Analyse 2000
oder.....was Klaus und Erika eigentlich wollen!
von Peter Kaiser, Antalya
Die Sommersaison 2002 steht bevor. Jedoch unter dem Schatten eines evtl.
Krieges im Irak.
Die Zeit der Analyse, des Nachdenkens und der Endabrechnung ist gekommen.
Wie war die vergangene Saison? Warum war sie nicht besser? Genügend
Gäste waren ja da.
Fast alle Hotels, Restaurants und Geschäfte hatten reichlich mehr
Kunden zu bedienen, als in den Jahren zuvor. Nur...... unter dem Strich
haben alle weniger verdient. Das habe ich überall gehört. Warum
ist das so? Was kann man verbessern? Was muß sich ändern?
Leider setzen sich die wenigsten von Ihnen mit diesen Fragen auseinander
und sagen sich: Vielleicht wird die nächste Saison ja besser!"
Insallah!
Mit Insallah aber kann man keine zufriedenstellenden Ergebnisse produzieren,
viel weniger noch ein Geschäft führen. Initiative ist gefragt!
Was können wir besser machen?
Im allgemeinen habe ich festgestellt, daß viele große und
kleine Unternehmer überhaupt nicht wissen, daß eine langfristige
Planung für sie sehr wichtig ist.
Einige wollen eben nur das schnelle" Geschäft, einmal
viel verdienen und dann güle, güle"! Einigen ist
der Begriff langfristige Planung" vielleicht noch nicht bekannt.
Deshalb denken sie immer nur von heute auf morgen.
Nun möchte ich einmal versuchen, die Mentalität eines typisch
deutschen Urlaubers zu erklären. In der Hoffnung, daß diese
Botschaft auch im hintersten Raum des kleinsten Geschäftes verstanden
wird.
Zunächst einmal muß das allgemeine Vorurteil abgeschafft werden,
daß jeder deutsche Urlauber reich" ist.
Weit gefehlt meine Herren!
Auch die Deutschen müssen hart für Ihr Geld arbeiten. Geld
verdienen ist auch in Deutschland kein Kinderspiel. Es gibt fast 10% Arbeitslose.
Die Durchschnittsfamilie mit zwei Kindern in Deutschland hat ein monatliches
Einkommen von ca. 1.400 EURO. Wenn die Mutter noch halbe Tage mitarbeitet,
dann ist es etwas mehr.
Das mag sich zwar sehr viel anhören, ist es aber nicht.
Das ist der gute Durchschnitt der deutschen Bevölkerung, die Masse.
Daneben gibt es natürlich auch sehr Reiche, Superreiche und Supersuperreiche.
Das ist aber nur der ganz kleine Teil. Es gibt aber auch sehr Arme, die
am Existenzminimum leben. Zwar nicht so viel wie in der Türkei, aber
es gibt sie auch.
Wenn man bedenkt, daß die Miete für eine drei Zimmer Wohnung
zwischen 600 und 700 EURO beträgt, dann bleibt dann nicht mehr sehr
viel zum Leben übrig. Alle Ausgaben müssen gut geplant sein.
Es müssen noch Versicherungen, Telefon und Kfz-Kosten bezahlt werden.
Die Kinder wollen ein Taschengeld und müssen neue Kleidung haben.
Auch wollen alle satt werden und auch mal ins Kino gehen. Alleine eine
Fahrt in der Stadt, mit dem Bus oder der Straßenbahn kostet schon
DM 3,50!!
Deutschland ist und war noch nie ein Schlaraffenland! Wer das glaubt,
der denkt völlig falsch! Warum träumen nur so viele Türken
davon, in Deutschland zu leben? Hier ist es doch viel schöner!
Der Deutsche ist bekannt dafür, daß er immer wieder dahin
geht, wo es ihm gefällt. Es gibt Familien, die fahren schon seit
25 Jahren nach Italien, immer in den selben Ort, immer in das gleiche
Hotel. Auch gehen sie immer zum gleichen Strand und essen immer im gleichen
Restaurant, aber......... nur wenn es ihm gefallen hat und er zufrieden
ist, mit Preis, Leistung, Sauberkeit und Service.
Die Spanier, Italiener und Österreicher haben das ganz schnell verstanden
und umgesetzt, was die deutschen Urlauber haben möchten! Deswegen
haben sie so viele Stammgäste.
Warum versteht man das hier nicht? Oder will man das gar nicht verstehen?
Klaus und Erika wollen sich in erster Linie im Urlaub erholen. Sie lieben
Gemütlichkeit, Geselligkeit und freuen sich über nette Bekanntschaften.
Sie möchten sich verwöhnen lassen und auch viel sehen. Sie
lieben eine romantische und angenehme Atmosphäre, gutes Essen und
ein gutes Glas Wein oder Bier.
Sie möchten sich für gute Gastfreundschaft erkenntlich zeigen,
sind hilfsbereit, ehrlich und vor allem gutgläubig. Und sie vor allem
nicht geizig oder kleinlich.
Einige Geschäftsinhaber haben das auch hier schon begriffen. Klaus
und Erika danken es ihnen, weil sie immer wieder zu ihnen kommen. Sei
es der Goldhändler, Kellner, die Pension oder das Restaurant. Klaus
und Erika bringen sogar kleine Geschenke für Sie aus Deutschland
mit.
Sie wollen etwas über die Kultur, Land und Leute erfahren. Sie sind
neugierig und wollen alles wissen über das für sie fremde Land
Türkei, in dem sie Urlaub machen.
Warum tun sich die meisten damit so schwer?
Es ist so einfach, einen deutschen Urlauber zum Stammgast zu gewinnen!
Bedient sie ehrlich und korrekt, bietet ihnen eine angenehme Umgebung.
Und vor allem, haltet Eure Toiletten sauber! Die Toilette muß die
Visitenkarte eines jeden Lokales sein! Darauf achten gerade die Deutschen
sehr.
Wenn sie mit Ekel auf die Toilette müssen, dann habt ihr schon verloren,
für alle Zeit. Der Gast kommt nicht wieder! Ein Verhalten, das mir
nicht fremd ist. Man kann auch schlichte und einfache Toilettenanlagen
sauber halten.
Einige Geschäftsleute glauben immer noch, daß die Urlauber
wie Kühe sind, die nur hierher kommen, um gemolken zu werden.
Die meisten von Ihnen wissen aber überhaupt nicht, wie eine Kuh
zu melken ist! Deshalb wird sie dann gleich von ihnen geschlachtet":
Die Milchquelle, aus der alle so viel Milch zapfen" könnten.......
ist für immer versiegt.
So können sie keine Stammkunden gewinnen und werden immer jammern,
warum sie nicht mehr Geld verdienen, warum das Geschäft so schlecht
ist.
Die Türkei ist für deutsche Urlauber noch ein sehr junges und
unbekanntes Land. Erst wenn sie mehr über Kultur, Sitten und Gebräuche,
Land und Leute wissen, fällt es ihnen viel leichter, sich hier zurecht
zu finden. Dann werden sie kommen, wiederkommen und auch noch ihre Freunde
mitbringen.
Wer dazu Anregungen und Vorschläge benötigt, kann sich gerne
bei mir melden. Ich habe mir darüber sehr viel Gedanken gemacht,
Lösungen gefunden und ausgearbeitet.
Nun ist gerade wieder die Wintersaison, die Zeit, wo die Urlauber schon
ab 250 EURO für eine Woche in die Türkei fliegen können!!!!
Eigentlich unglaublich!
Inklusive Flug, inklusive 5 Sterne Hotel, inklusive einem warmen Zimmer
und inklusive Halbpension!!! Wo gibt es solche Geschenke sonst noch??
Die ganze Sache hat nur einen großen Haken! Die Katze beißt
sich in den eigenen Schwanz!
Die Hotels müssen Ihre Zimmer derart billig verkaufen, daß
Sie gezwungen werden, die Preise für die Getränke, kräftig
zu erhöhen, um einigermaßen eine Kostendeckung zu erzielen.
Der Gast, der dann am Abend noch Durst auf ein Bier aus der Minibar hat,
der muß dafür dann einen solch hohen Betrag zahlen, daß
er sich vorkommt, wie über den Tisch gezogen! Mir sind Preise von
DM 8,00 für ein Bier bekannt. Anders kommen die Hoteliers aber nicht
auf ihre Kosten.
Durch derartige überzogene Preise entsteht in Deutschland durch
Mundpropaganda der total verkehrte Eindruck: Die Türkei ist
teuer!" Das Ergebnis davon? Die Leute werden von der Türkei
abgeschreckt, erzählen Negatives ihren Freunden zu Hause und die
werden auch nicht kommen!
Was macht der Gast, er kauft sich draußen seine Getränke außerhalb
des Hotels und schmuggelt" sie heimlich ins Hotel, weil er
die hohen Preise nicht akzeptieren kann.
Einige Hotel haben ihre Wachmänner" darauf getrimmt,
den Gästen, die sich ihre Getränke von draußen mitbringen,
diese gleich am Hoteleingang wieder abzunehmen.
Macht so etwas einen guten Eindruck? Kann das eine gute Werbung sein?
Liebe Veranstalter, zahlt den Hotels im Winter etwas mehr Geld, laßt
sie leben und nicht am Hungertuch nagen. Ihr und Eure Gäste seid
auf einen guten Service angewiesen. Klaus und Erika, Hans und Rita werden
es Euch danken, zufrieden nach Hause fahren, es Ihren Freunden erzählen
und wiederkommen. Das wollen doch alle!
Es ist doch so einfach!
Bis nächste Woche
Kaiser@journalist.com
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