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A. Nedim Atilla Zur "sozialen Explosion"Zuerst erschienen in der Internetausgabe der Tageszeitung "Aksam". Wir danken dem Autoren für die freundliche Genehmigung für Übersetzung und Abdruck. Übersetzung: Stefan Hibbeler Auch vor dem Putsch vom 12. September 1980 hat die Türkei die Soziologen in Erstaunen versetzt. Jetzt setzt sich dieses Erstaunen fort. Die Sozialogen, die nach der jüngsten Wirtschaftskrise in der Türkei eine soziale Revolte erwartet haben, sind verblüfft. Als diejenigen, die das Land kennen, sind wir jedoch nicht verwundert. Schenken Sie nicht denjenigen Gehör, die erklären 'die Türkei ist ein Polizeistaat und darum kommt es zu keiner Revolte'. Alle, die auch nur ein kleines bißchen von Sozialgeschichte verstehen, wissen, daß die Polizei keine soziale Explosion unterdrücken kann. Um zu unserer Aufassung zu kommen: Von großer Bedeutung ist, daß in unserem Land nach wie vor eine Poduktionsbeziehung besteht, die als 'anatolischer Typus' bezeichnet werden kann und die sich vor allem auf die Kernfamilie stützt. Ein anderes Thema, das unterstrichen werden muß, ist, daß das muslimische Bekenntnis nicht darin besteht, arabische Scheichs reich zu machen, sondern daß sich der Islam als eine originäre zeitgemäße Religion in unserem Land entwickelt hat. Aber es ist auch unbezweifelbar, daß der in der Ägäis und an der Mittelmeerküste sichtbare und auch die Grundlage der Klein- und Mittelbetriebe darstellende mediterane Produktionsstil einen Hinderungsgrund darstellt. Außerdem hat die in unserem Land in den vergangenen 50 Jahren anhaltende Wanderung von Ost nach West eine Solidarität unter Menschen gleicher Herkunftsregionen hervorgebracht, die zur gegenseitigen Hilfsbereitschaft beiträgt. Und dann ist noch, wie zwei Soziologen der Middle East Technical University (ODTÜ) herausgefunden haben, eine phantastische familiäre Einkommensverteilung wirksam. Für dier Gesundheitsausgaben wird genutzt, daß ein Familienmitglied in eienr offiziellen Einrichtung arbeitet. Alle Familiemitglieder nehmen ihre Aufgabe in der Schattenwirtschaft wahr. Kinder tragen mit ihren wie auch immer geringen Wochenlöhne zum Familieneinkommen bei. Dies alles spielt eine große Rolle dafür, daß die Krise ohne große soziale Probleme überwunden werden kann. Zur familären Einkommensverteilung gehört auch die Tradition, daß die in Anatolien lebenden Familienmitglieder ihren in der Stadt lebenden Angehörigen landwirtschaftliche Produkte schicken. Aber wir können auch feststellen, daß mit den jüngsten Landwirtschaftsverordnungen das System der familiären Einkommensverteilung dabei ist, gestört zu werden. Das nehmen wir als schlechtes Zeichen für die Zukunft wahr. |
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