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Deutsch-türkische Medienbeziehungen- im Licht zweiter nicht mehr ganz neuer BücherMein letzter Deutschlandaufenthalt liegt nun schon lange zurück. In manchen Gesprächen taucht auch schon mal die Bemerkung auf, daß ich ganz schön "türkisiert" sei. Natürlich prägen die Medien, die man verfolgt auch die eigene Wahrnehmung. Das mir aber die deutschsprachige Berichterstattung über die Türkei immer wieder unzulänglich vorkam, ist eine der Antriebskräfte für die Herausgabe der Istanbul Post. Doch jenseits dieses subjektiven Bezugs gibt es eine Reihe von medienwissenschaftlichen Untersuchungen, die sich mit den deutsch-türkischen Medienbeziehungen auseinandersetzen. Zwei Beiträge - die den Vorteil besitzen, über die Bibliothek des Goethe-Instituts Istanbul auch zugänglich zu sein - möchte ich hier kurz vorstellen. Vom 28. bis 30. Januar wurde in der evangelischen Akademie Loccum eine Tagung mit dem Titel "Zwischen Abgrenzung und Integration. Türkische Medienkultur in Deutschland" durchgeführt, deren Beiträge im vergangenen Jahr in einer Tagungsdokumentation veröffentlicht wurden.(1) In dieser Dokumentation befindet sich der Beitrag von M. Nail Alkan mit dem Titel "Brückenschlag oder Barriere", in dem der Autor u.a. der Frage nachgeht, warum in den vergangenen 20 Jahren das Interesse an den deutsch-türkischen Medienbeziehungen gestiegen ist. Im Hinblick auf die Frage, ob die Medienbeiträge beider Länder tatsächlich eine Brückfunktion haben können oder eine Barriere darstellen oder ob nicht beides zutreffen könnte, geht der Autor zunächst den nationalen Stereotypen nach, wie sie aus der jeweiligen Berichterstattung erkennbar werden. Im Hinbilck auf das Türkei-Bild in deutschen Medien stellt Alkan fest, daß kein geschlossenes Bild vermittelt wird. Es werden überwiegend negative oder problematische Ereignisse berichtet. Es besteht in der deutschen Gesellschaft nur ein geringer Kenntnisstand über die türkische Kultur, dem aber auch ein geringer Anteil in der Berichterstattung darüber in den deutschen Medien entspricht: In einer Untersuchung von Quandt wurden nur 2 Prozent der untersuchten Beiträge den Themenfeldern "Kultur" und "Wirtschaft" zugeordnet.(2) Neben den Defiziten in der Berichterstattung über die Türkei konstatiert Alkan jedoch auch Probleme im Hinblick auf Berichte über Türken in Deutschland und der Türkei: "Einen weiteren Bereich in diesem Zusammenhang stellen die Türken dar; damit sind sowohl die Türken in Deutschland als auch die Türken in der Türkei gemeint. Über diesen Bereich wird zwar in den deutschen Medien häufig berichtet, aber zumeist Negatives und Problemfälle. Entweder wird über die türkischen Frauen berichtet, die von ihren Männern unterdrückt werden, über türkische Mädchen, die Probleme im familiären Umfeld haben oder allgemein über Jugendliche, die nicht wissen, ob sie in die türkische oder die deutsche Gesellschaft gehören. Obwohl im Verlauf der letzten Jahrzehnte, die Türken sich immer mehr in die deutsche Gesellschaft intgegriert haben, bleiben sie in den deutschen Medien mit einem schlechten Image behaftet. Werden Türken in der deutschen Presse erwähnt, dann nicht selten im Zuge der Bandenkriege rivalisierender türkischer Gruppierungen in Deutschland, im Zuge der Kurdenproblematik, dem PKK-Verbot in Deutschland durch das Innenministerium und der Masse an Straftaten, die Ausländer im Allgmeinen und Türken im Besonderen in angeblich hohem Anteil begangen haben sollen." (S. 52) "Die deutsch-türkischen Medienbeziehungen durchlaufen zur Zeit keine gute Phase. Dei deutschen Medien werden von türkischer Seite kritisiert, sie betrieben Hetze gegen die Türkei, weiterhin würden die deutschen Medien krankhaft das Ende der Türkei herbeiwünschen. 'Wir verfolgen seit Tagen mit größter Bestürtzung und Betroffenheit die Veröffentlichungen in der deutschen Presse und die Sendungen in allen deutschen Fernsehkanälen gegen die Türken und den Staat Türkei. Diese Haltung ist nicht nur gegenüber der Türkei, sondern auch gegenüber der türkischen Bevölkerung zu einem Ausmaß an Feindseligkeit eskaliert.' (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.03.1999). Auf der anderen Seite wird der türkischen Presse in Deutschland vorgeworfen, sie sei nicht an einer Integration der türkischen Bevölkerung in Deutschland interessiert und deshalb verbreite sie in ihren Europaausgaben ein negatives Deutschlandbild. 'Die Deutschen sind areligiös, jagen dem Geld nach und tringen von morgens bis abends Bier. Im Umgang mit Freunden verhalten sie sich kalt und abweisend. Türkisch-islamische Werte haben in Deutschland keine Chance. Viele Türken sind von rassistischen Deutschen verbrannt worden.' (Quandt, Siegfried: Kulturelle Stereotypen im Bild der Medien. Darstellung und Wahrnehmung in Tele-Kulturen, in: Bertelsmann Briefe, Heft 139/1998, Gütersloh 1998, S. 5) Der türkischen Presse in Deutschland wird vorgeworfen, sie sei an einer Verbesserung der deutsch-türkischen Beziehungen nicht interessiert, im Gegenteil sie stachele die in Deutschland lebenden Türken zur Deutschlandfeindlichkeit an." (S. 57) Es liegt auf der Hand, daß die Medien beider Länder die gegen sie gerichteten Vorwürfe zurückweisen.
Der zweite Beitrag ist die Dissertation von Gürsel Gür (3) zum Türkeibild in deutschen Medien. Die empirische Untersuchung kommt in ihrer Zusammenfassung zu dem Schluß, daß seit 1991 die Berichterstattung in den vier untersuchten Tageszeitungen "Frankfurter Rundschau", "Welt", "Süddeutsche Zeitung" und "Frankfurter Allgemeine" zwar zugenommen habe. Aber: "Statt kontinuierlicher Hintergrundberichterstattung fand sich in den vier meinungsführenden Periodika zwischen 1987 und 1995 übereinstimmend ereignisbezogene, 'saisonale' Punktualität." (S. 165) "Das übereinstimmende Interesse der vier Zeitungen galt in den meisten Artikeln vielmehr den innenpolitischen Problemen des Landes, und dabei insbesondere den Menschenrechtsverletzungen." (165f.) "Bei der Berichterstattung über die Situation der Kurden, dem am zweitstärksten vertretenen Thema, setzen die militärischen Maßnahmen der türkischen Regierung gegen die PKK auch und besonders im Nordirak einen Schwerpunkt. Im Gegensatz zur Rolle der türkischen Regierung im nach wie vor ungelösten Kurdenkonflikt hinterfragen die vier Zeitungen aber kaum die Rolle der PKK." (166) "Gemäß des dominierenden Themas Politik überwiegen in der Berichterstattung deutlich die informativen Stilformen, die Berichte und Meldungen. Reportagen dagegen, die neben der Kultur auch Bereiche des alltäglichen Lebens lebendig schildern können und in der Regel einen positiven Akzent setzen, weil sie erfordern, daß sich ihre Autoren ausgiebig mit dem geschilderten Sujet beschäftigen und of dabei auch im Gegensatz zu den der Neutralität verpflichteten Verfassern nachrichtlicher Stilformen eigene Sympathien entwickeln, stellen dagegen die Ausnahme dar." (167)
Anmerkungen:(1) Evangelische Akademie Loccum (Hg): "Zwischen Abgrenzung und Integration. Türkische Medienkultur in Deutschland" Rehburg-Loccum. 2001 (2) Siegfried Quandt: Die Darstellung der Türkei, der Türken und Kurden in deutschen Massenmedien. Gießen 1995, S. 13 (3) Gürsel Gür: Das Türkeibild in der deutschen Presse unter besonderer Berücksichtigung der EU-Türkei-Beziehungen. Peter Lang Verlag. Frankfurt/M., Berlin, Bern, New York, Paris, Wien 1998 |
Dossier Medien
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