Jahrgang 2 Nr. 1 vom 5.01.2002
 

Jetzt kostenlos!



 

Scheetreiben in Istanbul

'Des einen Freud ist des anderen Leid', heißt es so schön. Dies dürfte ziemlich exakt die Situation in Istanbul am vergangenen Freitag beschreiben. So gegen 7.30 Uhr setzte ein feiner, dichter und vor allem anhaltender Schneefall ein. Das Resultat war binnen kurzer Zeit ein völliger Zusammenbruch des städtischen Verkehrs. Nachdem die Bosporus Brücke unpassierbar geworden war, fiel auch noch wegen schlechter Sicht der Schiffsverkehr aus. Damit war ein Übergang zwischen den Stadthälften weitgehend unmöglich. Da viele Autos und vor allem auch Busse ohne Schneeketten aufgebrochen waren, bildeten sich schnell an den zahllosen Hängen im Stadtgebiet Blokaden und lange Staus. Viele Autofahrer gaben nach einiger Zeit die Weiterfahrt auf, suchten einen Parkplatz und gingen zu Fuß weiter. Taxis oder Minibusse blieben ebenfalls stecken. In den Abendnachrichten berichteten viele Befragte, bis zu fünf Stunden in Staus gesteckt zu haben. Auch wurde berichtet, daß der Schneeräumdienst teilweise dadurch behindert wurde, daß die Fahrer der Räumfahrzeuge selbst im Verkehr steckengeblieben waren und die Fahrzeuge darum nicht zum Einsatz kamen ...

Besonderen Unmut zog sich der Gouverneur der Stadt Istanbul zu, da er entgegen der Warnungen der Meterologen kein Schulfrei verkündet hatte. Er hatte sich statt dessen am frühen Morgen mit einem Blick aus dem Fenster begnügt und gemeint, daß schon alles gut ginge. Als dann die Entscheidung zur Schließung gegen 9 Uhr verkündet wurde, waren die meisten Schüler bereits in der Schule und verbrachten aufgrund des steigenden Verkehrschaos Stunden mit der Heimreise.

Doch bei allen Pannen ist immerhin positiv hervorzuheben, daß die Stromversorgung weitgehend funktionierte ...

Was nun die Freude betrifft: Es war gegen Mitternacht, als das bunte Treiben am Hang vor meinem Fenster langsam verstummte. Bis dahin hatten sich jung und alt zum Schlittenfahren versammelt. Bilder aus Izmir, wo es erstmals seit 7 Jahren wieder geschneit hat, zeigten Kinder, die in vollen Zügen die seltene Gelegenheit für Schneeballschlachten nutzten.

Für das Wochenende haben die Meterologen ein Anhalten der Schneefälle in weiten Landesteilen angekündigt. Die Kälte wird nach ihrer Einschätzung zumindest bis zur Mitte der kommenden Woche anhalten.

 

 

Archiv

Zurück