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Ein Apostel?von Hans-Peter Laqueur Wenig spricht für die von Schrader angenommene Gleichsetzung des Grabes von Zenbilli Ali Efendi mit einer byzantinischen Kultstätte, mehr schon für eine derartige Kontinuität bei unserem heutigen Heiligengrab. Der Bezug auf den Apostel Andreas mag berechtigt sein, beweisen läßt er sich allerdings ebenso wenig wie die Authentizität des Apostelgrabes in der byzantinischen Apostelkirche, an deren Stelle heute die Fatih Camii steht. Genausowenig wie über die 18 Helden wissen wir auch über den „Heiligen mit der Kettenfessel“ Bukagili Baba. Selbst der ausführlichste unter den modernen Führern zu den Heiligengräbern der Stadt weiß nicht einmal eine Legende aus dem Leben dieses Mannes zu berichten. Er zieht sogar den Namen in Zweifel, meint, daß er in Wahrheit Seyh Mehmed Bagdadî gehießen habe, und daß sein seltsamer Name aus Bagdatli Baba, dem Heiligen aus Bagdad, entstanden sei. Auch dieses Grab ist nicht mehr in dem Zustand, in dem Schrader es gesehen hat. 1953 wurde hier ein lateinschriftlicher Grabstein gesetzt. Bokagılı Dede – Apostel Andreas Christlich-muhammedanische Gleichungen lassen sich bei den Altertümern Stambuls manche finden. Am auffallendsten tritt jedoch die Uebereinstimmung zwischen dem Bokagyly-Dede (der Heilige mit der Kette) und dem Apostel Andreas hervor. Wie bekannt sein wird, befand sich das Grab des Apostels Andreas in der Apostelkirche, die auf der Stelle der jetzigen Moschee Sultan Mehmed II. stand. Die Kette spielt aber in der Legende vom Martyrium dieses Apostels eine Rolle. Die in Stambul verbreitete Sage, die wir neulich aus dem Munde eines alten Mannes im Fatichviertel hörten, erzählt:
Dieser Heilige wird von den Leuten angerufen, wenn ein Angehöriger ins Gefängnis wandern muß. Man naht sich dem Gitter der Türbe und bindet um einen der Eisenstäbe einen wollenen Faden. Die Vorbedingung für Erhörung ist aber, daß man mit reinem Herzen kommt. Das Volk erzählt auch, daß als der Türbedar es vergessen hatte, die heilige Kerze am Grabe in der Freitagsnacht anzuzünden, diese sich von selbst entzündete. Der jetzige Türbedar ist ein Greis von 95 Jahren.« Friedrich Schrader: Konstantinopel. Vergangenheit und Gegenwart. Tübingen 1917. S. 94-95.
oben: Grab des Bukaðılı Dede unten: Gedenkstein für die 18 Sekbanlar |
Heilige Narren - Närrische Heilige 1. Station: Tezveren Dede (pdf-Druckversion) 2. Station: Verlorene
Gräber 3. Station: Zwei märchenhafte
Geschichten und zwei gleichnamige Heilige 4. Station: Der Mann
mit dem Bücherkorb 5. Station: Ein Apostel?
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