Jahrgang 2 Nr. 36 vom 7.09.2002
 

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Nur ein Konzert?

von Ekrem Güzeldere

Eigentlich ist die Tatsache, dass die bekannte Liedermacherin und Sängerin Sezen Aksu am Türkischen Nationalfeiertag, dem 30. August, in Amphitheater zu Ephesus ein Konzert gab, kaum eine größere Meldung wert. Die Zusammensetzung ihrer Begleiter aber machte aus dem rein musikalischen Ereignis eine Demonstration der Pluralitaet der Türkei. Einige Wochen nach den Verfassungsaenderungen, die unter anderem auch Kurdischen Unterricht und Fernseh-und Radioprogramme legalisierten, setzte Sezen Aksu diesem Konzert ein Zeichen für deren Umsetzung.

Es kommt selten vor, dass das Amphitheater bis auf den letzten Platz gefüllt wird, aber am vergangenen Freitag war es bis auf den letzten Platz besetzt, die Zeitungen sprachen unterschiedlich von 10 000 bis 20 000 Besuchern, ich tendiere eher zur zweiten Zahl.. Bevor es los ging schwappte die Welle, bekannt aus den Fussballstadien, durch die Tribüne und wurden erste Gesänge angestimmt.

Für den musikalischen Rahmen sorgte das Orchester der staatlichen Oper und des Balletts aus Izmir unter Leitung von Ozan Dogulu. Den ersten Beitrag lieferte der Kirchenchor der Armenischen Kirche Vartanant aus dem Istanbuler Stadtteil Ferikoy, der im Laufe des Konzerts immer wieder kurze Einlagen gab oder den Hintergrundgesang stellte.

Sezen Aksu sang danach einige ihrer bekanntesten Lieder in schnellem Wechsel als eine Art Potpourri. Die nächste Gruppe war Los Pasaros Sefaridis, die zu Ehren des Schabatt mit einem religiösen Lied begannen und dann einige Lieder in judeo-espanol, dem Spanisch des 15. Jahrhunderts sangen.

Ihnen folgten die griechische Musikerfamilie Oniro, die einige Lieder im Wechsel mit Sezen Aksu sowohl auf Griechisch als auch auf Türkisch vortrugen und mit einem Sirtaki endeten. Nach dem gemeinsamen Vortrag eines Stückes in Armenisch erklärte Sezen Aksu: "Da uns ein Lied in Armenisch nicht trennen kann, lass und genauso eines auf Kurdisch singen". Unter starkem Beifall sang Sezen Aksu ein traditionelles kurdisches Lied a capella. Während des Liedes kam der Kinderchor der Stadt Diyarbakir auf die Bühne, der sowohl in kurdisch als auch in türkisch einige Lieder vortrug.
Vor dem gemeinsamen Finale trat die Klassische Türkische Hofmusikgruppe mit typischen Liedern aus der osmanischen Zeit auf. Nach lang anhaltendem Beifall kamen alle noch einmal auf die Bühne und Sezen Aksu beendete das Konzert mit einem Gedicht Mevlanas in einem Arrangement Arto Tuncboyaciyans.
Die Reaktionen in der Presse und von seiten der Politik waren größtenteils positiv, einige unverbesserliche Betonkoepfe in der Armee ließen es sich aber nicht nehmen, das Datum des Konzertes zu kritisieren. Sicher war es kein Zufall, dass dieser Tag für das Konzert gewählt wurde, schließlich waren alle Gruppen am Befreiungskrieg beteiligt und demonstrierten nun die Einheit in der Vielheit. Wirklich nur ein Konzert?
Biji Sezen.


P.S. unter gleicher Beteiligung fand am folgenden Tag ein Konzert im Amphitheater von Aspendos statt.

Vor kurzem kam das Album „ray'e" der kurdischen Sezen Aksu Niluefer Akbal auf den Markt, das ich wärmstens empfehlen kann.

 

 

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