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Istanbul Post |
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Manchmal spielt das Leben verrückt.von Neslihan Nevin Zwanzig Jahre lang wohnten Fatma und ich in derselben Gasse im 9. Bezirk,
bis wir uns an einem kalten Septembertag vor zwei Jahren kennen lernten
. Kurz vor meinem Umzug in die Badgasse entdeckte "Bist du Türkin?" fragte sie mich wie aus heiterem Himmel und musterte mich von Kopf bis Fuß. "Ja , ich bin Türkin und Du?" " Ich bin auch Türkin" sagte sie "ich lebe seit zweiundzwanzig
Jahren mit meiner Familie in Wien", während sie ihre neugierigen
Blicke etwas "Wo wohnst du bitte genau?" fragte sie brennend "Gleich, gegenüber in der Rosenbursengasse 2, Tür 15" antwortete ich. " Ich bin meistens unter der Woche ab 17.00 Uhr zu Hause. Wenn du mich besuchen willst, komm einfach!". Sie lächelte zurück und war erfreut vielleicht eine Freundin
gefunden zu In den darauffolgenden Tagen besuchte mich Fatma öfters. Wir tranken
Wir schimpften über unser Schicksal und unsere Verwandten, die sich nicht um uns kümmerten, seitdem wir die Türkei verlassen haben. Ihre Ausfragereien waren meistens sehr intim. Obwohl ich ihr ehrlich antwortete, war sie nie zufrieden. "Besuch uns mal" bat sie mich bei einem Abschied. "Lerne
auch meine Tochter kennen. Ihr Vater und ich haben sie nach den türkischen
Sitten erzogen". "Meine Tochter geht hier in die Handelsschule. Sie verlässt das Haus um 8 Uhr und kommt um 15 Uhr nachmittags wieder nach Hause. Ihr Vater hat ihr verboten, abends alleine auszugehen Wer weiß, was die Leute über uns denken, wenn sie im Dunkeln noch unterwegs ist. Sie ist relegiös und fastet während des Ramadan. Wir wollen, dass sie eine richtige Türkin wird und einen anständigen Mann aus der Türkei heiratet, am liebsten einen Verwandten von uns aus demselben türkischen Dorf. Wir haben schon einen Heiratskandidaten für sie gefunden .Die beiden müssen sich erst mal kennen lernen." Ich bemerkte, dass dies langsam an der Zeit wäre . "Wir kontrollieren ihren Tagesablauf genau und wollen dass sie bis zu ihrer Ehe unberührt bleibt. Sonst ist die Ehre unserer Familie verletzt. Suzan spricht so gut Deutsch wie du, sie mag solche Menschen wie dich. Komm bald!" Ich selbst hatte dann einen Wohnungswechsel. Drei Wochen lang blieb mein neues Telefon stumm. Ich fühlte mich recht einsam. Als mein Inneres nach Geselligkeit verlangte, beschloss ich Fatma zu besuchen. Fatma´s Wohnung war spärlich mit Altmöbeln ausgestattet.
Die, wie in den meisten Wiener Altbauwohnungen etwa 3 m hohen Wände
waren hellgrau angestrichen, die Fenster mit schweren grauen Vorhängen
gegen das Sonnenlicht geschützt. In den Regalen standen scharenweise
alte Videorecorder, Radios und Fernseher herum. Manche waren in ihre Bestandteile
zerlegt. Fatma´s Mann, ein pensionierter Bauarbeiter, kaufte auf
Märkten nicht funktionierende Geräte, reparierte sie und verkaufte
sie anschließend am Flohmarkt Ein paar abgewetzte braune Ledersofas
schienen unten vom Hof abgeholt worden zu sein, wo die Leute ihre ausgedienten
Möbelstücke zur freien Entnahme anbieten, bevor sie vom staatlichen
Entrümpelungsdienst abgeholt werden. Nur eine dunkelblaue, gemütliche
Sitzecke ließ die Vermutung aufkommen, dass Fatma´s Familie
irgendwann in tiefster Vergangenheit Mut zum Sie schob einen klapprigen Servierwagen zu mir, als sie Tee servierte. Tee und gekochter Weizen Etwa nach einer halben Stunde klingelte es an der Tür und Suzan kam herein. Suzan war das Gegenteil von ihrer Mutter. Sie war groß, schlank
mit "Meine Mutter hat von Dir erzählt" bemühte sie sich
"Ich wollte dich "Ist Euch auf dem Kahlenberg nicht kalt mitten im Winter?"
fragte ich " In den darauffolgenden Monaten dachte Suzan nur an die gemeinsamen
Suzan fiel durch und musste die 2. Klasse wiederholen. Das alles störte
Mein Argument, dass sie sich mit der Partnerwahl mehr Zeit lassen sollte, gingen jedes mal ins Leere. Ein Anruf von Mehmet genügte, sie schwelgte wieder in Ehephantasien und verlor den Boden unter den Füssen. Mehmet war von ihr nicht im gleichen Maße begeistert, wie es mit der Zeit langsam zu uns durchsickerte. Aus der Gerüchteküche hörte man immer wieder, dass er in den Multikulti Discos gutgebaute Österreicherinnen und rassige Jugoslawinnen verwöhnte. Schuldgefühle plagten mich, wenn ich an Suzan dachte. Was würde ich ihrer Mutter sagen, wenn sie mich nach ihrer Tochter ausfragt? Eines Tages, an einem Donnerstag , etwa um 10 Uhr abends läutete es heftig an meiner Tür. Suzan stand vor der Tür tränenvergossen mit einem fahlen Gesicht und heulte laut . Ich bat sie weiter "Er ließ mich heute stehen" schluchzte sie ." Er ließ mich stehen, weil er Angst hat, dass unsere Familien von unserer verbotenen Liebe erfahren. Er hat Angst vor meinem Vater. Mein Vater bringt uns alle um, wenn er erfährt, dass ich keine Jungfrau mehr bin Wir wohnen ja alle im selben Haus" schluchzte sie. Ich nahm sie in meine Arme und tröstete sie so gut ich konnte. Suzan und Mehmet gingen sich aus dem Weg. Suzan ließ sich lange von keinem Mann beeindrucken. Sie bekam einen
Kurz danach erfuhren wir durch gemeinsame Bekannte, dass Mehmet eine
sittenfeste Dorfschönheit aus der Türkei geheiratet hat, wie
seine Eltern es wünschten und gemeinsam mit ihr in eine Wohnung am
anderen Ende der Stadt gezogen ist... |
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Copyright © 2001 Istanbul Post Last modified: 28.12.2003 |
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