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Genauer betrachtet ... KundenfreundlichWalter Helbling In der Istanbul - Post vom vergangenen Wochenende wurde das Thema Verbraucherschutz aufgegriffen. Ich werde in meinem heutigen Bericht auf einige Dinge eingehen, welche sich seit Jahren in ähnlicher Art und Weise wiederholen und für mich persönlich ein Ärgernis darstellen. In einem ersten Teil beziehe ich mich auf die Sicht als Tourist: Voller Stolz teilte mir ein Bekannter aus Anamur mit, er hätte für dieses Jahr den Brief des Tourismus-Ministeriums erhalten, wonach er mit seinem 2-Sterne-Hotel berechtigt sei, für das Doppelzimmer mit Frühstück maximal 78 Dollar pro Nacht zu verlangen. Jährlich wiederholt sich diese Posse. Was soll der Mann mit diesem Fetzen? Seit Jahren verkauft er nämlich Zimmer/Frühstück zum Preis von 20 € . Mehr liegt einfach nicht drin und würde von jedem 3- oder Viersternehotel unterboten. Zwar wären diese berechtigt, bis 140 Dollar pro Zimmer/Nacht zu verlangen. Nur wird dies niemand bezahlen. Individualreisende, der Sprache nicht mächtige Touris, müssen sich mit diesem Unsinn herumschlagen. Diese Preise des Ministeriums prangen nämlich an der Wand hinter der Récéption. Auf die Frage nach dem Preis eines Zimmers schaut dann der oder die Angestellte vielsagend auf die Preistabelle, nicht ohne sofort mal 20% Rabatt zu offerieren, als Zeichen guten Willens sozusagen. Europäer, eher unbeholfen im Feilschen, schinden vielleicht nochmals 10% runter, um tags darauf im benachbarten Hotel, ebenfalls 4 Sterne, einen Kampfpreis, welcher 70% unter dem Listenpreis liegt, zu erhalten. Zurück ins erste Hotel, Absicht umzuziehen wird mitgeteilt, worauf der Receptionist denselben Preis wie der Nachbar offeriert. Kundenfreundlich?? Kaum, ein Ärgernis. Seit Jahren weigert sich das Tourismus-Ministrium, so genannte Bandbreiten-Preise festzulegen: Ein Viersternehotel verkauft in der Bandbreite 45 - 80 € und darf diese auch nicht unterbieten. Andernfalls verliert es seine Klassierung. Dies zum Schutze der kleineren Hotelbetriebe. Als Individualtourist verbringt man in der Türkei recht kostspielige Ferien. Neben obigem Beispiel beginnen die Probleme nämlich bereits mit der Landung auf dem Flughafen. Wie komme ich von diesem Flughafen überhaupt weg?? Gar nicht so einfach. Da sind einerseits die Busse der Gruppenreisenden, scharfäugig beobachtet von den Taxifahrern. Könnte ja sein, dass sich ein Individualtourist in die Gruppe schleicht, was verboten ist. Dann wäre noch der Havas-Bus. Im Falle von Antalya handelt es sich um einen etwa 25-jährigen Mercedes-Bus, unklimatisiert. Mit ihm könnte ich für verhältnismässig wenig Geld zum Autobusterminal fahren. Die Reise führt übrigens durch ganz Antalya, als Stadtrundfahrt also recht interessant und dauert rund 50 Minuten. Im Sommer eine Zumutung. Also bleiben die Taxis. Knapp 15 km Fahrt zum Autobusterminal, welcher am entgegengesetzten Ende der Stadt liegt (weshalb eigentlich??). Zu berappen ist ein stolzer Preis zwischen 15 und 25 €. Das ist doppelt soviel wie in Istanbul, wo ich ebenfalls die Taxe nehmen muss, da die U-Bahn zum Flughafen nur bis zur drittletzten Station gebaut wurde und seit Jahren in diesem Stadium verharrt. Offensichtlich stehen sich zwei verschiedene Interessen entgegen: Kundenfreundliche Einbindung von Flughäfen ins öffentliche Verkehrsnetz gegen Arbeitsplätze von Taxifahrern, wobei ich die Istanbuler Taxi-Fahrer wegen ihrer Korrektheit und Zuverlässigkeit sehr schätze. Etwas anders sieht es um den Flughafen Antalya aus. Mangels vernünftiger Alternativen wähle ich die Taxe zum Autobusterminal. Kurz nach dem Einsteigen beginnt mich der Mann zu löchern, will wissen, wohin meine Reise führen wird. Da fahre ich dich direkt hin. Ich mache dir einen guten Preis." Die Frage nach dem Betrag bringt die Ernüchterung: 90 Euro nach Alanya. Dieselbe Fahrt ab Alanya ist dort übrigens ab 60 Euro zu haben. Nein, dieser Preis behagt mir nicht, was ich dem Fahrer auch mitteile. Trotzdem erlaubt er sich, vom Flughafenzubringer nach rechts abzubiegen und in Richtung Aksu loszufahren. Erst die energische Intervention meinerseits bringt ihn dazu, nach rund 3 km die Richtung zu ändern. Ein anderer Fahrer will mir Monate später weis machen, ab 20 Uhr seien keine Autobusse mehr in Richtung Osten unterwegs, weshalb er mich jetzt direkt nach Anamur bringen werde, zum Freundschaftspreis von (damals) 280 Mark. Auch hier war ein beherzter Griff ins Lenkrad nötig, um den Mann von seinem profitträchtigen Ansinnen abzubringen. Die unglaublichste Geschichte erlebte ich jedoch im Herbst 1999, Ankunft 00:30 Uhr. Da die letzten Busse nach Alanya bereits weg waren, entschloss ich mich, eine Taxe bis Aksu zu nehmen und dort in einer mir bekannten Corba Lokanta auf eine Mitfahrgelegenheit nach Alanya zu spekulieren. Der gute Chauffeur wollte mich natürlich für damals 200 Mark direkt nach Alanya bringen und überhörte geflissentlich meine Aufforderung, mich bei besagter Lokanta auszuladen. Griff an die Handbremse und Ruck am Lenkrad motivierten" ihn dann doch noch, 300 m später mürrisch anzuhalten. Übrigens wollte er für diese Fahrt 25 Mark. Wir einigten uns dann bei 12 Mark. Kaum stand eine köstliche Suppe auf dem Tisch, parkte ein Dolmusch aus Alanya. Zwei junge Männer bestellten ebenfalls Corba. Ich setzte mich zu ihnen und bat um eine Mitfahrmöglichkeit. Corba und Diesel auf meine Kosten. Schnell waren wir uns einig. Wir begaben uns zum Fahrzeug, wollten einsteigen, als ein mir unbekannter Taxichauffeur auf uns zukam und die beiden Männer verbal bedrohte. Er sei von einem Taxi-Kollegen (demjenigen, welcher mich hergefahren hatte), beauftragt worden, auf mich zu warten, falls ich weiterreisen wollte. Sie, die beiden Männer, würden ihm somit einen Kunden ausspannen, wozu sie nicht berechtigt seien. Sollten sie mich trotzdem mitnehmen, hätten sie innert kürzester Zeit ein Dutzend Taxis am Hals und ihre Transferbewilligung zum Flughafen los. Letztendlich bezahlte ich dem Taxichauffeur 20 Mark, mit dem Verweis, ich hätte mir seine Autonummer notiert und beim kleinsten Vorfall würde ich meinen guten Freund in Ankara anrufen. Dann könne er sich seine Bewilligung irgendwohin stecken. Soviel zur Taxi-Mafia am Flughafen Antalya. Zum Schluss des Urlaubs folgt dann der krönende Abschluss in den Restaurants des Flughafens. Zwei Néscafés und zwei Croissants kosteten im Herbst 2001 stolze 13 Mark. Natürlich, in jedem Flughafen bezahlt man etwas höhere Preise. Das hier muss jedoch schon als Wucher bezeichnet werden. Nun geht es nicht einfach um den Preis, sondern um eine psychologisch fatale Fehleinschätzung. Gerade die letzten Stunden um und auf dem Flughafen dürften für viele Urlauberinnen und Urlauber entscheidend für die kommende Urlaubsplanung sein. Wer sich hier noch über den Tisch gezogen fühlt, wird sich nachhaltig daran zurückerinnern. So werden viele Werbemillionen des türkischen Tourismusministeriums gerade am Beispiel Antalya dank einiger weniger profitgieriger Gruppen gleich wieder in den Sand gesetzt, indem eben viele Gäste auf Grund solcher Vorkommnisse einmal und nie" wieder sagen. Die kommenden zwei Wochen werde ich in der Türkei verbringen. Vielleicht aus dem Urlaub, sicher aber nach meiner Rückkehr werde ich mit den aktuellen Zahlen aufwarten können und in einem zweiten Teil auch aktuelle Beispiele zum Thema Verbraucherschutz für Türkinnen und Türken beschreiben. Walter Helbling |
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