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Istanbul Post |
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Neuer Wirtschaftsbericht der Weltbank: Ökonomische Herausforderungen im EU-Beitrittsprozess der TürkeiAm 23. Februar legte die Weltbank einen neuen Türkei Bericht vor, der dieses Mal den Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und EU-Prozess in den Mittelpunkt stellt. Während der vorgelegte Bericht volkswirtschaftliche Faktoren wie das öffentliche Finanzmanagement, die Effizienz im Einsatz von Produktionsfaktoren wie Marktregulierungen, Arbeitsmarkt, Finanzsektor, Innovation, Infrasturktur und Landwirtschaft behandelt, werden Aspekte wie die Auswirkungen von EU-Förderungen sowie die nötigen Maßnahmen im Umweltschutz für einen späteren Bericht aufbewahrt. Der Bericht stellt heraus, dass der EU-Beitrittsprozess positive Wirkungen für die Türkei auf mehreren Ebenen entfalten wird: Durch Stärkung eines Politikrahmens, der durch die Übernahme der EU-Aquis gesetzt wird und viele Felder einer tieferen Integration der Türkei in den Gemeinsamen Markt umfasst.
Grundsätzlich stellt der Bericht dementsprechend nicht aus der EU zu erwartende Fördermittel zur Anpassung der Türkei an EU-Strukturen in den Vordergrund – Wirkungen werden vor allem durch den Beitrittsprozess selbst erwartet, der als „Anker für die Fortsetzung und Vertiefung der Reform“ charakterisiert wird. Tenor des Berichtes ist es dementsprechend, dass die Türkei sich darum bemühen sollte, größtmögliche Konvergenz mit EU-Strukturen und Regularien in möglichst kurzer Zeit nicht nur rechtlich-institutionell sondern auch praktisch zu erreichen. Der Prozess wird als sich „selbstverstärkend“ angesehen, da mit wachsender Angleichung des gesellschaftlichen Reichtums zwischen Türkei und EU auch die Aussichten auf den EU-Beitritt steigen. Im Hinblick an die Entwicklung des Pro-Kopf-Einkommens werden verschiedene Szenarien vorgestellt – erreichte die Türkei im Jahr 2004 29,1 % des EU-Durchschnitts, so geht das Basis-Szenario von einem Niveau von 34,2 % im Jahr 2015 aus. Ein positiveres Szenario ergibt eine Annäherung auf 40,4 % des EU-Durchschnitts, die erreicht werden können, wenn die Reformen auf einer Reihe von Schlüsselfeldern ausgedehnt würden. Das optimistischste Szenario sieht eine Angleichung bis zu 50 % vor – das pessimistische Szenario demgegenüber sieht keine weitere Annäherung an das EU-Pro-Kopf-Einkommen vor. Als eine wichtige Voraussetzung für einen anhaltenden Wirtschaftsaufschwung wird zunächst die Fortsetzung der Stabilitätspolitik bei den öffentlichen Finanzen angeführt. Neben dem Vorteil niedrigerer Zinsen aufgrund steigenden Vertrauens wird zugleich darauf hingewiesen, dass das Kapital in der Türkei in stärkerem Maße als bisher nicht in staatliche Anleihen sondern private Wirtschaftinvestitionen fließen müsse. Zudem wird das Ziel formuliert, dass der Staat stärker als bisher in die Lage versetzt werden müsse, wachstumsfördernde Ausgaben zu tätigen, während zugleich eine Senkung des Steuerniveaus Anreize für Investitionen und Produktivitätsentwicklung gäben. Während im Hinblick auf die Steuersätze die Möglichkeit der Verbreiterung der Steuerbasis im Gespräch ist, merkt der Bericht an, dass es in den vergangenen Jahren zwar gelungen sei, die Einnahmeseite der Staatsfinanzen zu verbessern, eine wirksame Reform der Ausgaben jedoch bisher nicht gelungen sei. In diesem Zusammenhang wird an verschiedenen Stellen angemerkt, dass das Niveau von Steuern und Abgaben sich beträchtlich dem EU-Niveau angenähert habe, dies jedoch auf der staatlichen Leistungsseite nicht festzustellen sei (beispielsweise wenn lückenhafte oder unzureichende Infrastruktur mit privaten Mitteln auf ein erforderliches Niveau gebracht werden muß). Bei der Reform der staatlichen Ausgaben wird insbesondere auf das Volumen der Personalausgaben verwiesen, wobei hier insbesondere die Nebenleistungen zu den Grundgehältern, die ein Volumen von 32 % der Personalaufwendungen im öffentlichen Dienst ausmachten, angesprochen werden. Im Hinblick auf die Verbesserung des Investitionsklimas wird zunächst
auf den Erfolg bei der Reduzierung von Zeit und Aufwand bei Unternehmensgründungen
hingewiesen, jedoch zugleich auch das Problem hervorgehoben, dass sich
bei Lizenzerteilungen ergibt. Hier ergäbe sich ein unverhältnismäßiger
Dokumentationsaufwand sowie Verzögerung aufgrund überlappender
Zuständigkeiten verschiedener Agenturen und anderer Institutionen. Im Hinblick auf staatliche Hilfen und Förderungen wird die Gründung einer zentralen Agentur vorgeschlagen, die eine Evaluation der Förderinstrumente vornehmen soll. Kritisch angemerkt wird zudem, dass die vorhandene Subventionierung von Strom im Rahmen der Investitionsförderung für weniger entwickelte Regionen nicht Investition sondern laufende Kosten beinhalte und dementsprechend einen potenziell störenden Effekt entwickeln könne. Einen eigenen Schwerpunkt innerhalb des Berichts stellt der Arbeitsmarkt dar. Hier wird zunächst auf die Erwerbsbeteiligung hingewiesen, die 2004 bei 46 % lag und damit weit vom in der EU „Lissabon Agenda“ formulierten 70 % entfernt liegt. Vorgeschlagen wird zum einen eine weitere Flexibilisierung des Arbeitsvertragsrechts und zum anderen die verstärkte Nutzung der Arbeitslosigkeitsversicherung für kosteneffektive aktive Arbeitsmarktmaßnahmen. Zugleich wird auf die hohe Steuerbelastung von Arbeitskosten hingewiesen wobei hier als Ausweg vor allem die Eindämmung der Schwarzarbeit angesprochen wird. Im Hinblick auf Forschung und Entwicklung sowie Innovation wird vollständige
Übereinstimmung mit den EU-Bestimmungen zum Schutz geistigen Eigentums
vorgeschlagen. Zudem müsste die Kapazität der staatlichen Forschungsförderung
– TÜBITAK – gestärkt und eine größere
Durchlässigkeit zwischen staatlich geförderter und privat geförderter
Forschung ermöglicht werden. Weiterer Aufmerksamkeit bedarf auch
das Bildungswesen sowohl auf der Ebene einer Curriculum-Reform, einer
größeren Durchlässigkeit der Bildungsgänge und der
Verankerung von lebenslangem Lernen. Angesprochen wird insbesondere der
Bedarf, die Qualität der Ausbildung der Berufsfachschulen zu erhöhen. |
Der Bericht mit einer Kurzfassung, einer Langfassung und Anhang findet sich auf der Webseite-des Türkei-Büros der Weltbank: www.worldbank.org.tr/cem2006 Reklame
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Stefan Hibbeler Redaktion: redaktion@istanbulpost.net |
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Copyright © 2001 Istanbul Post Last modified: 28.12.2003 |
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