Jahrgang 3 Nr. 02 vom 10.01.2005
 

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Armenisches Leben in der Türkei - Eindrücke von einer Ausstellung

Am vergangenen Freitag eröffnete die Ausstellung "Sireli Yegpayris sevgili kardesim" ("lieber Bruder") in der Karsi Sanat Galerie in Beyoglu (Istanbul). Grundlage der Ausstellung sind 500 Postkarten aus der 4000 Karten umfassenden Sammlung von Orlando Carlo Calumeno, die das Leben der Armenier in verschiedenen Regionen der heutigen Türkei dokumentieren.

Die Postkarten sind vergrößert, nach Regionen und Städten geordnet und mit türkischen Erklärungen versehen. Sie geben ein eindrucksvolles Bild von Kultur und Alltag der Armenier zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die sehr gut besuchte Ausstellungseröffnung bot kaum Gelegenheit, sich in Ruhe mit den Tafeln zu beschäftigen. Doch auch der erste Blick zeugt von großer Vielfalt - Stoff- und Wollhändler von vor Hundert Jahren posieren mit Arbeitern für die Kamera. Stadtsiluetten mittel- und südanatolischer Städte, in denen neben Minaretts auch die Kuppeln von Kirchen zu sehen sind. Ein Kloster, dass in seiner Zeit ein wichtiger Wallfahrtsort war. Wie es wohl heute aussehen mag?

Der Gedanke begleitete mich die ganze Ausstellung hindurch. Hatte der Erste Weltkrieg bereits vielerorts dem armenischen Leben ein Ende gesetzt, haben die Auswanderungswellen der 60-er und 70-er Jahre wohl ein übriges dazu getan, dass sich die Spuren ihrer Kultur verwischen.

So gesehen sind Ausstellung und das dazu erschienene Buch wohl ein Angebot, sich zu erinnern. Über Jahrhunderte hinweg gepflegte Nachbarschaft vermittelt ein Bild von der Vielfalt der osmanischen Zeit, die nur bruchstückhaft in die modernen Nationalstaaten hinübergerettet werden konnte.

Ausstellungsort:

Karsi Sanat Calismalari
Istiklal Caddesi 258
Elhamra Pasaj, 2. Stock

Beyoglu / Istanbul

 

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