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Die Woche vom 10. bis 17. August 2002Politisch gesehen standen wohl die Diskussionen über Wahlbündnisse absolut im Vordergrund. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie sich Kemal Dervis, der am Samstag seinen Rücktritt erklärt hatte, sich verhalten werde. Mit der Annäherung Dervis an die CHP und dessen Absage an die YTP werden eine Vielzahl von Spekulationen verbunden. Demgegenüber wurde der Amtsübergang auf Dervis Nachfolger Türker von den Finanzmärkten mit einiger Gelassenheit aufgenommen. Türker erklärte, daß er das laufende Wirtschaftsprogramm unnachgiebig fortsetzen werde und daß es mit ihm kein "Wahlökonomie" geben werde. Als einen seiner ersten Schritte setzte sich Türker für eine verbesserte Koordination zwischen den unabhängigen Wirtschaftsbehörden (Banken-, Finanzmarktaufsicht und Zentralbank) ein. Außerdem erklärte Türker, daß er prüfen wolle, welche Spielräume für eine Förderung der Produktion gegeben seien und damit das zweite Standbein des Programmes stärker betonen. Jenseits dieser politischen Tagesordnung beschäftigten Waldbrände das Land - zuletzt forderte ein Großbrand in der Provinz Balikisir zwei Todesopfer. Gleichwohl zeigt eine Auswertung der Tageszeitung Radikal (16.07.02), daß bei der Vorbeugung und der Bekämpfung von Waldbränden große Fortschritte gemacht und das jährliche Schadensaufkommen begrenzt werden konnte. Der dritte Jahrestag des großen Marmara-Erdbebens sorgte in dieser Woche für Diskussionen über das Schicksal der Erdbebenopfer und den Stand der Vorbereitungen auf das zu erwartende große Istanbul Erdbeben. Das Erdbebenforschungszentrum der Bosporus Universität konnte dabei melden, daß das Frühwarn- und Katastrophenleitsystem in Betrieb genommen wurde. Da sich die Istanbul gefährdende Bruchstelle in nur 20 km Entfernung von der Stadt im Marmara Meer befindet, beträgt die Vorwarnzeit nur 3 Sekunden. Durch automatische Signalübermittlung sollen jedoch unverzüglich alle technischen Vorkehrungen zur Verringerung möglicher Erdbebenschäden getroffen werden. Außerdem gab die Großstadtverwaltung bekannt, daß umfassende Pläne für den Katastrophenfall ausgearbeitet worden seien. So wurde insbesondere Pläne für die Aufrechterhaltung der Verkehrsverbindungen aufgestellt und neue Schiffsanlegestellen sowie Hubschrauberlandeplätze eingerichtet. Oberbürgermeister Gürtuna beklagte in diesem Zusammenhang die unzureichende Finanzierung der Maßnahmen durch die Zentralregierung in Ankara. Unabhängige Initiativen und die Kammern von Architekten und Ingenieuren beklagen demgegenüber die nach wie vor unzureichende Vorbeugung durch eine systematische Prüfung der vorhandenen Bausubstanz. Auch sind nach wie vor nicht alle beschädigten Bauten des Erdbebens vor drei Jahren abgerissen. Zufriedenheit herrscht auch nicht bei den Opfern des Erdbebens vor drei Jahren. Zwar sind die Neubauten zu einem großen Teil inzwischen fertiggestellt - fehlende Verkehrsanbindung, Mängel der Infrastruktur und Baufehler machen das Leben in den neuen Siedlungen jedoch zu keinem Vergnügen.
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