| |
- (Aksam, 12.04.02) Untersuchungsverfahren gegen ehemaligen Ministerpräsidenten
Erbakan eingeleitet. Nachdem türkische
Medien gemeldet hatten, daß der mit Politikverbot belegte ehemalige
Vorsitzende der Wohlfahrtspartei und frühere Ministerpräsident
Erbakan einen Aufruf zur Aufnahme des 'Heiligen Krieges' (Cihat) gegen
Israel zusammen mit Organisationen wie Hizbullah und Hamas unterzeichnet
habe, wurde ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Erbakan und der ihm nahestehende Vorsitzende der Saadet Partisi bestreiten,
daß sich Erbakan an dem Aufruf beteiligt habe.
- (Aksam, 12.04.02) Schwere Strafen wegen religiöser Heirat.
In der Provinz Kütahya wurden ein Paar sowie die Person, die die
Trauung vollzogen hatte, zu Geld- und Haftstrafen verurteilt. Dem "Imam",
der die Trauung vollzog wurde eine Strafe von 142,365 Millionen TL auferlegt.
Das Paar wurde mit je zwei Monaten Haftstrafe belegt, die jedoch in
eine Geldstrafe von je 237,276 Millionen TL umgewandelt wurde. Das türkische
Strafrecht verbietet eine religiöse Trauung, wenn nicht zuvor eine
standesamtliche vorgenommen worden ist.
- (Aksam, 11.04.02) Widerstand gegen Aufnahme des Internets ins Presserecht.
Parallel zur Wiedervorlage des Gesetzes über die Aufsichtsbehörde
für Funk und Fernsehen (RTÜK) wurde außerdem in der
parlamentarischen Verfassungskommissung eine Änderung des Pressegesetzes
beschlossen, die das Internet in den Geltungsbereich des Pressegesetzes
aufnimmt. Gegen einen solchen Versuch hatte es bereits im vergangenen
Jahr massive Proteste gegeben und die diesbezüglichen Änderungsvorschläge
waren zurückgenommen worden. Der Internet-Provider Superonline
machte am gestrigen Tage durch eine Aktion auf die anstehende Gesetzesänderung
aufmerksam: Wer die Eingangsseite von Superonline aufrief, wurde zunächst
mit einem Bildschirm konfrontiert, der sich verdunkelte und auf dem
dann in weißer Schrift der Hinweis auf die drohende Zensur des
Internets erschien. Insbesondere Superonline zeigte sich empört
über die geplante Gesetzesänderung, hatte man dort doch bereits
1999 einige Anstrenungen unternommen, um zu einer zeitgemäßen
Rechtsentwicklung für das Internet beizutragen.
Wie der Kommentator von Aksam Ergun Babahan anmerkt, birgt demgegenüber
das geplante RTÜK-Gesetz nicht nur Gefahren für die Rundfreiheit
insgesamt, sondern führt erneut ein Sendeverbot in anderen Sprachen
außer Türkisch ein. Damit würde die Regierung einen
Teil ihrer Reform im Hinblick auf eine Rechtsangleichung an die EU sofort
wieder zunichte machen.
- (Bianet, 10.04.02) Haftstrafen für Parteitagsreden.
Für Redebeiträge während des 4. ordentlichen Parteitages
der HADEP wurden vier Politiker mit einer jeweils zehnmonatigen Freiheitsstrafe
belegt. Während dem ehemaligen HADEP-Vorsitzenden Bayar zur Last
gelegt wird, "Propaganda zur Spaltung des Landes" betrieben
zu haben, wurden Aydemir Güler (TKP) und Turgut Kocak (TSIP) wegen
"Aufwiegelung zum Unfrieden zwischen Klassen" verurteilt.
Gegen Demir wurde außerdem eine Geldstrafe in Höhe von 833,333
Millionen TL verhängt.
- (Bianet, 10.04.02) Journalistenvereinigung beschließt Preis
für Internet-Journalismus. Die Türk
Gazetecier Cemiyeti hat beschlossen, neben den bereits vorhanden Preisen
für Presse, Funk und Fernsehen, nun auch einen Preis für den
Journalismus im Internet zu vergeben. Anwärter auf den Preis können
Internet-Journale sein, die zwischen dem 15. Dezember 2001 und dem 15.
Dezember 2002 regelmäßig Berichterstattung leisteten.
- (Bianet, 10.04.02) Verdunklung für den Frieden.
Als ein Aufruf, die israelische Besetzung der palästinensischen
Gebiete sofort einzustellen und zu einer Friedenslösung zu kommen,
wurde am Dienstag gegen 21.00 Uhr wieder mit einer Aktion begonnen,
bei der möglichst viele Menschen um 21.00 Uhr die Lichter ausschalten,
um damit ihre Unterstützung für den Aufruf zu demonstrieren.
Die Aktion wurde international in Städten wie Jerusalem, Berlin,
Paris, Sydney und Stockholm ebenfalls genau um 21.00 Uhr jeweiliger
Ortszeit durchgeführt. In der Türkei wird eine Beteiligung
aus Istanbul, Izmir, Ankara und Bursa gemeldet. Am Dienstag hatten außerdem
rund 1000 Rechtsanwälte der Istanbuler Rechtsanwaltskammer an einem
Protestmarsch zum Taksim-Platz teilgenommen und ebenfalls zu einer Beteiligung
an der Aktion aufgefordert. Bei einer Veranstaltung der Istanbul Kültür
ve Sanat VAkfi erklärte Prof. Gülersoy, daß die Friedensbewegung
der ganzen Welt durch ihre Beteiligung an der Aktion ihren Stimme gegen
den Terror erhebe. Er erklärte weiter, daß die Aktion vielleicht
kindlich und naiv wirken könne. Aber die Gewalt, die das palästinensische
Volk erlebe sei alles andere als banal. Wenn auf der ganzen Welt Friedensaufrufe
ertönten, werde auch in Palästina Frieden einkehren.
- (Aksam, 9.04.02) Streit um Erdbebenforscher Prof. Isikara.
Gegen Ende vergangener Woche trat der Leiter der Erdbebenforschungsstätte
der Bosporus-Universität Prof. Dr. Isikara mit der Mitteilung an
die Öffentlichkeit, daß geplant sei, daß Forschungszentrum
der Universität zu Entziehen und der zentralen Katastrophenschutzeinheit
im Amt des Ministerpräsidenten zuzuordnen. Er erklärte weiterhin,
daß er für einen solchen Transfer nicht zur Verfügung
stehen werde und sein Amt gegebenenfalls niederlegen werde. Bei der
gestrigen Kabinettssitzung kam das Thema ebenfalls zur Sprache. MHP-Kabinettsmitglieder
warfen Isikara vor, durch seine kontinuierlichen Warnungen vor einem
Istanbul-Erdbeben die Bevölkerung zu verunsichern und durch seine
Medienauftritte eigene Ziele zu verfolgen.
- (Aksam, 9.04.02) Staatlicher Sozialhilfe-Fond schreibt 332 Stellen
zur Armutsbekämpfung aus. Gefördert
werden sollen Projekte, die Schulabbrüche verhindern, eine Verbesserung
der Gesundheitsversorgung ermöglichen und solche, die für
die ärmsten Bevölkerungskreise ein Netzwerk gegenseitiger
Unterstützung aufbauen helfen. Bewerben können sich qualifizierte
Personen bis zum 3. Mai bei den Niederlassungen des Sosyal Yadimlasma
ve Dayanismayi Tesvik Fonu.
- (Bianet, 8.04.02) Kritik am Regierungsbeschluß, das Gesetz
über die Aufsichtsbehörde für Funk und Fernsehen ungeändert
erneut ins Parlament einzubringen. Nach dem Veto
von Staatspräsident Sezer zum Gesetz über die Aufsichtsbehörde
von Funk und Fernsehen (TRÜK) hat die Regierung beschlossen, den
Gesetzentwurf ein zweites Mal ungeändert dem Parlament vorzulegen.
In diesem Fall hat der Staatspräsident keine Möglichkeit mehr,
ein Veto einzulegen. Kritisiert wird an dem Gesetz u.a., daß Geldstrafen
in einer Höhe vorgesehen sind, die für lokale und regionale
Medien nicht aufzubringen sind und damit ihre Schließung verursachen
würden. Der Vorsitzende der Istanbuler Niederlassung des Cagdas
Gazeticiler Dernegi Baris Yarkadas erklärte, daß RTÜK
ohnehin als Zensurbehörde aufträte und dementsprechend zunächst
grundsätzlich diskussionsbedürftig sei.
weitere Kurzmeldungen
|
Untersuchungsverfahren gegen ehemaligen
Ministerpräsidenten Erbakan eingeleitet
Schwere Strafen wegen religiöser
Heirat
Widerstand gegen Aufnahme des Internets
ins Presserecht
Haftstrafen für Parteitagsreden
Journalistenvereinigung beschließt
Preis für Internet-Journalismus
Verdunklung für den Frieden
Streit um Erdbebenforscher Prof. Isikara
Staatlicher Sozialhilfe-Fond schreibt
332 Stellen zur Armutsbekämpfung aus
Kritik am Regierungsbeschluß, das
Gesetz über die Aufsichtsbehörde für Funk und Fernsehen
ungeändert erneut ins Parlament einzubringen
Archiv
Zurück
|