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Beiträge zur interkulturellen Kommunikation. Perihan Ügeöz und Ferhan Alesi Über Kulturoder: Ein Echter Amerikaner Von Ralph Linton, The Study of Man, 1936 Unser echter amerikanischer Bürger wacht morgens in seinem Bett auf, das zum ersten Mal im Nahen Osten benutzt, in Nordeuropa seine heutige Form erhielt und von dort nach Amerika gebracht wurde. Als er sich an das Aufstehen macht, schiebt er die Bettdecke zur Seite, die entweder aus Wolle oder Seide ist, die, bevor sie zu uns gelangten, beide zum ersten Mal in China benutzt, deren Materialien später im Nahen Osten weiter verarbeitet wurden. Die Latschen, in die er anschließend seine Füße steckt, sind eine Erfindung von Indianern aus dem Osten. Nachdem er seine Latschen angezogen hat, marschiert er Richtung Badezimmer, dessen Form wiederum eine europäisch-amerikanische Mischung zeigt. Die Seife, die er im Bedezimmer benutzt, ist ein Erbstück von den Galliern. Danach beginnt unser echter Amerikaner sich zu rasieren. Wahrscheinlich würden wir nicht zu sehr im Unrecht liegen, wenn wir das als eine Art masochistische Selbttortur bezeichneten, die uns entweder von den Ägyptern oder alten Sumerern überliefert worden ist. Nachdem unser echter Amerikaner wieder in sein Schlafzimmer zurückkehrt, nimmt er seine Kleider vom Stuhl, der als Benutzungsgegenstand aus Südeuropa seinen Weg in unseren Alltag gefunden hat. Sodann beginnt er seine Kleider anzuziehen, deren erste Originalform mittelasiatische Nomaden etwickelten. Die Schuhe, die er anzieht, wurden mit Hilfe der zum ersten Mal von den Ägyptern entwickelten Lederverarbeitungstechnik hergestellt, die dann später von Mittelmeerländern weiterentwickelt wurde. Unser Bürger beschließt, sein Frühstück draußen einzunehmen. Bevor er das Haus verläßt, schaut er kurz raus aus dem Fenster, deren Gläser eine Erfindung der alten Ägypter ist. Falls es regnet, wird er mit Sicherheit einen Schirm nehmen oder eine Regenjacke anziehen. Die erste eine Erfindung von mittelamerikanischen Indianern, die zweite eine von Südostasiaten. Auf dem Weg zum Frühstückslokal kauft unser Bürger sich
eine Zeitung und zahlt mit einer Geldmünze, die erstmals die Lydier
benutzten. Der Porzellanteller, den ihm die Seviererin im Lokal auf seinen
Tisch stellt, ist eine chinesische Erfindung. Der Stahl seines Messers
wurde zum ersten Mal in Südindien entdeckt. Die Gabel stammt aus
Italien des Mittelalters, der Löffel von den Römern. Sein Frühstück
beginnt unser echter amerikanische Bürger mit einer Apfelsine oder
einer Wassermelone. Die Apfelsine kommt aus dem Nahen Osten, die Melone
aus Afrika. Der Kaffee, den er trinkt ,wurde zum ersten Mal in Abessinien
benutzt. Ist sein Kaffe mit Milch und Zucker? Vergessen wir nicht, die
Gewinnung von Milch geht zurück auf das Talent von Nahen Östlern
und die des Zuckers auf das der Inder. Nun ist vielleicht auch ein Stück
Kuchen an der Reihe. Na, Sie wissen schon, die Sorte Kuchen, deren Herstellung
wir den Skandinaviern verdanken, die anfingen, den Weizen, der in Kleinasien
entdeckt wurde, auf eine besondere Weise zu verarbeiten. Ist das Frühstück zu Ende? Vielleicht zündet er sich nun eine Zigarette an. Diese Sucht eben, die von den Indianern beigebracht wurde. Ach, da war ja noch die Zeitung, die er auf dem Weg gekauft hatte. Na, halt die Zeitung, deren Druck Dank einer von China bis Deutschland reichenden Reihe von technischen Erfindungen möglich wurde. Und falls unser echter Amerikaner ein wenig gläubig ist, wird er beim Lesen all der düsteren Weltnachrichten seinem Gott dafür danken, daß er als ein echter Amerikaner geschaffen wude. Und selbstverständlich mit seinem aus indogermanischen Sprachen stammenden Englisch. |
Nachdenken über Kultur. Ein Thema für die Istanbul Post? Wer das Interview von Perihan Ügeöz mit Ferhan Alesi in der vergangenen Ausgabe gelesen hat, wird vielleicht - ähnlich wie ich - eigene Erfahrungen wiedergefunden haben. Als Menschen beurteilen wir, was um uns herum vorgeht, gemäß unseren Erfahrungen. Was nicht hineinpaßt, wird leicht abgewertet. Doch die vorschnelle Beurteilung, die mangelnde Reflexion nimmt uns die Fähigkeit, zunächst zu verstehen und uns dann zu verhalten ... Beide Autorinnen wollen eine Beitragsreihe in der Istanbul Post veröffentlichen, die anregt, über solche und ähnliche Fragen nachzudenken. Hat auch der neue Beitrag vordergründig keinen Türkei-Bezug, so ist doch offensichtlich, dass sich ähnliche Szenen in jedem Land der Welt darstellen lassen - so sehr Kultur auch "unsere eigene" ist, ist sie gleichermaßen auch Weltkultur.
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