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Jahrgang 2 Nr. 16 vom 20.04.2002
 

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Eine Brücke am Bosporus

12 Jahre deutscher Kultur- und Wohltätigkeitsverein

Klein, aber fein könnte man sagen - mit ungefähr 30 Mitgliedern und einem Kreis von 700 bis 800 Fördermitgliedern, die den allmonatlichen Rundbrief der Brücke e.V. erhalten, hat sich seit Dezember 1989 eine soziale Drehscheibe für Deutsche, die - ob vorübergehend oder dauernd - in der Türkei leben, entwickelt.
Nach wie vor ist es nach Schilderung der Vereinsvorsitzenden, Frau Uschi Akýn, ein kleiner Kreis, der die vielfältigen Aktivitäten des Vereins am Laufen hält. Dabei versteht sich die Brücke im wahrsten Sinne des Wortes als ein Übergang zwischen deutschsprechenden Menschen und der Türkei. Das bedeutet auf dem einen Ende der Brücke, sich für Landsleute in Not einzusetzen, zur Entfaltung des sozialen Lebens beizutragen oder auch sich für eine Statusverbesserung von Ausländern in der Türkei einzusetzen. Das bedeutet auf dem anderen Ende der Brücke jedoch auch, Wissen über die Türkei in den deutschsprachigen Raum zu vermitteln und für mehr gegenseitiges Verständnis zu werben.
So war es für den Verein selbstverständlich, als nach den Terroranschlägen am 11. September in den USA auch die Türkei als ein islamisches Land in einen Strudel von Vorurteilen zu geraten drohte, sich an der Aufklärungsarbeit zu beteiligen, die darauf zielte, zu differenzieren: Hervorzuheben, daß die Türkei ein islamisch geprägtes Land ist, daß der Staat sich in seiner Verfassung jedoch zu strikter Religionsneutralität verpflichtet hat.
Zu den Aktivitäten der Brücke gehört die Förderung des sozialen Lebens. In inzwischen 16 türkischen Städten gibt es Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner der Vereins. Es gibt Stammtische, Ausflugsfahrten und andere Gelegenheiten, sich zu treffen. Es gibt wiederkehrende Feste. Doch so wichtig diese geselligen Zusammenkünfte auch sind - daneben beteiligt sich die Brücke mit ihren vielfältigen Beziehungen und Verbindungen auch als eine Kraft, die immer dann versucht einzugreifen, wenn Menschen in Not sind. Beispiele dafür sind Hilfeleistungen für Einzelpersonen, wie für ein krebskrankes Kind oder Landsleute, die die deutsche Staatsbürgerschaft aufgeben mußten, als sie die türkische annahmen, dann aber in Not gerieten. Dazu gehört aber auch die umfangreiche Hilfe für die Erdbebenopfer nach den beiden schweren Marmara-Erdbeben im Jahr 1999.
Die Brücke ist darüberhinaus seit ihrer Gründung neben einem Wohltätigkeits- und Kulturverein immer auch eine Lobbyorganisation gewesen. Als solche wird sie auch wahrgenommen: Politiker aus dem deutschsprachigen Raum besuchen bei ihren Türkei-Aufenthalten vielfach auch die Brücke; sie unterhält gute Beziehungen zur deutschen Botschaft und sie bemüht sich durch Spitzengespräche mit türkischen Politikern, die Rechtssicherheit für Ausländer in der Türkei zu verbessern.
Die Aktivitäten des Vereins sind vielfältig und ausführlich in einer Dokumentation zum 10-jährigen Jubiläum der Brücke nachzulesen. An dieser Stelle also nur einige Schlaglichter auf Arbeitsschwerpunkte des Vereins.

Kulturarbeit und soziale Begegnung

Die Brücke ist eine Anlaufstelle für Deutschsprechende, die entweder ständig in der Türkei leben oder auch solche, die nur vorübergehend hier sind. Da insbesondere Neuankömmlinge vielfach zunächst mit Sprachschwierigkeiten zu kämpfen haben, sind die sozialen Aktivitäten von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Bereits 1990 entwickelte sich in Istanbul als eine Form der Geselligkeit die wöchentliche Badefahrt im Sommer mit der ‚Lüfer', einem Ausflugsschiff. Es ist ein Tagesausflug, bei dem alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgerufen sind, etwas zu essen mitzubringen - Getränke gibt es an Bord. Auch in diesem Jahr werden die Fahrten wieder aufgenommen. Details zur Anmeldung sind im Infobrief der Brücke zu erfahren. Hinzu kommen Stammtische und Feste an verschiedenen Orten.
Daneben werden teils eigenständig, teils in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen auch Kulturveranstaltungen und Feste durchgeführt. Die Dokumentation der Brücke nennt hier den „Dialog ohne Grenzen" (1995 im Ciragan Hotel, Istanbul), dessen Erlös bosnischen Kriegsopfern, dem Österreichischen Krankenhaus St. Georg, dem Deutschen Altenheim und der Stiftung für Hinterbliebene von im Dienst getöteten Polizisten zu Gute kam. Weiterhin gab es ein Konzert des Bielefelder Kinderchors, ein Blockflötenkonzert, ein Benefizkonzert für die „Stiftung gegen Lepra" u.a.

Karitative Hilfen

1992 wurde eine Aktion „Patenfamilien für Flüchtlinge aus dem Nordirak" durchgeführt. Eine Spendensammlung für bosnische Flüchtlinge erbrachte bis Winter 1995 13.000 DM. Außerdem wurden nach den schweren Erdbeben in der Marmara-Region im Jahr 1999 sowohl Spenden gesammelt als auch unmittelbar vor Ort geholfen. Eine Spendensammlung erbrachte 120.000 DM, wovon der größte Teil für den Bau einer Container-Schule in Düzce ausgegeben wurde.
Daneben wird auch versucht, karitative Einrichtungen für deutschsprechende Menschen in der Türkei zu unterstützen. Außerdem werden Einzelpersonen, die in Not geraten sind, betreut.

Bildung und Erziehung

Deutschsprachige pädagogische Angebote für Kinder gehörten seit Beginn zu den Arbeitsschwerpunkten der Brücke. Neben der Gruppe KIDS, die 1990 als „Spiel- und Lerngruppe in deutscher Sprache" gegründet wurde, begannen 1997 die Arbeiten für den Aufbau des Avrupa Koleji als einzige private deutschsprachige Grund- und Oberschule in Istanbul. Schulinitiativen haben sich inzwischen auch an anderen Orten der Türkei entwickelt. Gerade für binationale Kinder ergeben sich im Hinblick auf die Schulausbildung immer wieder Probleme, da sie eine doppelte Staatsangehörigkeit haben. Das bedeutet, daß sie sowohl in Deutschland als auch in der Türkei wie einheimische Kinder behandelt werden, was aufgrund der unterschiedlichen Unterrichtsprogramme in beiden Ländern bei einem Umzug der Familie zu Problemen führen kann.

Verbesserung des Rechtsstatus von Ausländern in der Türkei

Die Brücke hat durch verschiedene Initiativen seit ihrem Bestehen immer wieder auf die schlechte rechtliche Position von Ausländern in der Türkei hingewiesen. Dabei wandte sie sich immer wieder an türkische Stellen, wie zuletzt an Justizminister Türk, mit dem Anfang Januar ein Gespräch geführt wurde. Die Brücke versuchte aber auch immer wieder, die deutsche Regierung dazu zu bewegen, sich für eine Statusverbesserung ihrer Bürger in der Türkei einzusetzen. Dazu wurde eine kleine Anfrage vorbereitet, die über Bundestagsabgeordnete eingebracht wurde. Zudem besteht eine gute Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft in Ankara und den Konsulaten in der Türkei. Als ein Dokument dieser Zusammenarbeit kann die Wiedergabe einer Stellungnahme der deutschen Botschaft in Ankara gewertet werden, die im März-Infobrief wiedergegeben wurde. In der Stellungnahme wird unter anderem erklärt, daß der deutsche Botschafter bei seinem Antrittsbesuch beim neuen Generaldirektor für Konsularangelegeneheiten im türkischen Außenministerium erst jüngst diesbezüglich eine persönliche Note überreichte und daß zur Zeit in Zusammenarbeit mit der Vertretung der EU Kommission in Ankara sowie den zuständigen Stellen in Brüssel geprüft wird, welche Verpflichtungen sich aus dem Assoziationsabkommen zwischen Türkei und EU für den Rechtsstatus von EU-Ausländern in der Türkei ergeben. Auch in die Diskussion über die doppelte Staatsbürgerschaft in Deutschland hat sich die Brücke immer wieder aktiv eingebracht, waren doch zahlreiche persönliche Dramen, die sich aus dem Entzug der deutschen Staatsangehörigkeit ergeben hatten, immer wieder Anlaß, diese politische Frage auch unter Beachtung der Interessen der Auslandsdeutschen zu diskutieren.

Informationsarbeit über die Türkei

Für Menschen wie die GründerInnen der Brücke, die seit Jahrzehnten in der Türkei leben, ist hier eine zweite Heimat entstanden. So fällt es wohl auch nicht schwer, sich vorzustellen, daß bei all den Komplikationen, die im deutsch-türkischen Dialog immer wieder auftreten, es der Brücke immer wieder auch Anliegen war und ist, mehr Informationen über die Türkei - ihre Kultur und das soziale Leben, in den deutschsprachigen Raum zu übermitteln. Neben offiziellen Gesprächen - die Brücke wird von vielen deutschen Politikerinnen und Politikern bei Türkeibesuchen aufgesucht - spielt hier vor allem auch das Netzwerk persönlicher Beziehungen eine Rolle. Ein Beispiel dafür ist das bereits oben erwähnte Beispiel der Beteiligung an der Initiative Forum Istanbul nach den Terroranschlägen vom 11. September. Doch auch von türkisch-offizieller Seite wurde der Nutzen der Brücke entdeckt. So wird im Infobrief vom April 2002 von einer Einladung der Brücke zu einer Konferenz zum Image der Türkei im Ausland, das vom Zentrum für strategische Studien des türkischen Außenministeriums veranstaltet wurde, berichtet.

Ausländer-sein in der Türkei

 

12 Jahre deutscher Kultur- und Wohltätigkeitsverein

Kulturarbeit und soziale Begegnung

Karitative Hilfen

Bildung und Erziehung

Verbesserung des Rechtsstatus von Ausländern in der Türkei

Informationsarbeit über die Türkei

 

Kontaktadressen

Die Brücke: brucke@avrupakoleji.com

www.bruecke-istanbul.org

 

Istanbul

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Christine Yildirim

Emirgan

Manuela Cosar

Tarabya / Kirecburnu

Marina Baumeister

Yesilköy u. Umgebung

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Annette Coskun

Ankara

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Antalya

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Dalyan

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Marmaris

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Zonguldak

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Last modified: 28.12.2003