Jahrgang 2 Nr. 0 vom 14.12.2001
 

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Kadir Gecesi und Zuckerfest - der Ramazan geht zu Ende

Am Sonntag findet der den Muslimen heilige Monat Ramazan mit einem dreitägigen Fest sein Ende. Die Kadir Gecesi, die 'Offenbarungsnacht', hat bereits stattgefunden. Sie liegt kurz vor dem Fest (in diesem Jahr die Nacht vom 11. zum 12. Dezember) und ist eines der wichtigsten religiösen Ereignisse der islamischen Religion. Wird der Ramazan ohnehin als eine Zeit der Besinnung auf religiöse Werte verstanden, in der religiöse Pflichten - allen voran das Fastengebot und die Verpflichtung, Armen zu helfen - besonders ernst genommen werden. Der Ramazan ist aber auch ein gesellschaftliches Ereignis. Wird vom Gebet vor Sonnenaufgang bis zum Abendgebet weder gegessen noch getrunken, so kommt dem ersten Essen - dem iftar - eine besondere kulinarische und soziale Bedeutung zu. Es ist üblich, Angehörige, Freunde und Kollegen einzuladen. Das Essen ist in dieser Zeit besonders reichhaltig und viele klagen, daß sie trotz des Fastens in dieser Zeit einige Kilo zunehmen.

Gerade weil der Ramazan vor allem auch eine Zeit sozialer Werte ist, hat in diesem Jahr das Problem der Armut ganz im Mittelpunkt des Interesses gestanden. Zum Ramazan gehört es beispielsweise auch, öffentliche Essen zu geben, an denen jeder teilnehmen kann. Die Stadtverwaltungen in Istanbul haben an verschiedenen Stellen der Stadt Zelte aufgebaut und wer immer eine gute Tat vollbringen möchte, ist aufgerufen, an einem Abend fürd ie kostenlose Essensausgabe aufzukommen. Auch wenn die Zahl der Zelte beträchtlich und die der Besucher enorm ist, so finden sich doch ausreichend Spender, um diese Tradition aufrechtzuerhalten.

Was in diesem Jahr jedoch besonderes Aufsehen erregte, waren die Schicksale mancher Besucher socher Zelte. Überall im Land hat die Zahl der Armenküchen zugenommen und es bilden sich lange Schlangen vor der Essensausgabe. Zwar sind die Ramazan-Zelte keine Armenküchen - jeder kann an diesen Essen teilnehmen - doch kommen auch viele hierher, weil sie sonst nichts zu essen haben. Auch wird von vielen berichtet, die abends das Fasten brechen, ohne morgens das vorgesehene Frühstück vor dem Morgengebet eingenommen zu haben.

Wohltätigkeit und Mitleid mit den Armen gehören zu den zentralen Werten des Islam. Und so gehört es auch zu den religiösen Verpflichtungen, am ersten Tag des Zuckerfestes eine Spende an die Armen zu geben. Das Amt für religiöse Angelegenheiten empfiehlt in diesem Jahr einen Betrag von 3 Millionen TL - die durchschnittlichen Ausgaben für Lebensmittel für einen Tag. Und jeder Muslim ist aufgerufen, diese Spende zu geben.

Aber auch die Kinder kommen nicht zu kurz. Der Bayram heißt nicht umsonst 'Zuckerfest', werden doch allerorten Bonbons und andere Süßigkeiten verteilt.

Das Zuckerfest ist ein Freudenfest.

Bayraminiz kutlu olsun.

 

 

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