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ICOMOS: Turkey - Heritage @ RiskVor ungefähr zwei Wochen veröffentlichte die Istanbul Post ein Interview mit Professorin Ahunbay (Technische Universität Istanbul) über Denkmalschutz in der Türkei. Professorin Ahungay ist gleichzeitig Vorsitzende der türkischen Sektion von ICOMOS, einer internationalen Organisation mit Beraterstatus bei der UNESCO, die sich die Erhaltung historischer Bauten zum Ziel gesetzt hat. Als eines der wichtigen Zivilisationszentren beherbergt die Türkei Spuren großer Kulturen: von Assyrern, Sumerern und Hethitern über griechische und römische Relikte bis hin zur byzantinischen und seldschukisch/türkischen Geschichte. Viele Relikte dieser Kulturen blieben über Tausende von Jahren unangetastet, stehen heute aber durch eine Vielzahl von widrigen Einflüssen vor ihrer Vernichtung. In ihrem Beitrag zum Jahresbericht 2000 hat die türkische ICOMOS-Sektion eine Reihe dieser Faktoren systematisch zusammengefaßt: Fehlende finanzielle Mittel zur Instandsetzung und ErhaltungDie Betreuung des baulichen historischen Erbes obliegt dem Direktorat für Konservierung und dem Direktorat für Denkmäler und Museen, die beide dem Kulturministerium zugeordnet sind. Aufgrund des geringen Etats verfügen beide Einrichtungen jedoch nicht über die erforderlichen Mittel, selbst die in öffentlichem Besitz befindlichen Baudenkmäler wirksam zu schützen. Bei den in Privatbesitz befindlichen Baudenkmälern findet zwar eine Förderung durch Freistellung von den Gebäudesteuern statt, Mittel für die Unterstützung von Restaurierungsprojekten sind jedoch nur unzureichend vorhanden. Da nach wie vor ein Verzeichnis der historischen Baudenkmäler der Türkei fehlt, ist auch der Schutz dieser Bauwerke unzureichend: Niemand macht sich strafbar, wenn er ein unregistriertes Gebäude zerstört. Fehlender rechtlicher Schutz und mangelnde Finanzmittel führen zu einem beständigen Verlust unwiederbringlicher Denkmäler. Zersiedlung und TourismusDie massiven Bevölkerungsbewegungen in der Türkei seit den 70er Jahren haben ebenfalls zu einer massiven Gefährdung historischer Baustrukturen beigetragen. Ein Faktor dabei ist die Abwanderung der nichtchristlichen Minderheiten aus der Türkei, der dazu führt, daß viele Klöster, Kirchen und Synagogen inzwischen verwaist sind - ihre Instandhaltung damit aber auch nicht mehr gegeben ist. Aber auch die Siedlungen, die zuvor vor allem von Angehörigen dieser Minderheiten bewohnt worden sind, haben durch den Zustrom von Menschen aus dem ländlichen Raum inzwischen massiv Schaden genommen: Als erste Station von Neuankömmlingen in der Stadt, fehlt es dort zum einen am Geld für die Instandhaltung. Der zweite Grund liegt darin, daß die Neuankömmlinge aus dem ländlichen Raum andere Nutzungsgewohnheiten haben und meist wenig Interesse für den Erhalt der von ihnen bewohnten Gebäude aufbringen. Der massive Bevölkerungszuwachs der türkischen Städte hat darüberhinaus auch zur Zersiedelung der Landschaft beigetragen. Die Anlage von neuen Siedlungen im unmittelbaren Umfeld einiger Baudenkmäler hat dazu geführt, daß die Beziehung zwischen Baudenkmal und Umgebung gestört wird und das Denkmal seine einzigartige Wirkung verliert. Der Bericht weist in diesem Zusammenhang auf die Aquadukte von Uzunkemer bei Istanbul hin. Auch die Entwicklung des Tourismus führt vielerorts zu einer Veränderung der historischen Siedlungsstrukturen - insbesondere immer dann, wenn touristische Einrichtungen in unmittelbarer Nähe von archäologischen Stätten (wie z.B. Side) errichtet werden. Bauliche GroßprojekteBauliche Großprojekte in der Türkei gefährden großflächig eine Vielzahl von Bauprojekten. Die Rettungsaktion für die römische Garnisonsstadt Zeugma mit ihren einzigartigen Bodenmosaiken im vergangenen Jahr hat national und international ein weiteres Mal auf dieses Problem aufmerksam gemacht. Das geplante Ilisu-Dammprojekt gefährdet weiterhin die historischen Stätten von Hasankeyif, die in ihrer Verbindung mittelalterlicher Architektur und Landschaft eine besondere Schönheit besitzen. Die vorgesehene Frist von 8 Jahren zur Bergung der Kunstschätze wird im ICOMOS Bericht als völlig unzureichend angesehen. Hinzu kommt, daß selbst wenn die Gebäude an eine andere Stelle versetzt werden könnten, ihre Beziehung zu ihrem natürlichen Bauumfeld nicht wiederhergestellt werden könnte. |
Dossier Architektur und Denkmalschutz
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