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Die Zwischentürvon Halil Güvenis Die Geschichte, die ich im folgenden erzählen werde, ereignete sich in den siebziger Jahren in Stuttgart. Mitglieder einer türkischen, politischen Gruppierung baten mich, ihnen bei der Raumbeschaffung zu helfen. Sie hatten Sprachprobleme und konnten sich mit den Vertretern eines gemeinnützigen, deutschen Vereins nicht verständigen. Durch meine Vermittlung wurde ausgehandelt, daß die Türken das Vereinslokal zweimal in der Woche für Freizeitzwecke benutzen durften. Etwa einen Monat nach meiner ersten Vermittlung wurde ich erneut zu Hilfe gerufen. Es hatte einen großen Krach gegeben. Ich sollte den Streit schlichten. - Was war geschehen? Die Türken hatten sich beim letzten Treffen wie gewohnt im Vorraum des Lokals versammelt. Während sie sich unterhielten, ging eine Frau aus dem Verein bei ihnen vorbei und betrat hinten den Büroraum. Sie ließ die Zwischentür offen. Da aber die Türken laut redeten und mit ihren Zigaretten qualmten, dachten sie, daß sich die Frau im Büroraum gestört fühlen wird, wenn sie die Zwischentür offen lassen. Deshalb ging einer von ihnen ganz vorsichtig an die Tür und machte sie zu. Die Frau im Büroraum kochte aber vor Wut. Sie kam sich vor, als hätte man sie im eigenen Verein ausgesperrt. Die Türken wollten wahrscheinlich etwas Geheimes besprechen und schlichen sich an die Tür, um sie unbemerkt zu schließen. Sie ging zu den Türken und schrie sie an. Später erzählte sie das Vorgefallene anderen Vereinsmitgliedern, die ihr recht gaben. Es entstand eine gespannte Situation, und die Türken holten mich zu Hilfe. Ich sollte also einer festgefahrenen interkulturellen Kommunikation aus der Patsche helfen. Natürlich tat ich das, so gut es ging. Ich erklärte, nach welchem Schema die Türken in so einer Situation handeln. Sie waren Gäste in einem fremden Verein, also dürfen sie ihre Gastgeber durch lautes Reden und Qualmen nicht unnötig stören. Das war der Grund, warum die Zwischentür ganz vorsichtig zugemacht wurde. Das wurde aber von Deutschen mißverstanden, weil sie in solchen Situationen eher an das Ego des anderen denken und eine böse Absicht vermuten. - Die streitenden Parteien gaben sich schließlich mit dieser Erklärung zufrieden, weil ihr Problem zum größten Teil sprachlicher Natur war. Trotzdem hatten beide Seiten ein ungutes Gefühl dabei. Auch ich hatte bei der ganzen Geschichte ein schlechtes Gefühl, weil ich aus taktischen Gründen nicht alles erzählt hatte, was meiner Meinung nach im Verein vorgefallen war: Die Deutschen hatten den politisch tätigen Türken die Vereinstüren geöffnet, hatten aber von vorneherein das Gefühl gehabt, irgendwann einmal von ihnen hintergangen zu werden. Erst diese Erwartungshaltung bewirkte es, daß sie die Situation falsch einschätzten. Auf der anderen Seite hatten die Türken wahrscheinlich durch ihre politischen Diskussionen und durch ihr "revolutionäres" Aussehen selbst zu diesem Vorurteil beigetragen. FAZIT: Die interkulturelle Kommunikationsebene ist viel komplizierter, als es auf den ersten Blick zu sein scheint. Sowohl die streitenden Parteien als auch die Unparteiischen sind nur im Besitze eines Teils der Wahrheit. Es ist für ein friedliches Zusammenleben nicht immer ratsam, die "volle" Wahrheit zu kennen. |
Reihe Interkulturelle Beiträge Halil Güvenis: Die Zwischentür Management ist eine Kunstsache Kulturelle Werte kann man allenfalls spüren Die türkische Kultur hat einen Hang zur Femininität Wozu braucht man interkulturelle Kommunikation?
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Stefan Hibbeler Redaktion: redaktion@istanbulpost.net |
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Copyright © 2001 Istanbul Post Last modified: 28.12.2003 |
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