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- (Milliyet, 28.06.2002) Blankounterschriften für Parlamentssondersitzung.
Nachdem auch die letzten Versuche, noch vor der Sommerpause eine Einigung
über die EU-Reformen zu erzielen, gescheitert sind, begann die
Mutterlandspartei (ANAP) mit der Sammlung von Blankounterschriften,
um im Falle einer Einigung eine Sondersitzung des Parlaments einberufen
zu können. Gemäß Artikel 93 der Verfassung werden dafür
110 Unterschriften benötigt.
- (Bianet, 27.06.02) Heftige Kritik am Entwurf des Bergbaugesetzes.
Im Rahmen einer von der Bergama-Bürgerinitiative durchgeführten
Informationsveranstaltung, an der Vertreter der Anwaltskammer Imir,
der Kammer der Geologie-Ingenieure sowie der Kammer der Städteplaner
teilnahmen, wurde erkärt, daß mit dem neuen Gesetz Bergbauaktivitäten
auch in Natur- und Denkmalschutzgebieten, Wäldern, Wasserschutz-
und Tourismusgebieten möglich werde.
- (Bianet, 27.06.02) MAI - Plattform der Globalisierungskritiker
vor der 100. Sitzung. Am 6. Juli wird die 100.
Sitzung von MAI (Çok Tarafli Yatirim Anlasmasi ve Küresellesme
Karsiti Çalisma Grubu) mit den Schwerpunkten "Bewertung
der vierjährigen Arbeit", "Beziehung zwischen den EU-Anpassungsgesetzen
und Globalisierung" und "Regionale Entwicklungen und EU"
durchgeführt. MAI ist 1998 gegründet worden und hat seitdem
99 Versammlungen und 2 internationale Symposien durchgeführt. Außerdem
wurden 6 Bücher, 50 Bulletins, 6 Untersuchungsberichte sowie eine
Vielzahl von Texten veröffentlicht. Nähere Informationen
auf der Website (türkisch).
- (Aksam, 27.06.02) 11.000 Unterschriften in 9 Stunden 16 Minuten.
Nein, bei der Meldung handelt es sich um keinen neuen Versuch, in das
Guiness "Buch der Rekorde" zu kommen. In einem kurzen Artikel
werden die Probleme des Rektors der Selcuk Universität beschrieben,
die mit diesem Semester 11.000 Absolventen entläßt. Unter
jedes Diplom gehört die eigenhändige Unterschrift des Rektors.
Der wiederum stellte die Berechnung an, daß er mindestens drei
Sekunden pro Unterschrift benötigt und dementsprechend allein für
die Unterschriftenaktion 9 Stunden 16 Minuten seiner kostenbaren Zeit
erübrigen muß ...
- (Bianet, 26.06.02) Generaldirektorat für Sicherheitsfragen
veröffentlicht Statistik der Folter-Verfahren gegen Polizeibeamte.
Den Daten zufolge wurden vom 1. Januar 2000 bis zum 31. Oktober 2001
gegen 4897 Polizisten Verfahren mit dem Vorwurf von Folter oder schlechter
Behandlung eröffnet. Im selben Zeitraum wurde gegen 3908 Polizisten
ein Disziplinarverfahren eröffnet. In den Gerichtsverfahren erfolgten
186 Schuldsprüche, bei den Disziplinarverfahren wurden 225 Strafen
verhängt. 1123 Gerichtsverfahren waren noch nicht abgeschlossen.
Bei den Gerichtsverfahren beziehen sich 535 explizit auf "Folter".
Von diesen Verfahren waren zum Ende des Berichtszeitraums 180 noch nicht
abgeschlossen. Bei den 355 abgeschlossenen Verfahren erfolgte in 18
Fällen ein Schuldspruch.
- (Aksam, 26.06.02) Verfassungsgericht hebt einige Bestimmungen des
Gesetzes zur Neustrukturierung der öffentlichen Schulden auf.
Das Verfassungsgericht hat im Gesetz Nr. 4743 einige Bestimmungen aufgehoben,
die die Überwachung der autonomen Aufsichtsinstitutionen regelten.
Diese Bestimmungen, in denen die Aufsicht dem dem Parlament zugeordneten
Rechnungshof (Sayistay) entzogen wurden, sind mit sofortiger Wirkung
außer Kraft gesetzt. Das Verfassungsgericht folgte in diesem Punkt
dem Klageantrag der opposionellen DYP. Andere Punkte, wie beispielsweise
die weitgehende Immunität von Spitzenmanagern öffentlicher
Banken, wurden vom Verfassungsgericht nicht beanstandet.
- (Milliyet, 22.06.02) Türkei verpflichtet sich zu strikterem
Vorgehen gegen Folter. In zwei Verfahren vor
dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte hat die Türkei
Verfehlungen eingestanden und sich zu Schadensersatzleistungen bereiterklärt.
Außerdem erlärte die türkische Regierung, daß
strikter gegen Folter vorgegangen werde. Im Verfahren von Ali Erol,
der wegen eines 1995 verfaßten Textes verurteilt worden war, erklärte
die Regierung, daß einzelne Bestimmungen des § 312 Türkisches
Strafgesetzbuch und des Antiterrorgesetzes gegen die Europäische
Menschenrechtscharta verstießen. Dementsprechend erklärte
sich die Türkei zu einer Schadensersatzleistung bereit. Im Fall
von Baki Erdogan, der 1993 durch Folter getötet wurde, erklärte
sich die Regierung zu einer Schadensersatzleistung von 100.000 Dollar
bereit und räumte ein, den Foltervorwurf nicht ausreichend untersucht
zu haben.
- (Bianet, 21.06.02) Präsidenten der Anwaltskammern in Van und
Tunceli: Durch die Aufhebung des Ausnahmezustandes hat sich nichts geändert.
Nach Auffassung von Hüseyin Aygün, Vorsitzender der Anwaltskammer
Tunceli, reiche es nicht aus, den Ausnahmezustand auf dem Papier aufzuheben,
es bedürfe zudem auch einer "Rehabilitation" und der
Weiterbildung des Personals im Öffentlichen Dienst. Dieser Äußerung
schloß sich Hüsnü Ayhan, Vorsitzender der Anwaltskammer
Van, an. Nach Auffassung von Aygün hat sich in der 25-jährigen
Dauer des Ausnahmezustandes eine Gewöhnung herausgebildet und eine
Tendenz herausgebildet, den Bürgern zu mißtrauen und nach
Belieben in Freiheitsrechte einzugreifen. Hüsnü Ayhan forderte,
daß alle öffentlichen Institutionen sich buchstabengetreu
an die Gesetze der türkischen Republik zu halten haben. Amtsmißbrauch
seitens des Militärs müsse in jeder Form entgegengewirkt werden.
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