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Jahrgang 4 Nr. 07 vom 14.02.2005
 

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Die Türkei: Land, Leute und Kultur aus dem Blickfeld von Ausländern

von Perihan Ügeöz

Jüngst veröffentlichte das Staatliche Statistikinstitut eine Studie zum Glücksbefinden  innerhalb der türkischen Bevölkerung. Folgt man den Ergebnissen dieser Studie, so schwelgt ca. 58% der türkischen Bevölkerung in gesegneten Glücksgefilden. Dieses Ergebnis macht reichlich stutzig, nagen doch mehr als zwanzig Millionen Menschen desselben Landes tagtäglich am Hungertuch. Genau mit diesem Widerspruch hat die Studie es binnen kurzer Zeit geschafft, reichlich öffentliches Aufsehen hervorzurufen. So wurden unter anderem geschwind manche der geistreichen Persönlichkeiten aus Universitätskreisen um des Rätsels Lösung befragt. Nach tiefsinniger Betrachtung kamen Schlußfolgerungen zustande, die ebensolchermaßen tiefsinnige Einsichten in die türkische Kultur erlauben. Innerhalb der türkischen Kultur existiere die fast obligatorische Angewohnheit, sich nach dem Wohlbefinden des Anderen zu erkundigen. Käme man nun in die Verlegenheit, diese Frage ausnahmsweise Mal offen und aufrichtig mit schlecht  oder miserabel  zu beantworten, könnte daraus leicht der Eindruck entstehen, daß es einem tatsächlich schlecht oder gar miserabel geht. Was aber werden dann die Nachbarn denken? Um sich infolgedessen ja nicht die Blöße zu geben, daß es einem womöglich tatsächlich schlechter geht als dem Nachbarn, existiere darum innerhalb der türkischen Bevölkerung die Neigung, das eigene Wohlbefinden für den Fall aller Fälle etwas besser zu verpacken als dasjenige des Nachbarn.

Wie lebt es sich eigentlich in der Türkei? Nun ist mit dieser Frage gewiß nicht beabsichtigt, den Auftakt für eine Alternativstudie zu der des Staatlichen Statistikinstituts zu starten. Sowohl die Intention ist wesentlich bescheidener als auch die Zielgruppe eine völlig andere, an die sich die hier gestellte Frage richtet. Gefragt sind vielmehr jene Menschen, die als sogennannte Ausländer in der Türkei leben, mag das Schicksal sie aus welchem Grunde auch immer in die türkischen Gefilde verschlagen haben.

Wie lebt es sich eigentlich in der Türkei? Das ist vielmehr die Ausgangsfrage eines seit längerer Zeit gehegten Interesses, Land, Leute und Kultur aus dem Blickfeld von Ausländern im Gespräch mit Ausländern zu ergründen. Eine Parallele zur oben kurz wiedergegebenen Studie besteht lediglich darin, daß sie die Umsetzung des Interesses etwas beschleunigt hat. Darum allein mußte sie wenigstens in einem Absatz erwähnt werden.

Ist die Türkei ein Land, in dem man sich als Ausländer wohlfühlen kann? Ist es möglich, das Gefühl von Fremdheit jemals zu überwinden? Gibt es Momente im Alltag, die trotz mehrjährigem Aufenthalt eventuell immer noch ein gewisses Unbehagen oder Befremden hervorrufen? Kann man sich in der Türkei soweit wohlfühlen, daß man eines Tages anfängt, von ihr als sein Zuhause zu sprechen? Und überhaupt, kann man sich in der Türkei je soweit Zuhause fühlen, daß man auf die Frage: "Kannst Du Dir auch vorstellen, eines Tages in diesem Land begraben zu werden?" ohne zu zögern mit "Ja" antworten könnte? Diese und verschiedene andere Fragen, die sich aus dem Rhythmus des Gesprächsverlaufs ergeben, werde ich ab heute in einer Serie mit verschiedenen in der Türkei lebenden Ausländern diskutieren.

Den Auftakt bildet das Gespräch mit Ursula Solterman Katipoglu. Mir persönlich machen sowohl die Gespräche als auch die Ausarbeitung der Interviews großen Spaß. Einen ebensolchen Spaß wünsche ich Ihnen beim Lesen.


"Die Türkei hat Spuren in meinen Bildern hinterlassen." Ein Gespräch mit Ursula Soltermann Katipoglu

Ursula Soltermann Katipoglu: Kontraste und Landschaften

 

 

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Last modified: 28.12.2003