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Die Mutter aller Naturschutzgebiete:
Probleme und Chancen
von Hans-Peter Geissen
Wer gelegentlich einen Bericht -sei es in der Zeitung oder Zeitschrift,
im Fernsehen oder Rundfunk oder als Buch oder Broschüre- über
ein Naturschutz- oder sonstwie bedeutendes Naturgebiet gelesen oder gehört
hat, der kennt auch die lobende Charakterisierung, die regelmäßig
für solche Gebiete gebraucht wird: Es handele sich um eine „Arche
Noah“.
Als Gott in ferner Vergangenheit mittels einer großen Flutwelle
die sündige Menschheit von der Erde tilgte, da gab er dem einzigen
Gerechten, Noah, diesen Auftrag: Ein Schiff, die besagte Arche, zu bauen
und von jeder Tierart ein Paar an Bord zu bringen, damit sie mit Noah
und seiner Familie die Flut überleben und neues Leben auf der Erde
begründen sollten. Eine Taube diente Kapitän Noah zur Fernerkundung.
Als die Flut schließlich zurückging, landete die Arche auf
dem Berg Ararat und ihre Ladung, alle Arten von Tieren also, konnte das
Schiff verlassen. Und auch der Mensch hatte so, in Gestalt der Familie
Noah, überlebt.
Diese Geschichte ist vor allem aus dem Alten Testament bekannt, doch
gibt es verschiedene ältere Versionen, die mindestens bis auf die
Sumerer (ca.3- 4.000 v.Chr.) zurückgehen. Die Version der Bibel ist
dabei weltweit die bekannteste, zumal sie auch im Islam verkündet
wird. Auch ihre Schrift ist hier von Interesse: Da der hebräische
Urtext nur die Konsonanten verbindlich festlegt, dürfte der Name
Ararat eine Falschlesung bzw .–umschreibung von Urartu sein.
Urartu
Urartu wiederum war der assyrische Name für ein Staatsgebilde in
Ostanatolien, dessen Staatsvolk sich selbst Biainili nannte. (Es geht
hier vor allem um das eisenzeitliche neu-assyrische Reich, das sich von
seiner heute nord-irakischen Keimzelle über Syrien und Palästina
bis nach Ägypten ausdehnte, dem ostanatolischen Gegner Urartu aber
nur kleinere Territorien abringen konnte.) Das Urartäische ist eine
untergegangene, nur mit dem ebenfalls erloschenen Hurritischen verwandte
Sprache, also weder eine indogermanische noch eine Turksprache. Die Urartäer
wurden als Vorfahren von Armeniern und (alternativ) Kurden reklamiert,
ihre Sprache weist hingegen eine frappierende strukturelle Ähnlichkeit
mit dem Türkischen auf. Doch entspricht dem keine Verwandtschaft
im Vokabular, und Sprachen des fraglichen „agglutinierenden“
(Wörter oder bedeutungsgebende Silben anhängenden) Typus treten
weltweit unabhängig voneinander auf (abgeschwächt auch im Deutschen
vorhanden).
Auch die ersatzweise Auffassung, es habe eine dünne „urartäische“
Oberschicht und ein (eigentliches) armenisches (oder kurdisches) Volk
gegeben, lässt sich wohl nur als modernes national-ideologisches
Konstrukt verstehen. Auch in urartäischer Zeit war Ostanatolien von
verschiedenen Sprachgruppen besiedelt: vorwiegend indigen-kaukasischen
im Norden (Transkaukasien), aramäischen und hurritischen im Süden,
Indoeuropäern der anatolischen Gruppe (luwisch-späthethitisch)
im Westen und Südwesten, und den eigentlichen Urartäern v.a.
am Van-See. Der Osten des Reiches im Bereich des heutigen West-Iran und
Nord-Irak war schon vorwiegend von Sprechern der iranischen Sprachgruppe
besiedelt. Soviel lässt sich aus überlieferten Orts- und Personennamen
oder auch archäologischen Funden erschließen, wobei dennoch
vieles im Unklaren bleibt. Von Armeniern im Sinne der Gruppe mit der Selbstbezeichnung
Hajk oder gar von Kurden oder Türken kann aber jedenfalls noch keine
Rede sein. Die heute dominierenden Sprachen kamen später nach Anatolien,
zuerst wohl tatsächlich die Hajk (Armenier), die linguistisch gesehen
Nachkommen der Kimmerier sein könnten (das hieße, der mutmaßlichen
Zerstörer des Reiches Urartu). Biologisch gesehen sind zweifellos
ohnehin alle mit allen verwandt und verschwägert. Im Lauf von Jahrhunderten
und Jahrtausenden ergibt sich das ganz nebenbei.
Nach Herodot und neuerdings Ivantchik stammten die „protoskythischen“
Kimmerier offenbar aus dem nordpontischen Raum, wie die Träger der
phrygischen und griechischen Sprache, mit denen wiederum das Armenische
verwandt ist. Es gibt (zugegeben: schwache) materielle Indizien für
eine spätere kimmerisch-urartäische Synthese. Nach Siegen über
Urartu, aramäische und andere „Spät-Hethiter“, Phryger,
Lyder und westanatolische Griechen „verschwanden“ die Kimmerer,
und kurz darauf fanden sich, mit unbekannter Herkunft, „Armenier“.
Den Kimmeriern folgten Skythen, den Armeniern Kurden und Zaza-Sprecher,
und noch heute sind in der Ost-Türkei „West-Armenien“
und „Nord-Kurdistan“ weitgehend deckungsgleich. Ein ethnischer
(oder auch religiöser) Nationalismus, wie er aus dem „christlichen“
Europa importiert wurde, konnte in dieser Situation nicht sonderlich hilfreich
sein. Doch darf man, wie besonders Müge Göcek deutlich macht,
auch den Anteil des osmanischen Staats- und Rechtssystems an der Strukturierung
der sich entwickelnden Nationalismen nicht übersehen.
Kernbereiche der landwirtschaftlichen Kulturen des westlichen und mittleren
Eurasien entwickelten sich in Ostanatolien, vornehmlich im Süden,
manche Gehölzkulturen aber auch im pontisch-transkaukasischen Bereich.
Wildpflanzen und Wildtiere dieses Raumes bildeten das Ausgangsmaterial
und bilden heute ein genetisches Reservoir derselben und anderer Arten.
Hier, in Grenzbereichen des späteren Urartu (des Landes Ararat, nicht
des Berges also), entstand die Grundlage auch und gerade der europäischen
Kulturen. Ihre primäre Ausbreitung erfolgte durch Auswanderer. Spätere
Einwanderer, darunter die Träger der armenischen, türkischen
und kurdischen Sprache(n), kamen aus Zielgebieten jener früheren
Auswanderer und brachten abgewandelte Formen der gleichen Produktionsweise(n)
mit. Es geht da keineswegs um fröhliches Multikulti – wohl
die meisten Einwanderergruppen brachten Zerstörungen (z.B. Kimmerier,
Skythen, Meder und Perser, Griechen, Kelten, Römer, Türken und
Mongolen; Gegenbeispiele wären Juden und Zigeuner); aber alle bildeten
eben auch neue Synthesen. Die Details entwickel(te)n sich mit jeder Generation
weiter – wer will mit Sicherheit sagen, die Nachbarin zur Linken
habe einen urartäischen Urgroßahnen, der Nachbar zur Rechten
aber nicht?
Die Hurriter lebten bronzezeitlich (soweit bekannt) vorwiegend in Südostanatolien
und Nordsyrien und spielten auch im Hethiterreich eine bedeutende Rolle.
Und auch Hethiter waren lange Zeit nur aus der Bibel bekannt, auch sie
nur in einer Version dritter Hand: Anatolien blieb dem Volk der Bibel
völlig unbekannt. Und als sich die Welterkunder aus dem christlichen
Europa, ausgerüstet mit dem Wissen(sstand) der Bibel, aufmachten,
die Vorgeschichte ihrer antiken Vorbilder Rom und Griechenland zu erkunden,
ließen sie Anatolien folgerichtig außer Acht.
Das hat Folgen bis in unsere Zeit, denn das im „aufgeklärten“
Europa angesammelte Wissen blieb natürlich vom Wissen der Aufsammler
abhängig und weist trotz vieler Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte
nach wie vor eine große Lücke auf: eben Anatolien. Das gilt
besonders für Lehrbücher aller Art, die noch nicht mit neuesten
Erkenntnissen „infiziert“ sind. Letztere lassen kaum einen
Zweifel, dass mit der Missachtung Anatoliens das Wichtigste verpasst worden
ist.
Der Ararat – Büyük Agri Dagi
Der Agri, wie der türkische Name des Ararat lautet, ist der höchste
Berg der Türkei (5137m), im äußersten Osten nahe der Grenze
zu Armenien gelegen. Es handelt sich um einen erloschenen Vulkan, der
sich als gewaltiger Kegel aus der Hochebene von Igdir erhebt und in der
Gipfelregion von Gletschern bedeckt ist. Seit November 2004 ist hier ein
87.380 ha großer Nationalpark ausgewiesen. Dabei mag hier dem Begriff
des Nationalen eine etwas größere Bedeutung zukommen als im
allgemeinen üblich.
Entsprechend den ersten als Nationalpark bezeichneten Gebieten in Nordamerika
und Südafrika sind Nationalparke der Erhaltung besonders wertvoller
und oft auch besonders typischer, aber selten gewordener Erscheinungen
der belebten und unbelebten Natur eines Landes bzw. eines Nationalstaates
gewidmet. Man kann sich also fragen, was insofern der Agri-Nationalpark
erhalten soll.
Berge sind an sich nicht selten in der Türkei, ja der größere
Teil des Landes besteht aus Bergen, zwischen denen sich Hochebenen erstrecken.
Auch besteht kaum die Gefahr, dass ein Koloss wie der Agri abgetragen
wird und in der Baustoffindustrie Verwendung findet. Also könnte
der Schutz der belebten Natur die wesentliche Bedeutung dieses Schutzgebietes
ausmachen, wie es auch seine mythologische Beziehung zur Arche Noahs nahelegen
würde.
Der Agri ist, besonders unter dem biblischen Namen Ararat, ein beliebtes
Ziel des „trekking“-Tourismus im weitesten Sinne. Dazu kann
man auch die Esoteriker zählen, die hier allen Ernstes den Fund eines
großen alten Schiffes erwarten, als ob es sich da um einen materiellen
Gegenstand gehandelt hätte oder, wenn man realistischer an ein Floß
oder ein Fischerboot denkt, tatsächlich Überreste eines dem
Mythos zugrundeliegenden Ereignisses erhalten sein könnten. (Liegt
vielleicht hierin die größte Gefährdung des Ararat als
nationale Erscheinung? Schließlich heißt es, der Glaube könne
Berge versetzen, und die Staatsgrenze ist buchstäblich in Sichtweite.)
Was offenbar von Touristen neben Fotos und Internetseiten der Mit- und
Nachwelt reichlich hinterlassen wurde, ist Müll, der in der ziemlich
trockenen Landschaft eine „Lebenserwartung“ von einigen Jahrzehnten
oder unter „günstigen“ Umständen einigen Jahrhunderten
hat.
Jedenfalls ist der Berg Wuchsort zahlreicher endemischer (nur in einem
kleinen Verbreitungsgebiet vorkommender) und anderer seltener Pflanzenarten.
Unter www.wwf.org.tr (in Türkisch)
findet man eine Gesamtübersicht über die für die Artenvielfalt
besonders wichtigen Gebiete der Türkei, in der auch diesbezügliche
Informationen über den Agri/Ararat gegeben werden. Das Vorkommen
von endemischen wirbellosen Tierarten kann man ebenfalls voraussetzen,
und die geographische Grenzlage lässt zudem Arten mit Verbreitungsschwerpunkt
im innerasiatischen Trockengebiet erwarten. Beste Voraussetzungen, sollte
man meinen, für eine erhebliche Bedeutung dieses Berges für
die Erhaltung einer besonderen Pflanzen- und Kleintierwelt. Und auch die
Vogelwelt der Gebirge sollte hier mit typischen Arten vertreten sein.
Aber konkrete Angaben zur Fauna gibt es bisher nur wenige.
Mit Noahs weißer Taube dürfte eine domestizierte, vielleicht
eine Tempeltaube Babyloniens oder Syriens gemeint gewesen sein –
und damit ein Abkömmling der in Anatolien und im Kaukasus seit jeher
weitverbreiteten Felsentaube Columba livia, von der auch die europäischen
Haus- und Straßentauben abstammen. Zumindest diese Art sollte auch
heute noch am Ararat vorkommen.
Säugetiere
Lediglich die Angaben von Kumerloeve (1967) zu größeren Säugetieren
geben konkretere Hinweise auf das biologische Potential in dieser dem
Menschen am nächsten stehenden Tierklasse. Bezoarziege (Capra aegagrus),
ein mufflonartiges Wildschaf (Ovis gmelini), Braunbär (Ursus arctos),
Luchs (Lynx lynx) und der anatolische Leopard (Panthera pardus tulliana)
sind hier zumindest einmal vorgekommen. Mit Ausnahme des Leoparden konnte
der WWF Turkey diese Arten 2002 bestätigen, außerdem Fuchs
(Vulpes vulpes), Dachs (Meles meles) und Steinmarder (Martes foina) –
alle Arten allerdings nur mit dem Häufigkeits-Status „sehr
selten“. Dabei wurde intensive Jagd (Überjagung) festgestellt
und die Einrichtung von Jagdschutzzonen und Aufzuchtstationen für
Wildarten vorgeschlagen.
Anatolische Vorkommen von Gemsen (Rupicapra spec.) reichten einstmals
von Westen und Süden her nahe an den Ararat heran, während dies
auf der anderen Seite für kaukasische aus nördlicher Richtung
ebenfalls gilt. Ob sie allerdings den Agri/Ararat besiedelten, ja ob es
sich um die gleiche Art oder Unterart handelt, ist nicht bekannt –
wie so vieles. Dabei ist das nicht ganz ohne Interesse. Schließlich
erreicht die essentiell europäische Gattung Rupicapra in dieser Gegend
die Ostgrenze ihrer Verbreitung, die sich nach Westen über Gebirge
des Balkanraums, Karpathen, Tatra, Alpen, Schwarzwald, Apennin und Pyrenäen
bis in die kantabrischen Gebirge Spaniens erstreckt. Ein passenderes Symbol
könnten die Freunde eines EU-Beitritts kaum finden.
Anatolische Wildschafe und Wildziegen sind erstrangige, aber noch ungenügend
untersuchte Kandidaten für die Frage, aus welchen Populationen sich
die ersten domestizierten Schafe und Ziegen entwickelten. Und noch kürzlich
erreichten taxonomische Unklarheiten sogar die politische Ebene, als Umweltminister
Osman Pepe die Verwendung der Art- bzw. Unterartnamen „Ovis armeniana“
und „Vulpes vulpes kurdistanica“ -in Unkenntnis oder Missachtung
der Regeln internationaler biologischer Nomenklatur- kurzerhand verbot.
Nun ist zwar „Ovis (ammon) armeniana“ längst von russischen
Autoren zugunsten von „Ovis (a.) gmelini“ als jüngeres
Synonym eingezogen worden, und seine Verwendung ohne nähere Begründung
tatsächlich nicht akzeptabel (zoologisch gesehen). Aber der Vorgang
lässt doch sowohl die zoologischen Wissenslücken als auch fortwirkende
politisch-historische Spannungen erkennen.
Es ist also an der Zeit, die biologische und ökologische Forschung
zu intensivieren oder z.T. erst einmal wieder in Gang zu setzen sowie
ein Konzept gegen die Vermüllung der Landschaft, gegen Überjagung
und für einen naturverträglichen Tourismus zu entwickeln. Untersuchungen
zum Vorkommen größerer Säuger am Ararat, zur Rettung des
türkischen Leoparden und zur anatolischen Großsäugerfauna
insgesamt führt die türkische Sektion des WWF durch ( http://www.wwf.org.tr/en/ormanlar_yaban_main.asp
)
Zumindest in der Umgebung des Ararat kommt heute noch der Gänsegeier
Gyps fulvus vor, eine der vier offenbar dramatisch zurückgehenden
Geierarten der Türkei. Seine hauptsächliche Nahrungsquelle ist
das Aas von größeren Säugetieren, und das Management ihrer
Populationen (wildlebender wie auch domestizierter) entscheidet auch über
die Zukunft dieser Vögel.
& Politik
Eine große Rolle spielt der Ararat in der nationalistischen Propaganda
– Armeniens, nicht so sehr der Türkei. Es gibt wohl keine Präsentation
Armeniens, die nicht an prominenter Stelle den Ararat darstellt, immerhin
also Territorium eines Nachbarstaates. Das weist auf die Wunden und Mythen
hin, die der begreifliche, aber in mehrfacher Hinsicht fatale Versuch
(und die wohl zwangsläufig desaströse Praxis) der Errichtung
eines Nationalstaates der armenischen Minderheit in Anatolien und im Kaukasus
hervorgerufen hat. Es lässt auch das türkische Misstrauen in
die Friedfertigkeit ihres kleineren Nachbarn verständlich erscheinen,
auch abgesehen von der zeitgenössischen armenischen Aggression in
Azerbeijan. Wie viele solcher Symbole könnte allein Deutschland zwischen
Straßburg, Meran, Sibiu und Kaliningrad kreieren? Wie viele die
Türkei, Polen, Dänemark, Ungarn usw.? Und welches davon betroffene
Land würde darin keine Bedrohung sehen? Im Gegensatz zum türkischen
hat der armenische Nationalismus in Europa erstaunlich wenig Aufmerksamkeit
gefunden. Oder ist es allzu naiv, hier zu staunen?
Auf der anderen Seite wird man, unabhängig von der jeweiligen Bewertung
der historischen Ereignisse, nicht erwarten können, dass die heutigen
Armenier den Ararat (armenisch: Masis) einfach vergessen – zumal
er in Sichtweite der Republik Armenien liegt.
Die Ausweisung eines Nationalparks mit den Funktionen des Arten- und
Landschaftsschutzes im vorigen Jahr war zweifellos ein Schritt in die
richtige Richtung. Der Ararat hat nicht nur für mehrere ethnische
Gruppen, sondern auch für drei Weltreligionen eine hohe symbolische
Bedeutung, deren begrifflicher Inhalt die Rettung ist, und zwar primär
die Rettung des gerechten, friedfertigen Menschen. Die Moderne hat dem
eine speziell ökologische Deutung beigegeben, die ihre Aktualität
so bald nicht verlieren wird. Das Schutzgebiet am Ararat ist nur ein Teil
eines sich entwickelnden türkischen Schutzgebietsystems, das der
UN-Konvention zur Erhaltung der Biodiversität und anderen internationalen
Verträgen (etwa der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten
und der Ramsar-Konvention über Feuchtgebiete internationaler Bedeutung)
entsprechen soll und auch bereits den Grundstock für den türkischen
Teil des „natura 2000“-Systems der Europäischen Union
bilden kann.
Vielleicht wäre es weiterführend, diesen Nationalpark Agri/Ararat
darüber hinaus dem bei der UNESCO notifizierten Welt-Natur- und Kulturerbe
zu widmen. Wenn die Welt lebenswert bleiben soll –nicht nur die
Türkei, die Kaukasusregion oder Europa-, dann muss die „Arche
Noah“ fertig gebaut werden. Zumindest für diejenigen Teile
der Welt, zu deren Traditionen eine der abrahamitischen Religionen gehört
(und das sind nicht wenige), sollten die Arche, die Taube und der Ararat
über das biologische Inventar des Berges hinaus symbolische Wirkung
entfalten können. So könnte die Assoziation mit Noahs Arche
und mit dem gemeinsamen Überleben von Menschen und anderen Lebewesen
vielleicht auch die nationalistischen Konnotationen allmählich zu
überschreiben beginnen.
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der blaue reiter 7/1998: 30-35. Stuttgart.
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Die Mutter aller Naturschutzgebiete: Probleme
und Chancen
Inhalt:
Urartu
Der Ararat – Büyük Agri
Dagi
Säugetiere
& Politik
Literatur:
Archiv
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