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- (Aksam, 10.09.05) Wieder Vorfall mit Hizbut Tahrir.
Die Teilnahme von Ministerpräsident Erdogan am Freitagsgebet in
der Hacibayram Moschee in Ankara wurde von einer Gruppe von Angehörigen
der Hizbut Tahrir" zum Anlaß für eine Aktion genommen.
Slogans wie "Muslime erwacht" wurden gerufen und Flugblätter
in die Luft geworfen - es kam zu einer Reihe von Festnahmen. Die Zeitungen
Yeni Safak und Zaman haben daraufhin am Samstag und Sonntag kurze Hintergrundberichte
zur Hizbut Tahrir vorgelget, die bereits eine Woche zuvor durch eine
Kalifats-Kundgebung in der Istanbuler Fatih-Moschee von sich reden machte.
Den Darstellungen handelt es sich um eine Organisation, deren Führung
sich in Jordanien aufhält. Eine direkte Verwicklung in Gewalttaten
ist bisher nicht nachgewiesen worden. Die Organisation lehnt eine demokratische
Regierungsform ab und tritt für die Wiedererrichtung des Kalifats
ein. Der plötzliche Übergang der Organisation zu öffentlichen
Aktionen ist Ausgangspunkt einer Reihe von Spekulationen über mögliche
Steuerung durch Geheimdienste, für die konkrete Anzeichen jedoch
bisher nicht vorgebracht wurden.
- (Zaman, 10.09.05) Regierung trifft sich mit zivilgesellschaftlichen
Organisationen. Die Zahlenangaben schwanken
zwischen 47 und 50 - Vertreten waren neben Wirtschafts- und Arbeitgebervereinigungen
auch Gewerkschaften, Menschenrechtsgruppen und Vereine. Von der Regierung
nahmen Ministerpräsident Erdogan, Außenminister Gül
und der für die Verhandlungsführung mit der EU benannte Staatsminister
Babacan teil. Während Ministerpräsident Erdogan die Organisationen
dazu aufrief, sich aktiv in den Prozeß einzubringen, erhielt die
Regierung für ihre Haltung, keine weiteren Vorbedingungen für
die Verhandlungsaufnahme anzuerkennen, Unterstützung von einigen
Organisationen. Hinsichtlich der Beteiligung der Organisationen am Verhandlungsprozeß
sieht die Regierung die Konstituierung eines Beirats vor, der alle drei
Monate zusammentreten soll.
- (NTV, 9.09.05) Strafantrag gegen Oberbürgermeister von
Diyarbakir wegen Vortrag im Europaparlament.
In Reaktion auf eine Rede von Oberbürgermeister Osman Baydemir
vor dem Europaparlament, in der er die türkische Armee und die
PKK aufforderte, gleichzeitig die Waffen niederzulegen und erklärt
hatte dass ein kurdisch-türkischer Konflikt nicht gewollt sei,
die Ereignisse der letzten Zeit jedoch auf Medienberichte über
den Gesundheitszustand von Abdullah Öcalan zurückgingen, hat
das türkische Innenminsterium Strafantrag wegen "Lob einer
Straftat oder eines Straftäters" gestellt. Auszüge aus
dem Vortrag Baydemirs finden sich auf der Webseite von ABHaber
(türkisch). In türkischen Medien wird Baydemir vorgeworfen,
von der PKK als "kurdischer Opposition" gesprochen zu haben.
Die im Beitrag von ABHaber wiedergegebene Argumentation zeigt dies nicht.
Gleichwohl nimmt Baydemir keine Trennung von "politischer Opposition"
und " bewaffneten Kräften" vor.
- (Eurobarometer) Leicht Nachlassende EU-Befürwortung in
der Türkei, zunehmende Skepsis in Europa.
Ende August und Anfang September sind eine Reihe der Ergebnisberichte
der Frühjahrsbefragung des Eurobarometers vorgelegt worden, das
regelmäßig als Standardbefragung sowie zu geeigneten Anlässen
auch ergänzt durch Sonderbefragungen durch die Europäische
Kommission durchgeführt wird. Der Länderbericht Türkei
zeigt einen leichten Rückgang der EU-Befürwortung (von 62
% im Herbst auf 59 % im Frühjahr). Demgegenüber hat sich die
Zufriedenheit mit der demokratischen Ordnung sowie die Hoffnung auf
bessere persönliche Lebensumstände verstärkt (was gegenläufig
zum EU-Trend liegt). Ergebnisse des Standard-Eurobarometers zeigen,
dass die Unterstützung für einen türkischen EU-Beitritt
in Österreich bei nur 10 %, in Frankreich und Deutschland bei 21
% liegt.
- (NTV, 8.09.05) Regionalsendungen in nichttürkischer Sprache.
Die Aufsicht für Radio und Fernsehen (RTÜK) hat zehn Rundfunk-
und Fernsehsender aufgefordert, ihre Anträge auf Zulassung von
Sendungen in nichttürkischer Sprache zu erneuern. Seit einiger
Zeit wird über Vorbeitungen von RTÜK zur Zulassung insbesondere
auch kurdischer Regionalsendungen berichtet. Gemäß der NTV-Meldung
wird die Auflage erteilt, dass der Umfang der nichttürkischen Sendungen
nicht länger als vier Stunden pro Woche und ihr Inhalt ausschließlich
kulturell sein wird.
- (NTV, 8.09.05) Präsidiums für religiöse Angelegenheiten
sieht Aleviten nicht als eigenständige islamische Konfession.
Ein Bericht des Präsidiums für religiöse Angelegenheiten
kommt zu dem Schluß, dass es sich beim Alevitentum um eine eigenständige
anatolische Auslegung des Islams handele, die jedoch Teil des Islam
sei und auch nicht als Konfession zu bewertet ist. Der Bericht behandelt
die Arbeit des Präsidiums der vergangenen zwei Jahre und geht auch
auf die Forderung von Aleviten ein, im Präsidium vertreten zu sein,
was mit der Befürchtung beantwortet wird, dass dann auch andere
Gruppen kommen und ähnliche Forderungen stellen werden. Im Hinblick
auf den Status der alevitischen Cemevler wird erklärt, dass es
Falsch sei, diese als Gegenstück oder Alernative zu Moscheen zu
betrachten.
- (NTV, 6.09.05) Störung einer Ausstellungseröffnung
zu Angriffen auf die nichtmuslimische Minderheit vor 50 Jahren.
Anläßlich des 50. Jahrestages der Ereignisse vom 6. und 7.
September 1955, bei denen Wohnungen, Geschäfte und Gebetsstätten
der Nichtmuslime in Istanubl angegriffen und geplündert wurden,
wurde in Istanbul eine Ausstellung mit Bildern aus dem Archiv des Militärrichters
Fahri Çoker eröffnet. Eine kleine Gruppe öffnete eine
türkische Fahne, rief Parolen ("Die Türkei ist türkisch
und wird es bleiben"), warf mit Eiern und zerstörte einige
Ausstellungstafeln. Die Polizei nahm einige der Störer fest. Anläßlich
des 50. Jahrestages der Ereignisse wurde in türkischen Medien breit
über die Ereignisse diskutiert und dabei insbesondere der Frage
nachgegangen, welche Kreise in die Vorbereitung verwickelt gewesen sind.
Die Ausstellung ist bereits wieder eröffnet worden und ist noch
bis zum 26. September in der Karsi Sanat Galerie auf der Istiklal Caddesi
(Elhamra han Nr. 258, 2. Stock, Istanbul-Beyoglu) zu sehen.
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