr-Abkommen
stütze und die letztlich auf eine Spaltung des Landes hinauslaufe.
(Das Sevr-Abkommen war das Ergebnis der Friedensverhandlungen nach dem
Ersten Weltkrieg und sah eine weitgehende Aufspaltung des Osmanischen
Reiches vor. Durch den Befreiungskrieg wurde das Abkommen nie verwirklicht
und durch das Lausanne-Abkommen ersetzt, das die Grundlage für
die Gründung des modernen türkischen Staates bildet).
- (Aksam, 13.12.01; FR) Veto-Recht der Türkei bei Einsätzen
der europäischen Armee? Mit Berufung auf eine Meldung der Frankfurter
Rundschau wird berichtet, daß ein Veto-Recht der Türkei bei
Einsätzen der europäischen Armee zugestanden werden solle
und Griechenland dagegen Einspruch erhoben habe. Das Veto-Recht solle
auch in Fällen geltend gemacht werden können, in denen keine
NATO-Ressourcen benutzt werden.
- (Aksam, 13.12.01) Zur politischen Zukunft von Minister Dervis.
Im Rahmen seiner Gesprächsreihe mit den Oppositionsparteien besuchte
der parteilose für die Wirtschaft verantwortliche Minister Kemal
Dervis gestern die Saadet Partisi. Im Rahmen des Gespräches soll
Dervis erklärt haben, daß er sich selbst als "Techniker"
verstehe und seine Mission als eine vorübergehende Hilfestellung
für die Türkei verstehe. Er gehe von einem Zeitraum von ein
bis zwei Jahren aus, in dem er seine Aufgabe abschließen will.
- (Radikal, 12.12.01) Kassationsgerichtshof hebt Revisionsurteil
im Susurluk-Prozeß auf. Mit der Entscheidung
des Kassationsgerichtshofes wird das Revisionsverfahren an der 8. Kammer
des Kassationsgerichtshofes wieder aufgenommen. Nachdem die Entscheidung
der 8. Kammer des Kassationsgerichtshofes, das Urteil im Susurluk-Prozeß
wegen Nichtbeachtung des Antrages der Verteidigung auf Nichtöffentlichkeit
der Verhandlung aufzuheben, seinerseits durch das Richterkollegium am
Kassationsgerichtshof aufgehoben wurde, muß die 8. Kammer nun
prüfen, ob der Straftatbestand der Bandenbildung erfüllt ist
oder nicht. Der Susurluk-Skandal beschäftigt seit Jahren die türkische
Öffentlichkeit wegen der offenkundigen Beziehungen zwischen Polizei,
Geheimdiensten, Mafya und rechtsextremistischen Terror.
- (Aksam, 12.12.01) Preiserhöhungen führen zu mehr Luftverschmutzung.
Aus Bursa wird berichtet, daß in diesem Winter wieder der Geruch
von Kohlefeuern in der Luft hängt. Als Grund wird auf die drastische
Verteuerung von Erdgas hingewiesen, was viele Familien veranlaßt
haben mag, die Heizungen abzustellen und wieder auf Kohleöfen umzusteigen.
Das Umweltamt der Stadt Bursa teilte mit, daß an den Zufahrtsstraßen
der Stadt Kontrollen durchgeführt werden, um sicherzustellen, daß
nur hochwertige Heizkohle ausgeliefert wird.
- (Aksam, 12.12.01) Staatspräsident Sezer übt heftige Kritik
an der Regierung. Die erneute Verabschiedung
sowohl des Gesetzes über die Zuständigkeit der Staatssicherheitsgerichte
als auch des Tabakgesetzes ohne Rücksicht auf das präsidiale
Veto führten zu einer heftigen Reaktion Sezers. Anläßlich
des Empfangs des Vorstandes des Gewerkschaftsbundes Türk Is erklärte
Sezer, daß mit einer Schwächung der Untersuchungsmöglichkeiten
in Korruptionsfällen, wie sie durch die Zuständigkeitsänderung
bei den Staatssicherheitsgerichten vorgenommen würde, würde
das erklärte Ziel der Regierung, die Korruption einzudämmen,
unterminiert.
- (Bianet, 11.12.01) Salkim Hanimin Taneleri als Theaterstück
in Istanbul-Bakirköy. Nachdem die Ausstrahlung des gleichnamigen
Filmes durch den Staatssender TRT in den vergangenen Wochen erneut zu
einer lebhaften Diskussion über die "Varlik-Vergisi"
während des Zweiten Weltkrieges in der Türkei - einer Maßnahme,
die vielfach zur Enteignung von Firmen und Besitz der nichtmuslimischen
Minderheiten führte, beigetragen hat, meldet Bianet nun, daß
das Stadttheater Bakirköy nach der Romanvorlage ein Theaterstück
unter dem Namen "Kuzguncuklu Fazilet" auf die Bühne bringt.
- (Aksam, 11.12.01) Ausstehende Kreditrate der Weltbank voraussichtlich
im Dezember. Die eigentlich für Dezember
geplante Auszahlung einer 1,3 Milliarden Dollar Kreditrate der Weltbank
im Rahmen der Restrukturierung des Haushaltswesens wird nach Einschätzung
des Weltbank-Türkeidirektors Chibbers voraussichtlich im Januar
ausgezahlt werden. Die Auszahlung war verschoben worden, da einige vereinbarte
Maßnahmen durch die Türkei bisher nicht erbracht wurden.
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