| ||||
|
Jetzt kostenlos! | ||||
Alle Jahre wieder: Das OpferfestVom 22. bis 25. Februar erlebt die Türkei das Opferfest, das zweite große Fest des islamischen Kalenders. Viereinhalb Tage Ferien, ein Familienfest mit gegenseitigen Geschenken, Vergabe von Almosen und natürlich: das Schlachten der Opfertiere. Schon am Montag begann der bevorstehende Bayram (Feiertag) seine Boten vorauszuschicken: Tiere in der Stadt. Obwohl die öffentlichen Stellen beständig darauf hinwiesen, daß Tiere nur an den dafür vorgesehenen und zugelassenen Stellen verkauft werden dürfen, zeigen sich an vielen Stellen die Viehverkäufer. Verkauft werden vor allem Schafe und Rinder. Doch hat die Krise auch in diesem Jahr ihre Spuren hinterlassen: klagten die Viehhändler bereits im vergangenen Jahr über die geringe Nachfrage, so soll das Geschäft in diesem Jahr noch schlechter gehen. Für die türkische Landwirtschaft ist der Opfertierhandel nicht nur aus Tierschutzgründen ein Problem. Der Tageszeitung Radikal zufolge wird mit einem Verkauf von 2 Millionen Tieren gerechnet. Da aber nur ein Teil des Handels an den registrierten Verkaufsstellen erfolgt, ist vielfach die Herkunft der Tiere und ihr Gesundheitszustand unklar. Der Transport lebender Tiere von Ost nach West führt neben Gesundheitsgefahren für den Menschen auch zur Verbreitung von Viehseuchen. Das nächste Problem ist dann die Opferung selbst. Nach islamischen Regeln muß das Tier 'geschächtet' werden, d.h. ausbluten. Moderne Schlachtmethoden ermöglichen dies, indem das Tier zunächst betäubt wird. Untersuchungen zeigen, daß dieses Schlachtverfahren nicht nur den Vorgang beschleunigt sondern außerdem auch die Fleischqualität erhöht. Umgekehrt führt unsachgemäßes Schlachten zu einem enormen Verlust bei der Fleischausbeute und bei der Qualität der Häute. Nichtsdestotrotz ist es den Behörden trotz massiver Strafandrohungen bisher nicht gelungen, das 'wilde' Schlachten zu unterbinden. Dazu scheinen vielfach Familientraditionen und Gebräuche zu tief zu sitzen. Selbst religiöse Gutachten des Direktorats für religiöse Angelegenheiten der Türkei scheinen hier nur eine geringe Wirkung zu entfalten. Immerhin wurden allein in Istanbul mehr als 240 Schlachtplätze eingerichtet. Lange Schlangen vor einige Schlachtplätzen und Desorganisation schreckten jedoch viele Familien ab. Zur religiösen Dimension des Ereignisses gehört außerdem, daß ein Teil des Fleisches gespendet wird. Dementsprechend werden Tonnen von Fleisch beispielsweise in die Erdbebenregion von Afyon gesandt. Verbreitet ist aber vor allem die direkte Spende des Opferfleisches an ärmere Familien innerhalb der eigenen Siedlung. Die Häute der Opfertiere werden vom Türk Hava Kurullu eingesammelt - der einzigen zugelassenen Sammelorganisation. Eine andere Form der Mildtätigkeit, die nach Auffassung einiger Islamwissenschaftler an die Stelle des Opfers treten kann, sind Spenden. So weist das Direktorat für religiöse Angelegenheiten auf die Möglichkeit hin, eine Opfervollmacht zu erteilen, damit ein Tier unter geeigneten Bedingungen im Namen des Spenders geopfert werden kann. Der Gegenwert für solch eine Opfervollmacht beträgt in der Türkei 100 Millionen TL, für im Ausland lebende Türken werden höhere Gebühren angegeben. |
Das Tieropfer Nach einer Darstellung des Direktorats für religiöse Angelegenheiten ist das Opfer ein Beweis des Gläubigen, daß er sich, um Allah näher zu sein, von seinem Besitz trennt. Darum ist der Kern des Opfers nach dieser Auffassung nicht, eine Fleischspende an Bedürftige zu leisten, auch wenn dies zur Vervollkommnung des Opfers beiträgt. Das Direktorat verweist dazu auf die Hac-Suren im Koran (28, 34, 36 und 37).
|
|||