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Die Bedeutung des Sterben im Alevitentum
Die Sunniten dagegen gehen davon aus, dass die Seele bis zum jüngsten Gericht im Grab auf die Erlösung warten wird. Daher stößt bei den orthodox denkenden Sunniten der Glaube an eine Wiedergeburt unter den Aleviten auf Unverständnis. Im Gegensatz zu ihrem Glauben kennt die alevitische Minderheit zudem in der Türkei eigentlich keine Hölle bzw. Himmel und die Aleviten schwören auf Gottesliebe anstatt mit Gottesangst Furcht unter den Gläubigen zu verbreiten. Aber es muss gesagt werden, dass während der jahrhundertlangen Assimilationspolitik durch die sunnitischen Mehrheit vieles von dem Brauch der Aleviten verloren gegangen ist bzw. durch die Abgeschiedenheit der alevitischen Dörfer sich regionale Unterschiede entwickelten, die leicht verschiedene Ansichten über das Sterben haben. Schließlich hat auch die Stadtflucht bzw. die Abkehr vom Dorfleben dazu beigetragen, dass unter den Aleviten einiges an Kultur und Tradition ihres Glaubens verloren ging. Daher ist die Wiederfindungsphase der Aleviten noch nicht abgeschlossen. Zum Beispiel wird das ,,Sterben vor dem Sterben,, und die damit verbundene Rechenschaft nicht überall praktiziert. Genauere Studien bzw. Untersuchungen über die regionalen Unterschiede unter den Aleviten in der Türkei sind leider noch nicht vollständig vorhanden.
Die zweite Bedeutsamkeit vom Sterben ist das ,,biologische Sterben,, (hasar). Der Tod betrifft nur den menschlichen Körper. Für die Aleviten kommt das Herz bzw. die Seele vom Gott und kehrt nach dem Tode zurück. Aleviten sagen dazu ,,Hakka yürür,,. Nach der Ansicht der Aleviten bilden Mensch-Kosmos-Gott eine Einheit und sind unzertrennbar. In den Gedichten des türkischen Dichters Yunus Emre und auch vieler anderer Dichter wird der Tod als der Beginn einer Wiedergeburt beschrieben und nicht als endgültiges. Die Seele ist göttlich und somit unsterblich. Selbst der Glaube an die Wiedergeburt kann den Verlust eines Angehörigen
kaum lindern. Bei der Bestattung des Verstorbenen wird in aller Regel erwartet, dass alle Familien- angehörigen und Bekannte erscheinen. Die Anwesenheit soll den Trauernden Trost spenden. Zur Beerdigung zu erscheinen ist eines der wichtigsten Ehrbietung gegenüber dem Verstorbenen. Das Fernbleiben stößt daher auf Unverständnis oder gar zum Kontaktabbruch. Nach der Beerdigung wird die Familie des Verstorbenen von Freunden und Bekannten zu Hause besucht, um den Trauernden ihren Beileid kundzutun und für eventuelle Hilfen zu Verfügung zu stehen. Am dritten, siebten, aber vor allem 40. Todestag eines Verstorbenen arrangieren die Angehörigen eine Art Segensmahl (hayir yemegi), um dem Toten die letzte Ehrbietung zu erbringen. Weiterhin werden gewöhnlich die Schulden des Verstorbenen beglichen. Mit diesen Segensmahl soll der Segen und das Gute des Verstorbenen legitimiert werden (hellalik istenir), damit die Seele unbelastet wiedergeboren werden kann. Eine weitere Möglichkeit mit dem Tod eines Angehörigen umzugehen
sind Totenklagen-Dichtungen. In Totenklagen-Dichtungen wird der Verlust
eines Angehörigen oft durch Zwiegespräche zwischen dem Toten
und einer trauernden Person wiedergegeben. Hierdurch wird das Leid sozusagen
gemeinsam mit dem Verstorbenen verarbeitet. Zudem erhält der Verstorbene
eine weitere Ehrbietung. |
Alevismus
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