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Reisen zur eigenen und zur fremden Religion
Jeder Türkeibesucher weiß, daß er ein muslimisches Land
besucht. Wenigen jedoch ist bewußt, daß Kleinasien nach Israel
die Landschaft ist, in der das Christentum am frühesten Wurzeln geschlagen
hat und die Türkei viele christliche Zeugnisse birgt.
Da ist im Südosten Tarsus, die Stadt des Saulus, der später
zum Paulus wurde. Da ist an der Ägäis Ephesus, wo er seine mitreißendsten
Predigten hielt. Da sind die sieben Kirchen Asiens in der heutigen Westtürkei,
an die die meisten der Apostelbriefe geschrieben wurden. Im heutigen Iznik,
unweit von Istanbul stritt man 325 auf den Konzil von Nicäa über
die Natur Christi. Und auf dem Konzil von Chalkedon, dem heutigen Kadiköy
gegenüber von Istanbul, wird 431 dem Patriarchen von Konstantinopel
die Ranggleichheit mit dem römischen Papst zuerkannt.
Später dann, als das Römische Reich geteilt wurde, wird Konstantinopel,
das heutige Istanbul zur Hauptstadt Ostroms und zum Zentrum der orthodoxen
Christenheit.
Schon vorher waren im Osten die alten Nationalkirchen entstanden: die
georgische, die armenische und die syrisch-aramäische. Wichtige Zentren
der Armenier und der Aramäer lagen in Kleinasien.
Eine Reise in die Türkei kann deshalb zur Begegnung mit der eigenen
Glaubenstradition werden. Sei es als Pilgerreise in Begleitung eines Geistlichen,
sei es als Auseinandersetzung mit der Geschichte des Christentums und
als Wiederentdeckung von Gemeinden, die aus dem Horizont der Europäer
zu entschwinden drohen.
Unter den muslimischen Ländern gebührt der Türkei ein besonderer
Platz. Sie hat sich als erster Staat der islamischen Welt konsequent von
der islamischen Rechtsprechung gelöst, europäische Gesetze eingeführt
und die Religion von der Politik getrennt.
Doch auch der Vorläufer der heutigen Türkei, das Osmanische
Reich, war ein außergewöhnliches Gebilde. Große Teile
des Reiches lagen auf dem Balkan, und die Osmanen herrschten jahrhundertelang
über christliche Gebiete. Sie herrschten jedoch nicht nur über
eine christliche Bevölkerung, sie erlaubten ihr auch eigene Schulen,
eigene Sozialfürsorge und sogar eigene Gerichtsbarkeit. Dieser lange
Tradition von Leben und Leben lassen ist es wohl zusammen mit den modernen
Reformen zuzuschreiben, daß der türkische Islam als tolerant
und offen gilt.
Auch nach dem 11. September, als viele Touristen nicht mehr in muslimische
Länder fahren wollten, hat der Besucherstrom in die Türkei nicht
nachgelassen. Tatsächlich wurde die Türkei zum Vermittler zwischen
Ost- und West. Um der Entfremdung zwischen Abend- und Morgenland entgegenzuwirken,
die durch den Anschlag ausgelöst worden war, fand im letzten Februar
in Istanbul ein Außenministertreffen zwischen der EU und den Länder
der Islamischen Konferenz statt.
Austausch funktioniert jedoch auch auf der persönlichen Ebene. Türkische
Theologen und Laien sind offen für alle Fragen des interreligiösen
Dialogs, sind interessiert und gesprächsbereit. Und das ist gut so,
denn zunehmend ist der Islam auch in Europa zuhause, und in Deutschland
ist es insbesondere seine türkische Version.
Reise als Begegnung mit dem anderen ist deshalb sinnvoll und notwendig.
Schüler- und Studentenaustausch, Besuche von Lehrern und Pädagogen
aber auch von Mitgliedern der Verwaltung bis hin zu Justiz und Polizei.
Diese Form des Reisens kann helfen, Mißverständnisse zu vermeiden
und Vieles in neuem Licht zu sehen.
Andere dagegen hungern einfach nach neue Erfahrungen. Auch ihnen macht
es die Türkei nicht allzu schwer. Man denke nur an die Musik. Während
die Theologen Saudi Arabiens Musik verbannen, ist Musik im türkischen
Islam ein Mittel zur Erfahrung Gottes. Die Musik der Mevlevi, der sogenannten
tanzenden Derwische' etwa oder die Musik der Aleviten, die ihre
Wurzel in alten türkischen Traditionen hat.
Informationen zu Reisen rund um die Religion
Peri Tours, Istanbul, Tel. 0090-212-240 16 47, Internet: www.peritours.com
The Way Tours, Istanbul, Tel. 0090-216-4925531, Internet: www.thewaytours.com
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