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Verbesserungen, aber kein Sieg: Die Glasfabrik in Pasabahce wird geschlossen.Nach einer 17-tägigen Fabrikbesetzung einigten sich Arbeitgeber und die Gewerkschaft Kristal Is auf ein Protokoll, das die Schließung der Fabrik vorsieht. 706 Arbeiter sollen in andere Fabriken der Firma Pasabahce übernommen werden, 156 sollen frühzeitig verrentet werden. Viele Arbeiter und Gewerkschaftsmitglieder waren von diesem Abkommen enttäuscht: ihrer Meinung nach hätte die Glasfabrik im Istanbuler Stadtteil Beykoz erhalten bleiben müssen. Mitte Juli hatte die Firmenleitung des international tätigen Glaskonzerns Pasabahce beschlossen, die Fertigung in der Sise Cam-Fabrik einzustellen und den Arbeitern 15 Tage Urlaub verordnet. Diese jedoch weigerten sich, das Fabrikgelände zu verlassen. Man sei nicht bereit, die Schließung der Fabrik hinzunehmen. Die Firmenleitung verwies auf die hohen Verluste der Fabrik, die Arbeiter darauf, daß die Defizite bewußt herbeigeführt worden seien, da ein Teil der Produktionskapazität trotz vorhandenen Absatzes nicht ausgenutzt worden sei. Gemunkelt wurde, hinter der Schließungsabsicht stünde der hohe Wert des Grundstücks - die Firma würde nunmehr neue Investitionen im Ausland planen. Durch ihren Verbleib auf dem Werksgelände, aber auch durch ein bereits im vergangenen Jahr eingeleitetes Lohnerhöhungsmoratorium zeigten die Beschäftigten der Fabrik ihre Entschlossenheit, alles in ihrer Macht stehende für dessen Erhaltung zu tun. In den Medien wurde die Auseinandersetzung mit vergleichsweise großer Aufmerksamkeit verfolgt. Trotz polizeilicher Abriegelung wurde mit viel Sympathie über die Ziele der Beschäftigten berichtet, auch wenn es nicht immer leicht war, zu den Arbeitern durchzudringen. Die Fabrik gehört zur ersten Generation der Industrialisierungsprojekte der Türkischen Republik. Fabrikschließungen gehen überall im Land weiter - hier formiert sich friedlicher Widerstand - so war der überwiegende Tenor der Berichterstattung. Zum friedlichen Charakter des Widerstandes dürfte jedoch vor allem auch das Urteil eines mutigen Richters geführt haben, der einen Antrag der Arbeitgeberseite zurückwies, die Aktion als "Fabrikbesetzung" zu bewerten und stattdessen erklärte, die Beschäftigten warteten nur auf eine Entscheidung über ihre Vorschläge - dabei behinderten sie nicht die Produktion, weshalb keine widerrechtliche Situation gegeben sei. Absehbar war jedoch, daß mit Ablauf des "Urlaubs" dieser Status nicht lange fortsetzbar gewesen wäre. Aller Unterstützung durch die Bewohner des Stadtteils zum Trotz wäre das Ende absehbar gewesen: eine polizeiliche Räumung. Die Gewerkschaft Kristal Is hat eine realpolitische Lösung vorgezogen und eine leicht verbesserte Form des Arbeitgeberangebots angenommen. Ob diese realpolitische Lösung jedoch auch der Gewerkschaft gut tut, bleibt fraglich, denn die Enttäuschung unter den Beschäftigten ist groß, viele fühlen sich von Kristal Is und dem Gewerkschaftsbund Türk Is verraten. Am Abend des Abkommens marschierte eine Gruppe von ihnen zum nahegelegenen Gewerkschaftsbüro und demolierte unter dem Slogan "Kristal - du hast uns verraten" dessen Tür und Namensschild. |
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