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Jahrgang 2 Nr. 18 vom 5.05.03
 

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1. Mai

Vielleicht sagt bereits die Tatsache, dass die Tageszeitung Radikal in ihrer Ausgabe vom 2. Mai keinen Bericht über die Mai-Kundgebungen enthält, einiges über Veränderungen, die vorgegangen sind...

Nach wie vor ist der 1. Mai in der Türkei kein Feiertag - wer an den Kundgebungen teilnehmen will, nimmt dafür Urlaub oder entfernt sich anderweitig von seinem Arbeitsplatz. Dass dennoch Tausende teilnehmen zeigt, dass dieser Tag trotz vielerlei Hindernisse nach wie vor seine Bedeutung nicht verloren hat. Doch ist die Teilnahme an Demonstrationen und Kundgebungen in der Türkei nach wie vor nicht selbstverständlich - sie finden meist unter strenger polizeilicher Überwachung mit einem für einen normalen Zeitgenossen abschreckenden Polizeiaufgebot statt. Doch immerhin ist es Jahre her, dass Schüsse auf Mai-Feiern fielen - wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, so starben zuletzt 1996 Mai-Demonstranten durch Polizei-Schüsse.

Trotzdem gehen die Mai-Kundgebungen auch heute nicht immer ohne Polizeieinsatz ab. Dieses Mal war es in Mersin, auch wenn es den Meldungen zufolge zu keinen größeren Auseinandersetzungen gekommen zu sein scheint.

In Istanbul sammelte sich das breite Spektrum von Linksorganisationen/-parteien, Gewerkschaften und Studenten, das nach wie vor die Mai-Veranstaltungen in der Stadt trägt. Im Vordergrund standen neben dem Protest gegen die Besetzung des Iraks vo allem die anstehende Reform des Arbeitsgesetzes und die Privatisierung.

Eine Reihe von nachdenklichen Berichten setzten sich kritisch mit der Form der Feiern auseinander. Natürlich ist es leicht, die Verantwortung dafür, dass die Ausstrahlung der Mai-Kundgebungen gering bleibt, bei der Polizei zu suchen. Die Blockbildung auf den Kundgebungen tut jedoch das ihre dazu - nicht jeder fühlt sich in diesem Spektrum aufgehoben...

Auf Zypern bot die neugewonnene Freizügigkeit den Türken im Norden die Möglichkeit, an den Mai-Kundgebungen im griechischen Süden der Insel teilzunehmen.

 

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Last modified: 28.12.2003