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Türkische Homosexuelle im Aufbruch
Werben für mehr Akzeptanz und Toleranz
von Ali Sirin
,,Liebe verdient Respekt'' heißt die Broschüre, die auch in
türkischer Fassung zu haben ist. ,,Mit dieser Broschüre wollen
wir innerhalb der türkischen Migrantengruppe für Aufklärung
sorgen'', sagt Abdurrahman Mercan, der zu den ständigen ehrenamtlichen
Organisatoren von TÜRK GAY AND LESBIANS zählt. Leicht haben
es die türkischen Homosexuellen nicht, wird doch ihre sexuelle Ausrichtung
als krankhaft angesehen und könne gar geheilt werden, so die Annahme
vieler ihrer Landsleute. Homosexuelle vermeiden ihr ,,Coming Out'', um
nicht von der Familie ausgestoßen zu werden und führen daher
ein Doppelleben.
Daher wurde die Türk Gay&Lesbians Gruppe im März 1996 von
zwei türkischen Schwulen gegründet. Die Studenten wollten den
türkischen Homosexuellen einen Anlauf- und Treffpunkt verschaffen.
Vor allem Angehörige der zweiten und dritten Generation türkischstämmiger
MigrantInnen sind in der Türk Gay&Lesbians tätig. In der
Mehrzahl sind es Männer. Unter dem Dach LSVD-NRW hatte sich 1996
erstmalig eine türkische homosexuelle Selbsthilfegruppe gebildet,
die ihre Aufgaben darin sieht, für mehr Akzeptanz, Toleranz und Aufklärungsarbeit
zu sorgen. ,,Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sowohl
unter den homo- als auch unter den heterosexuellen Türken immenser
Aufklärungsbedarf besteht'', erklärt Abdurrahman Mercan, der
mit einem Deutschen zusammen ist. TürkGay&Lesbians ist zum Anlaufpunkt
für Schwule und Lesben mit türkischer Herkunft aus ganz Nordrhein-Westfalen
geworden. Der Standort der Gruppe ist bis heute in den Räumen des
LSVD in Köln.
Als besonders wichtig hatte sich die Präsentation von Türk-Gay&Lesbian
mit einem eigenem Wagen am Christopher Street Day letztes Jahr in Köln
erwiesen, wo zu ihrer Überraschung selbst die konservative Hürriyet
positiv berichtete. ,,Damit können Leitbilder für Jugendliche
und Erwachsenen in der türkischen Gesellschaft vermittelt werden,
die noch Probleme im ,,Coming-Out" haben'', schreibt die schwul-lesbische
Gruppe auf ihrer Homepage. Außerdem haben heterosexuelle (türkische
und deutsche) Menschen die Möglichkeit zu erfahren, dass es auch
lesbisch-schwule Türken gibt.
Weiterhin organisiert die Türk-Gay&Lesbian Gruppe jeden vierten
Freitag im Monat für die türkischen Homosexuellen in dem schwul-lesbischen
Zentrum ,,Schulz'' in Köln eine Party. Mit diesen Partys sollen neue
potenzielle Mitglieder gewonnen werden, die aus ganz Deutschland nach
Köln anreisen. Zahlreiche Beiträge über Türk-Gay&Lesbian
im Hörfunk und im Fernsehen haben bereits auf die Arbeit der Selbsthilfegruppe
aufmerksam gemacht. Homosexuelle sollen dadurch ermuntert werden, nicht
länger ihre Identität zu verleugnen, so die Absicht der Gruppe.
Vom 23. Juni bis zum 29. Juni wurde eine multikulturelle Woche unter der
Schirmherrschaft von Marieluise Beck (Beauftragte der Bundesregierung
für Ausländerfragen) und Edith Müller (Vizepräsedentin
des Landtages von NRW) veranstaltet. Mitbeteiligt an der Veranstaltung
sind Ermis Köln (Griechische lesbischschwule Gemeinschaft) und Yachad
NRW/Köln (Jüdische Lesben und Schwule). Mit dieser multikulturellen
Woche soll die derzeitige Situation der türkischen Homosexuellen
in den Vordergrund gerückt werden. Azize T. wies in der Podiumsdiskussion
am 25.Juni darauf hin, ,,dass die Palette von unterdrückten bis hin
zu modernen Schwulen und Lesben reicht.'' Viel hänge von der Familie
ab. Die selbstbewußte Studentin kam in Istanbul auf die Welt und
ihre sexuelle Ausrichtung wurde ihr auch in derselben Stadt bewußt.
An der Podiumsdiskussion war unter anderem Lale Akgün, Leiterin des
Landeszentrum für Zuwanderung NRW beteiligt. Eine Lesung der jüdischen
Autorin Adriana Stern am 24. Juni und eine Party am 28. Juni rundeten
die Veranstaltungswoche ab.
Abdurrahman Mercan weiß, dass noch viel Aufklärungsarbeit getan
werden muss. Bisher traut sich nur ein Bruchteil der Schwulen und Lesben
ihre Identität preiszugeben. ,,Daher ist es unser Ziel, die Leute
auf unsere Gruppe aufmerksam zu machen und ihnen das Gefühl zu vermitteln,
dass sie nicht allein sind'', so der Student. Dazu sei es notwendig, die
Vorurteile der Landsleute abzubauen.
Kontakte: TÜRK GAY AND LESBIANS c/o LSVD, Pipinstr. 7, 50677 Köln,
www.tuerkgay.com
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