Jahrgang 2 Nr. 16 vom 20.04.2002
Kurzmeldungen

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  • (Radikal, 18.04.02) Milch und Armut. Als eine soziale Geste hatten das Bildungsministerium und die Milchwirtschaft begonnen, für insgesamt 2 Millionen Schülerinnen und Schüler vor allem ärmerer Wohnviertel kostenlose Schulmilch zur Verfügung zu stellen. Damit soll sowohl eine Beitrag für eine gesündere Ernährung der Kinder als auch eine Verbreitung des Milchkonsums erreicht werden. Nun häuften sich aber in den vergangenen Wochen Berichte über Vergiftungserscheinungen nach Milchkonsum der Schüler. Eine Überprüfung der jeweiligen Milch ergab, daß es sich nicht um eine Lebensmittelvergiftung handeln könne. Man ging also von psychologischen Ursachen aus. In der Ausgabe vom 18. April berichtete die "Radikal" jedoch über die Ausführungen eines Lebensmittelwissenschaftlers, der die Vergiftungserscheinungen der Kinder auf deren mangelnde Gewöhnung an Milch zurückführte. Seinen Ausführungen zufolge wird das Enzym, das für den Abbau von Milcheiweiß zuständig ist, nur hergestellt, wenn kontinuierlich Milch und Milchprodukte konsumiert werden. Seiner Ansicht nach sind die Vergiftungserscheinungen also auf eine weitestgehende Entwöhnung der Kinder an Milchprodukten zurückzuführen ...
  • (Aksam, 18.04.02) Wiedereröffnung der SHP. Als eines der Parteineugründungsprojekte wird am 26. April die Sosyal Demokrat Halk Partisi (SHP) neugegründet. Das Gründungsprojekt wird von Murat Karayalcin, ehemaliger Vorsitzender der SHP, die 1995 mit der CHP (Cumhuriyet Halk Parti) fusionierte, angeführt.
  • (Milliyet, 16.04.02) Weltbank kritisiert Türkei bei Erdbebenprojekten. Ein beantragter Kredit zur Absicherung der Gebäude in Istanbul wird zunächst nicht genehmigt, weil die Türkei zuvor bewilligte Projekte noch nicht fertiggestellt hat. Nach den Zitaten in der Milliyet, habe die Weltbank erklärt, daß bereits vor zwei Jahren als "dringend" beantragte Projekte noch nicht abgeschlossen worden seien. So sei die Entwicklung eines Katastrophen-Managementsystems geplant gewesen, aber noch nicht erfolgt. Außerdem sei ein Generaldirektorat für Katastrophenschutz gegründet, aber bisher noch kein Personal zugewiesen worden.
  • (Radikal, 14.04.02) Tankerunfall in den Dardanellen. Beim Zusammenstoß eines türkischen Tankers mit einem unter kambodschanischer Flagge fahrenden Frachtschiff, wurde das Frachtschiff "Noor Al Amal" so schwer beschädigt, daß es sank. Die 17-köpfige Besatzung konnte gerettet werden. Über Schäden am türkischen Frachter wurden keine Mitteilungen gemacht.
  • (Radikal, 14.04.02) Erste Grabungsarbeiten für den Ilisu-Staudamm noch in diesem Jahr. Nach einer Erklärung des Generaldirektors der staatlichen Wasserwirtschaftsverwaltung (DSI) Nümtaz Turfan sollen die Arbeiten an dem umstrittenen Ilisu-Staudamm noch in diesem Jahr beginnen. Turfan erklärte, daß das DSI alle Schritte zum Schutz archäologischer Stätten, wie z.B. die betroffene Siedlung Hasankeyf (osmanisches Baudenkmal), unternommen werden. Ausländische Investoren waren nach heftigen internationalen Protesten von dem Projekt abgerückt.
  • (Radikal, 13.04.02) Staatspräsident Sezer: Amnestie von Bausünden schadet dem Tourismus. Staatspräsident Sezer forderte die Regierung auf, vorsichtiger bei der Amnestie von Verstößen gegen Baugesetzen vorzugehen, da diese das historische Erbe der Türkei beeinträchtigen. In seiner Rede anläßlich des 2. Tourismus-Rates, der am 12. April im Hilton Hotel Ankara begann, erklärte er: "Die häufigen Amnestien im Baurecht und die grenzenlose Nutzung von Baurechten unter Absehung von ökologischen Werten, die Öffnung von Gebieten für die Besiedlung, die aufgrund ihrer Naturschönheit große Bedeutung für den Tourismus haben, bedeuten eine große Gefahr für unser historisches und natürliches Erbe."
    Auf derselben Veranstaltung erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Bahceli (MHP), daß die von der Welt Touristik Organisation geschätzten 5,5 % jährliches Wachstum unzureichend seien. Auch der stellvertretende Ministerpräsident Yilmaz (ANAP) und Tourismusminister Tasar (ANAP) sprachen von höheren Wachstumsraten, wenn die erforderlichen Investitionen getätigt würden.
  • (Bianet, 12.04.02) Internationale Solidarität für türkisch-kurdischen Schriftsteller. Der türkisch-kurdische Schriftsteller Mehmet Uzun wurde wegen seines Buches "Eine Sprache herstellen" angeklagt, zur Feindschaft zwischen Volksgruppen beizutragen. Ein internationales Solidaritätskomitee unter Führung des ehemaligen Staatsanwaltes am Internationalen Gerichtshof Lahey Eric Östberg hat die Anklage scharf verurteilt. Mitglieder des Nobel-Literaturpreiskomitees und Preisträger haben sich dem Solidaritätskomitee angeschlossen. Die Schriftsteller Grass und Saramago erklärten sich solidarisch und kritisierten den Druck, der wegen des Gebrauchs der kurdischen Sprache ausgeübt werde. Auch das Europäische Parlament wird Beobachter zum Prozeß entsenden. (weitere Informationen, türkisch)

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