Jahrgang 2 Nr. 30 vom 27.07.2002
 

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Çay Sohbetleri

Teegespräche

Türkischer Tee - zu heiß für ein kleines Kind

Als kleines Kind war meine Zunge wohl sehr empfindsam, denn ich verbrannte meine Zunge bei jedem Schluck.
Die Situation erfordert von mir, mich über das Glas mit Tee hinüber zu beugen und das mit vorsichtiger Annäherung, denn auch meine damals kleinen Finger schreckten vor einer Berührung zurück. Bevor ich aber einen Schluck nahm, pustete ich kräftig, damit es schneller abkühlen konnte. Meine Familie beobachtete mein Leid mit Humor und Skepsis.

Die Tortur war mir irgendwie bald zuviel. Also stellte ich neben dem Glas Tee auf dem Frühstückstisch auch ein Glas mit kaltem Wasser. Die Lösung war für mich als Kind simpel, aber nahezu perfekt. Einfach ein halbvolles Glas Tee mit kaltem Wasser auffüllen und ich konnte ohne Probleme meinen Tee schlürfen.

Diese Problembeseitigung hatte einen Nachteil für mich. Verwandte und Bekannte wiesen mich immer darauf hin, dass nur kleine Kinder lauwarmen bis kalten Tee tranken. Aber damit konnte ich leben. Ich wollte eigentlich nie erwachsen werden und das Gerede der Erwachsenen nahm ich früher kaum ernst. Diese Sturheit brachte mir jedenfalls viel Ärger ein. Als Kind kann man Tee nur lauwarm genießen. Es braucht seine Zeit, bis es einem nichts mehr ausmacht, heißen Tee zu trinken. Irgendwann wird die Angst überwunden und man/frau liebt es, Tee zu trinken.

Das Frühstück, vor allem am Wochenende, ist ein Ritual der türkischen Familien. Rückblickend wird die Woche analysiert und für die nächste Woche Planungen entworfen. Zudem werden, wenn man/frau sich noch daran erinnern kann, Traumerlebnisse ausgetauscht. Jedenfalls hatte ich niemals einen Traum, in dem ich eine verbrannte Zunge hatte.

Ali Sirin

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