Jahrgang 2 Nr. 24 vom 15.06.2002
 

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Kinderarbeit und Straßenkinder in der Türkei

Sie sind im Grunde überall zu sehen, die arbeitenden Kinder: als Verkäufer von Taschentüchern und als Schuhputzer, bei Fahrten über Land auf den Feldern. Am 12. Juni veröffentlichte Bianet eine Reihe von Artikeln von Özge Gözge, die einen Überblick über die Situation der Kinder und Projekte gegen Kinderarbeit geben.

Weltweit wird am 12. Juni ein Aktionstag gegen Kinderarbeit begangen. Auch wenn die Türkei in der Vergangenheit für die Kreativität ihrer Programme gegen Kinderarbeit gelobt worden ist, ist das Problem nach wie vor ungelöst. So ergab eine statistische Untersuchung des staatlichen Statistikinstitutes (Haushaltsbefragung) aus dem Jahr 1999, daß 3,848 Millionen Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren als unbezahlte Familienangehörige arbeiten. Die Zahl der in Wirtschaftsbetrieben arbeitenden Kinder wurde mit 1,635 Millionen ermittelt. 77 % der Kinderbeschäftigung tritt in der Landwirtschaft auf, 11 % im verarbeitenden Gewerbe und 7 % im Dienstleistungssektor. Neben den Belastungen für die kindliche Entwicklung und Schulversäumnissen sind außerdem gesundheitliche Schäden ein schwerwiegendes Problem. Ein Bericht des Arbeits- und Sozialministeriums gibt die Zahl der Kinder, die im Zeitraum von 1998 bis 2000 einen Arbeitsunfall bzw. eine Berufserkrankung erlitten haben mit 16.804 an. Dabei standen Knochenbrüche und Infektionen an erster Stelle. Dem Bericht zufolge starben im angegebenen Zeitraum außerdem 37 Kinder bei Arbeitsunfällen.

In der Türkei ist Kinderarbeit verboten und kann sogar mit Gefängnis bestraft werden. Die Star-Abendnachrichten am 13. Juni meldeten, daß eine Reihe von Provinzgouverneuren Eltern und Kunden von Kindern gewarnt hätten, daß von diesen Strafrechtsbestimmungen auch Gebrauch gemacht werden soll. Experten, wie Özcan Karabulut vom Büro für Kinderarbeit des Gewerkschaftsbundes Türk Is, sind jedoch eher der Überzeugung, daß nicht Strafe sondern Hilfe erforderlich ist. Das Hauptproblem sei die Schattenwirtschaft, so daß es kaum möglich ist, Betriebe, in denen Kinder beschäftigt werden, festzustellen.

Die Türkei ist eines der Länder, in denen das IPEC-Projekt der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) umgesetzt wird. Im Projektverbund arbeiten staatliche Stellen, Arbeitgeber, Gewerkschaften, NGOs, Lokalverwaltungen und Universitäten zusammen. Ziele des Programms sind:

  • die nationalen Kapazitäten zur Bekämpfung von Kinderarbeit zu stärken;
  • die Öffentlichkeit zu sensibilisieren;
  • arbeitende Kinder und ihre Familien zu unterstützen;
  • die schulische und berufliche Ausbildung der Kinder zu unterstützen.

In der Türkei ist eine Vielzahl von Kampagnen, Sozialarbeits-, Schul- und Berufsausbildungsprojekten entstanden.

Beiträge in Bianet
(alle Beiträge in türkischer Sprache)

Çocuklar Çalismaya Devam Ediyor

Çocuk Isçiligine Karsi Sendika Mücadelesi

Sokakta Çalisan Çocuk Olmak

 

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