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Überflutungen sind (k)eine NaturkatastrophenIn den letzten Wochen ist die Türkei von mehreren schweren Unwetern heimgesucht worden, die zu einer Reihe von Todesopfern und schweren Verwüstungen geführt haben. Zuletzt hat ein Regenguß auch in Istanbul für Überschwemmungen gesorgt. Im Anschluß an alle diese Naturkatastrophen meldeten sich die Kammern von Architekten und Ingenieuren zu Wort und erklärten, daß die Schäden zu verhindern gewesen wären. Eines der größten Probleme der Türkei scheint in der mangelhaften Bauaufsicht zu bestehen. Beim Unwetter in der Provinz Rize vor zwei Wochen starben mehr als 22 Menschen, obwohl Gutachten vorlagen, die nachwiesen, daß das Gelände der von Schlammlawinen verschütteten Häuser für eine Bebauung ungeeignet war. In der Provinz Mersin wurde nach der großen Überflutung im vergangenen Winter festgestellt, daß "wilde" Bebauung den Lauf von Flüssen verengte. Hinzu kommt - wieder durch Bebauung, aber auch durch landwirtschaftliche Maßnahmen - Erosion. In Istanbul kommen all diese Faktoren zusammen. Die Stadt ist seit Mitte der 70-er Jahre dramatisch gewachsen. Ein wesentlicher Teil des Wachstum erfolgte jenseits jeder Stadtplanung durch Landbesetzung und improvisierte Bauten (Gecekondus). Istanbul dürfte dabei wohl weltweit die einzige Stadt dieser Größenordnung sein, die über keinen Rahmenbebauungsplan (Masterplan) verfügt. Die Großstadtverwaltung verwendet seit Jahren einen großen Teil ihrer Investitionsmittel auf die Verbesserung der Infrastruktur: neben Straßen vor allem Arbeiten am Wasserver- und -entsorgungssystem der Stadt. Die Probleme bleiben jedoch offenkundig. Die Kanalisation reicht nach wie vor nicht in alle Stadtteile. In vielen Bereichen ist sie unterdimensioniert. Durch die Bebauung wird eine normale Wasseraufnahme des Bodens verhindert. Es entsteht mehr Wasseraufkommen für die Kanalisation. Durch die Bebauung wird jedoch auch Erosion ausgelöst - die Gullis werden durch Sand und Geröll häufig zugesetzt oder - schlimmer noch - die Rohre verstopft. Hinzu kommt Straßenmüll, der wiederum zur Bildung von Verstopfungen beiträgt. In einer bei Bianet (9.08.02) wiedergegebenen Erklärung verweist ein Specher der Bauingenieurekammer vor allem auf die Gecekondus als Problem. Natürlich könne man die Menschen, die dort wohnten, nicht auf die Straße setzen. Es wäre jedoch zum Wohl der Stadt, wenn zur Sanierung der Stadtbezirke den Bewohnern dieser "wilden" Bauten Ausweichquartiere in Neubauten angeboten würden. Sie sollten nicht Eigentümer werden, aber ein Wohnrecht erhalten. Gleichzeitig müßte jede weitere Landnahme und ungeplante Bebauung verhindert werden. |
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