Jahrgang 2 Nr. 8 vom 23.02.2002
 

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Antalya, die Perle der Südtürkei

von Peter Kaiser, Antalya

Kurban Bayrami kutlu olsun,

Heute möchte ich Ihnen einige Anmerkungen aus meiner Sicht zu Antalya geben.

Antalya braucht unbedingt ein positives Image um im internationalen Wettbewerb mit anderen europäischen Urlaubszielen besser bestehen zu können. Antalya verfügt über alle Voraussetzungen um in der Hitparade der besten Urlaubsziele in Europa ganz oben stehen zu können.

Antalya ist eine der schönsten Städte in der Türkei, das haben auch schon die alten Römer und Griechen gewußt, denn sie ließen sich ausschließlich an den schönsten Plätzen nieder.

Heute, zwei Jahrtausende später, hat sich vieles geändert. Neue Gebäude haben sich eingereiht, die antiken Überreste der Vergangenheit verschmelzen mit der Neuzeit.

Nicht immer nur zum Vorteil.

Im Vergleich mit anderen gut besuchten Urlaubsmetropolen, wie in Spanien, Italien, Frankreich oder Griechenland, gibt es hier gravierende Unterschiede. Ich kenne auch diese Länder sehr gut und mein Job ist es, das Thema Tourimus durch eine andere Brille zu sehen.

Antalya hat dem Besucher eigentlich viel mehr zu bieten, als die anderen europäischen Urlaubsstädte, nur der Urlauber sieht es und spürt es nicht! Vielleicht mag es daran liegen, daß der Tourismus hier noch relativ jungfräulich ist. Es ist aber noch nicht zu spät.

Wo sind die Fußgängerzonen oder die verkehrsberuhigten Plätze? Wo sind die schönen Grünanlagen, die die malerische Schönheit Antalyas unterstreichen und beim Touristen die richtige Urlaubsstimmung aufkommen läßt? Er muß sich wohl fühlen. Straßencafes und Sitzbänke in gepflegter Umgebung, das will der Urlauber haben und nicht Lärm, Stress, Abgase und Trafik, das hat er zu Hause genug.

Wo sind die Straßenmusikanten oder die Straßenkünstler, die das Bild auflockern und den Besucher zum Verweilen reizen? In jeder europäischen Urlaubermetropole gibt es die an jeder Ecke.

Sieht man sich einmal den Verkehr am Uhrturm an, für die Touristen einer der schönsten Ausgangspunkte um Antalya zu entdecken. Aber es ist zur Zeit in New York, Bangkok, Rio oder Istanbul nicht viel schlimmer. Die Straßen um den Uhrturm sollten zur Fußgängerzone gemacht werden, Service- und Lieferfahrzeuge nur bis 11.00 Uhr morgens Durchfahrt haben. Damit kann man Antalya zu einer liebenswerten Touristenstadt machen. LKW`s gehören schon gar nicht in die Innenstadt. Es fehlt außerdem an Parkhäusern und Parkplätzen.

Die Ampeln zeigen dem Fußgänger grün, aber welcher Autofahrer hält sich daran? Der Urlauber muß laufen und manchmal um sein Leben rennen, um gesund die nächste Straßenseite zu erreichen. Für den Europäer sieht das manchmal sehr lustig aus, er kennt das so überhaupt nicht. Aber ist es das wirklich zum Lachen?

Kann das für ein gutes Image für eine so schöne Touristenstadt wie Antalya beitragen?

Gerade in Deutschland und Österreich ist es undenkbar, daß ein Auto bei rot über die Ampel fährt. Und wenn ein Fußgänger eine Straße überqueren will, dann halten die Fahrzeuge an und lassen ihn die Straße passieren. Das gilt auch in allen anderen europäischen Ländern.

Was ist mit den Behinderten im Rollstuhl, oder den Kleinkindern im Kinderwagen unterwegs sind? Es gibt kaum eine Gelegenheit ohne Probleme in Antalya spazierenzugehen. Hoch sind die Bordsteinkanten, gefährlich tief die Löcher auf den Wegen. Überall lauern Unfallgefahren, vor allem am Abend.

Im nachhinein kann ich heute verstehen, warum es in der Türkei kaum Kinderwagen gibt. Und Rollstuhlfahrer habe ich immer nur auf der Straße zwischen den Autos gesehen. Die einzige und gefährlichste Möglichkeit für sie um vorwärts zu kommmen.

In die Bordsteine an den Bürgersteigen gehören Absenkungen, die mit Rollstühlen oder Kinderwagen befahren werden können. Man muß schon akrobatische Übungen machen, damit man jetzt diese Hindernisse überwinden kann.

Es ist schon noch reichlich orientalisch in Antalya, ähnlich wie in Marokko oder Tunesien. Diese Länder liegen in der Beliebtheitsskala der beliebtesten Urlaubsziele deswegen auch nur am Ende. Aber Antalya liegt nicht im Orient, die Türkei ist europäisch orientiert und möchte der EU beitreten! Von diesem orientalischen Image muß man schnellstens weg!

Sicherlich erzählen die Besucher Antalyas nach Ihrem Urlaub in Ihrer Heimat lustige Geschichten die sie hier, nicht nur im Straßenverkehr so erlebt haben. Aber ob das beim Zuhörer, der die Türkei nicht kennt, richtig ankommt? Oder schrecken ihn die vielen negativen Geschichten nicht eher ab, hier Urlaub zu machen? Das sollten wir uns fragen.

Die Vereinigung einerseits zwischen der gut funktionierenden Großstadt und Touristen-metropole Antalya ist machbar. Antalya hat ein besseres Image verdient und wird es eines Tages auch bekommen, ich bin mir da ganz sicher. Es braucht nur noch etwas Zeit.

kaiser@journalist.com

 

 

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