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Gaspreise in der DiskussionMit dem erneuten Kälteeinbruch und dem Eintreffen der Gasrechnungen für den Dezember ist eine allgemeine Diskussion über die Gaspreise entbrannt. Hatte man seit Jahren versucht, die Bürger mit dem Argument einer preisgünstigen und bequemen Heizlösung zur Abkehr von den Kohleöfen zu bewegen, so stellt sich in diesem Winter nach einer Preiserhöhung von 170 Prozent im Jahresverlauf eine Rückkehr zu anderen Heizverfahren ein. Der drastische Preisanstieg betrifft am stärksten die Bewohner von Wohnblocks mit Sammelheizung. Hier ist bei vielen Anlagen dazu übergegangen worden, die Heizung nur noch an einigen Stunden am Tag zu betreiben, da die Bewohner höhere Heizkosten kaum bezahlen können. Wer sich da nicht in eine Decke einwickeln will, kann dann nur noch mit einem elektrischen Radiatur zusätzlich heizen. Es wird aber auch gemeldet, daß der Kohleabsatz und der Verkauf von Kohleöfen stark zugenommen hat. Doch auch ohne diese Information ist dieser Trend morgens und abends zu riechen. Was nun die entbrannte Diskussion betrifft, so ist tatsächlich schwer zu erklären, wie der Preisanstieg zustande gekommen ist. Das Gas wird über BOTAS, eine staatliche Firma in der Regie des Energieministeriums importiert und an die kommunalen Gaslieferanten - in Istanbul IGDAS, in Ankara EGO - verteilt. Öffentlich wird nun versucht die Schuld für die Verteuerung zwischen den Akteuren hin und herzuschieben. Tatsache ist, daß durch die starke Abwertung der Türkischen Lira natürlich ein Preisanstieg beim Gas zu erwarten war. Da aber im Vergleich zum vergangenen Winter die Öl- und Gaspreise auf dem Weltmarkt stark gefallen sind, sollte dieser Anstieg unter der TL-Abwertung des vergangenen Jahres liegen ... Zu einer weiteren Verteuerung hat die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Gas geführt. Und dann soll noch eine weitere Verbrauchssteuer in Höhe von 5 % in diesem Monat eingeführt werden. Nach heftigen Kritiken in den Medien soll nun am kommenden Montag in einer Sitzung des Energieministers, des Direktors von BOTAS sowie den fünf Oberbürgermeistern der größten Städte der Türkei nach einer Lösung gesucht werden. Auch Ministerpräsident Ecevit hat sich in die Diskussion eingeschaltet und erklärt, daß unbedingt eine Lösung zur Verbilligung der Gaspreise gefunden werden muß. Die Handelskammer in Istanbul hat nach Meldung des Fernsehsenders ATV dazu aufgerufen, wenn am Montag keine Lösung gefunden wird, nur die Hälfte der Gasrechnungen zu bezahlen. Doch auch wenn eine Preissenkung beschlossen werden sollte - dieser Winter ist ein ausgesprochen harter Winter für die Türkei. Nicht nur wegen Kälte und Schnee. Die Überschwemmungen der vergangenen Wochen im Süden des Landes haben zu einem drastischen Preisanstieg beim Gemüse geführt. Die zusätzliche Arbeitslosigkeit durch die Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr ist noch nicht abgebaut und praktisch jeder hatte im vergangenen Jahr reale Einkommenseinbußen zu verzeichnen. |
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