Jahrgang 2 Nr. 9 vom 2.03.2002
 

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Analyse 2000
oder.....was Klaus und Erika eigentlich wollen!

von Peter Kaiser, Antalya

Die Sommersaison 2002 steht bevor. Jedoch unter dem Schatten eines evtl. Krieges im Irak.

Die Zeit der Analyse, des Nachdenkens und der Endabrechnung ist gekommen. Wie war die vergangene Saison? Warum war sie nicht besser? Genügend Gäste waren ja da.

Fast alle Hotels, Restaurants und Geschäfte hatten reichlich mehr Kunden zu bedienen, als in den Jahren zuvor. Nur...... unter dem Strich haben alle weniger verdient. Das habe ich überall gehört. Warum ist das so? Was kann man verbessern? Was muß sich ändern?

Leider setzen sich die wenigsten von Ihnen mit diesen Fragen auseinander und sagen sich: „Vielleicht wird die nächste Saison ja besser!" Insallah!

Mit Insallah aber kann man keine zufriedenstellenden Ergebnisse produzieren, viel weniger noch ein Geschäft führen. Initiative ist gefragt! Was können wir besser machen?

Im allgemeinen habe ich festgestellt, daß viele große und kleine Unternehmer überhaupt nicht wissen, daß eine langfristige Planung für sie sehr wichtig ist.

Einige wollen eben nur das „schnelle" Geschäft, einmal viel verdienen und dann „güle, güle"! Einigen ist der Begriff „langfristige Planung" vielleicht noch nicht bekannt. Deshalb denken sie immer nur von heute auf morgen.

Nun möchte ich einmal versuchen, die Mentalität eines typisch deutschen Urlaubers zu erklären. In der Hoffnung, daß diese Botschaft auch im hintersten Raum des kleinsten Geschäftes verstanden wird.

Zunächst einmal muß das allgemeine Vorurteil abgeschafft werden, daß jeder deutsche Urlauber „reich" ist.

Weit gefehlt meine Herren!

Auch die Deutschen müssen hart für Ihr Geld arbeiten. Geld verdienen ist auch in Deutschland kein Kinderspiel. Es gibt fast 10% Arbeitslose.

Die Durchschnittsfamilie mit zwei Kindern in Deutschland hat ein monatliches Einkommen von ca. 1.400 EURO. Wenn die Mutter noch halbe Tage mitarbeitet, dann ist es etwas mehr.

Das mag sich zwar sehr viel anhören, ist es aber nicht.

Das ist der gute Durchschnitt der deutschen Bevölkerung, die Masse. Daneben gibt es natürlich auch sehr Reiche, Superreiche und Supersuperreiche. Das ist aber nur der ganz kleine Teil. Es gibt aber auch sehr Arme, die am Existenzminimum leben. Zwar nicht so viel wie in der Türkei, aber es gibt sie auch.

Wenn man bedenkt, daß die Miete für eine drei Zimmer Wohnung zwischen 600 und 700 EURO beträgt, dann bleibt dann nicht mehr sehr viel zum Leben übrig. Alle Ausgaben müssen gut geplant sein. Es müssen noch Versicherungen, Telefon und Kfz-Kosten bezahlt werden. Die Kinder wollen ein Taschengeld und müssen neue Kleidung haben. Auch wollen alle satt werden und auch mal ins Kino gehen. Alleine eine Fahrt in der Stadt, mit dem Bus oder der Straßenbahn kostet schon DM 3,50!!

Deutschland ist und war noch nie ein Schlaraffenland! Wer das glaubt, der denkt völlig falsch! Warum träumen nur so viele Türken davon, in Deutschland zu leben? Hier ist es doch viel schöner!

Der Deutsche ist bekannt dafür, daß er immer wieder dahin geht, wo es ihm gefällt. Es gibt Familien, die fahren schon seit 25 Jahren nach Italien, immer in den selben Ort, immer in das gleiche Hotel. Auch gehen sie immer zum gleichen Strand und essen immer im gleichen Restaurant, aber......... nur wenn es ihm gefallen hat und er zufrieden ist, mit Preis, Leistung, Sauberkeit und Service.

Die Spanier, Italiener und Österreicher haben das ganz schnell verstanden und umgesetzt, was die deutschen Urlauber haben möchten! Deswegen haben sie so viele Stammgäste.

Warum versteht man das hier nicht? Oder will man das gar nicht verstehen?

Klaus und Erika wollen sich in erster Linie im Urlaub erholen. Sie lieben Gemütlichkeit, Geselligkeit und freuen sich über nette Bekanntschaften.

Sie möchten sich verwöhnen lassen und auch viel sehen. Sie lieben eine romantische und angenehme Atmosphäre, gutes Essen und ein gutes Glas Wein oder Bier.

Sie möchten sich für gute Gastfreundschaft erkenntlich zeigen, sind hilfsbereit, ehrlich und vor allem gutgläubig. Und sie vor allem nicht geizig oder kleinlich.

Einige Geschäftsinhaber haben das auch hier schon begriffen. Klaus und Erika danken es ihnen, weil sie immer wieder zu ihnen kommen. Sei es der Goldhändler, Kellner, die Pension oder das Restaurant. Klaus und Erika bringen sogar kleine Geschenke für Sie aus Deutschland mit.

Sie wollen etwas über die Kultur, Land und Leute erfahren. Sie sind neugierig und wollen alles wissen über das für sie fremde Land Türkei, in dem sie Urlaub machen.

Warum tun sich die meisten damit so schwer?

Es ist so einfach, einen deutschen Urlauber zum Stammgast zu gewinnen!

Bedient sie ehrlich und korrekt, bietet ihnen eine angenehme Umgebung. Und vor allem, haltet Eure Toiletten sauber! Die Toilette muß die Visitenkarte eines jeden Lokales sein! Darauf achten gerade die Deutschen sehr.

Wenn sie mit Ekel auf die Toilette müssen, dann habt ihr schon verloren, für alle Zeit. Der Gast kommt nicht wieder! Ein Verhalten, das mir nicht fremd ist. Man kann auch schlichte und einfache Toilettenanlagen sauber halten.

Einige Geschäftsleute glauben immer noch, daß die Urlauber wie Kühe sind, die nur hierher kommen, um gemolken zu werden.

Die meisten von Ihnen wissen aber überhaupt nicht, wie eine Kuh zu melken ist! Deshalb wird sie dann gleich von ihnen „geschlachtet": Die Milchquelle, aus der alle so viel Milch „zapfen" könnten....... ist für immer versiegt.

So können sie keine Stammkunden gewinnen und werden immer jammern, warum sie nicht mehr Geld verdienen, warum das Geschäft so schlecht ist.

Die Türkei ist für deutsche Urlauber noch ein sehr junges und unbekanntes Land. Erst wenn sie mehr über Kultur, Sitten und Gebräuche, Land und Leute wissen, fällt es ihnen viel leichter, sich hier zurecht zu finden. Dann werden sie kommen, wiederkommen und auch noch ihre Freunde mitbringen.

Wer dazu Anregungen und Vorschläge benötigt, kann sich gerne bei mir melden. Ich habe mir darüber sehr viel Gedanken gemacht, Lösungen gefunden und ausgearbeitet.

Nun ist gerade wieder die Wintersaison, die Zeit, wo die Urlauber schon ab 250 EURO für eine Woche in die Türkei fliegen können!!!! Eigentlich unglaublich!

Inklusive Flug, inklusive 5 Sterne Hotel, inklusive einem warmen Zimmer und inklusive Halbpension!!! Wo gibt es solche Geschenke sonst noch??

Die ganze Sache hat nur einen großen Haken! Die Katze beißt sich in den eigenen Schwanz!

Die Hotels müssen Ihre Zimmer derart billig verkaufen, daß Sie gezwungen werden, die Preise für die Getränke, kräftig zu erhöhen, um einigermaßen eine Kostendeckung zu erzielen.

Der Gast, der dann am Abend noch Durst auf ein Bier aus der Minibar hat, der muß dafür dann einen solch hohen Betrag zahlen, daß er sich vorkommt, wie über den Tisch gezogen! Mir sind Preise von DM 8,00 für ein Bier bekannt. Anders kommen die Hoteliers aber nicht auf ihre Kosten.

Durch derartige überzogene Preise entsteht in Deutschland durch Mundpropaganda der total verkehrte Eindruck: „Die Türkei ist teuer!" Das Ergebnis davon? Die Leute werden von der Türkei abgeschreckt, erzählen Negatives ihren Freunden zu Hause und die werden auch nicht kommen!

Was macht der Gast, er kauft sich draußen seine Getränke außerhalb des Hotels und „schmuggelt" sie heimlich ins Hotel, weil er die hohen Preise nicht akzeptieren kann.

Einige Hotel haben ihre „Wachmänner" darauf getrimmt, den Gästen, die sich ihre Getränke von draußen mitbringen, diese gleich am Hoteleingang wieder abzunehmen.

Macht so etwas einen guten Eindruck? Kann das eine gute Werbung sein?

Liebe Veranstalter, zahlt den Hotels im Winter etwas mehr Geld, laßt sie leben und nicht am Hungertuch nagen. Ihr und Eure Gäste seid auf einen guten Service angewiesen. Klaus und Erika, Hans und Rita werden es Euch danken, zufrieden nach Hause fahren, es Ihren Freunden erzählen und wiederkommen. Das wollen doch alle!

Es ist doch so einfach!

Bis nächste Woche

Kaiser@journalist.com

 

 

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