| ||||
|
Jetzt kostenlos! | ||||
Missionarsdebatte und Angst vor IdentitätsverlustMeist kommt die christliche Missionstätigkeit in der Türkei im Zusammenhang mit allerlei Verschwörungstheorien auf die Tagesordnung. Vermutet wird, dass es langfristig darum gehe, ethnische und religiöse zu schüren, die nationale Einheit dadurch zu zerrütten und auf diese Weise die Spaltung des Landes vorzubereiten. Vielleicht war der Bericht der türkischen Armee, von dem zum Jahreswechsel berichtet wurde, von diesen Gedanken inspiriert. Den Fakten nach konnte er nichts Aufsehenerregendes vermitteln: Die Zahl der Türken, die vom Islam zum Christentum überwechseln, ist verschwindend gering. Um wenigstens aber eine gewisse Problematik zu erzeugen, wird immerhin gemeldet, dass christliche Missionare es sich zum Ziel gesetzt hätten, bis zum Jahr 2020 10 Prozent der türkischen Bevölkerung zum Christentum zu bekehren. Doch wie ernst zu nehmen solche Zielsetzungen sind, kann der Meldung in der Tageszeitung Zaman nicht entnommen werden. Eine Quelle, wo der Bericht veröffentlicht ist, ist nicht zu finden. Die Diskussion, die dieses Mal entfacht wurde - nicht zuletzt durch die Presseerklärung von Frau Ecevit - hatte jedoch eher gemäßigte Züge. Vorherrschend war der Tenor, dass man Missionstätigkeit nicht verbieten könne. Man sollte sie nicht einmal als problematisch bewerten. Während die religiöse Seite der weiteren Diskussion sich darauf konzentrierte, zum einen den Stil der christlichen Propaganda zu kritisieren und zum anderen auf die Defizite bei der Vermittlung des eigenen muslimischen Bekenntnisses hinzuweisen, waren jedoch auch eine Reihe von Kommentaren zu finden, die sich stärker auf die Frage konzentrierten, welche Problemkonstellation die Problematisierung christlicher Missionstätigkeit verursache. Ali Bayramoglu beispielsweise stellt die Diskussion in einem Beitrag in der Yeni Safak (4.01.05) in den Zusammenhang einer Gesellschaft, die Mühe hat, sich zu orientieren. Während die Generation der Ecevits eine Zeit der Blockkonfrontation und ihrer Auseinandersetzung mit geprägt haben und sich vom Denken in Gegensätzen nicht lösen können, müht sich die mittlere Generation damit, den Wandel zu vollziehen. Offensichtlich ist, dass mit der Problematisierung christlicher Missionstätigkeit eine wichtige Frage kollektiver Identität angesprochen ist. Grund genug, den einen oder anderen Beitrag zur Debatte vorzustellen. |
Ali Köse: Geht die Religion wirklich verloren?
|
|||