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- (NTV, 9.04.06) Justizministerium gibt Statistik der Strafverfahren
wegen Folter und Mißhandlung im Jahr 2004 bekannt.
Als Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des ANAP-Abgeordneten
Emin Sirin gab das Justizministerium bekannt, dass von Juli bis September
2004 117 Strafverfahren eröffnet worden seien. Von Oktober bis
Dezember 2004 stieg die Zahl der Verfahrenseröffnungen auf 244.
Im 2. Halbjahr 2004 wurden 47 Beschuldigte verurteilt.
- (NTV, 8.04.06) Änderung des Staatsbürgerschaftsgesetzes
ins Parlament eingebracht. Der Novelle zufolge
soll die türkische Staatsangehörigkeit grundsätzlich
nach Abstammung oder nach Geburtsort erlangt werden. So erhalten auch
im Ausland geborene Kinder, von denen nur ein Elternteil türkisch
ist, unabhängig von einer bestehenden Ehe die Staatsangehörigkeit.
In der Türkei geborene Kinder ausländischer Eltern, die nicht
automatisch die Staatsangehörigkeit der Eltern erhalten, gelten
als türkische Bürger. Die Wiedererlangung der türkischen
Staatsbürgerschaft wird erleichtert. Bei Ausländern, die die
türkische Staatsangehörigkeit erlangen wollen, wird neben
einer Reihe fester Kriterien ein ausdrücklicher Ermessensspielraum
gewährt, der durch Richtlinie des Ministerrates festgelegt werden
soll. Die Erfüllung des Militärdienstes ist für männliche
Türken nicht mehr Voraussetzung für die Staatsangehörigkeit,
demegenüber kann sie aberkannt werden, wenn ein türkischer
Bürger trotz Aufforderung durch diplomatische Stellen eine Tätigkeit
im Ausland, die den Interessen des Landes schadet, aufrecht erhält.
- (Zaman, 8.04.06) Vorbereitungen zur Einrichtung einer "Gleichstellungsinstitution".
Ausgehend von zahlreichen Gesprächen mit EU-Vertretern ist das
Projekt der Einrichtung einer Gleichstellungsinstitution aufgegriffen
worden. Die Institution soll sich mit Maßnahmen zur Gleichstellung
von Frauen, aber auch anderen benachteiligten gesellschaftlichen Gruppen
beschäftigen. Gedacht wird an eine Anbindung an das Präsidium
für Menschenrechtsfragen der Staatskanzlei oder an eine Verankerung
im Ombudsmann-Gesetz, das dem Parlament vorliegt. Von EU-Vertretern
wurde unterstrichen, dass es wesentlich sei, dass eine solche Institution
sowohl im Hinblick auf ihre Finanzausstattung als auch ihr Handeln autonom
sei.
- (Radikal, 7.04.06) Anklageerhebung gegen Perihan Magden wegen
"Wehrkraftzersetzung". Wegen eines
Zeitschriftenbeitrages mit dem Titel "Wehrdienstverweigerung ist
ein Menschenrecht" wurde gegen die Journalistin und Autorin Perihan
Magden ein Verfahren mit Strafantrag bis zu drei Jahren Haft eröffnet.
Die Anzeige ging von der Rechtsabteilung des Generalstabes aus.
- (Radikal, 7.04.06) Diskussion über Gesetzentwurf zur
politischen Ethik der AK Partei. Der von der
Ak Partei am 5. April vorgestellte Gesetzentwurf zur politischen Ethik
hat neben Zustimmung auch Kritik erhalten. Der Entwurf sieht vor, dass
sich Parlamentspolitiker und Minister nicht an öffentlichen Ausschreiben
beteiligen dürfen. Zur Überwachung der Regeln soll das Parlament
eine Ethik-Kommission gründen, die auch die Entgegennahme von Geschenken
überwachen soll. Abgeordnete werden verpflichtet, jährlich
ihre Vermögensverhältnisse offenzulegen - der Geheimhaltungsgrundsatz
wird aufgehoben, auch wenn nicht bestimmt wird, wie ggf. eine Veröffentlichung
zu erfolgen hat. Vorgesehen sind außerdem Vorschriften zur Parteienfinanzierung
wie eine Begrenzung der Spendenhöhe. Kandidaten für Parlament
oder für das Bürgermeister-Amt sollen für ihre Kampagne
höchstens 5 Lira pro Wähler ausgeben dürfen. Auf Kritik
stießen dagegen, dass die Neubestimmung der parlamentarischen
Immunität nicht Teil des Gesetzes wurde, dass kein Nachweis über
den Erwerb des deklarierten Vermögens geführt werden muß
sowie der Wegfall bestimmter Strafbestimmungen bei Falschangaben. Gerade
in letzterer Hinsicht verweist der Beitrag in der Tageszeitung "Radikal"
jedoch auf Juristen, die erklären, dass an die Stelle der gestrichenen
Bestimmungen die des neuen Türkischen Strafgesetzbuches treten
und damit keine Veränderung der Rechtslage eintrete.
- (Radikal, 6.04.06) Untersuchung zu Nationalismus in der Türkei
vorgestellt. Eine von der Zeitschrift Tempo,
der Bilgi Universität und Infakto Research Workshop durchgeführte
Untersuchung ergab, dass 80 % der Befragten stolz darauf sind, Türken
zu sein. 68 % der Befragten charakterisierten sich als "türkisch-nationalistisch".
Befragt, was das "Türkentum" am besten charakterisiere,
gaben 70,3 % die Staatsbürgerschaft an. Am zweithäufigsten
wurde die Zugehörigkeit zur türkischen Kultur genannt (46,2
%). Bezogen auf die EU schätzten 58 % sie als "eine gute Sache"
ein. 63 % sind für einen Beitritt der Türkei zur EU. Aber
50,3 % glauben, dass die EU die Türkei spalten wolle. Mit 36,6
% lag der Anteil derer, die die Forderungen der EU an die Türkei
mit dem Sevre-Abkommen (erstes Friedensabkommen nach dem Ersten Weltkrieg,
das eine Spaltung der Türkei in verschiedene Nationalstaaten vorsah)
gleichsetzen über dem, die nicht zustimmten (33,5 %). Als Element,
auf das im EU-Prozess keinesfalls verzichtet werden dürfe, wurde
mit 37,2 % am häufigsten die Religion genannt. Als zweithäufigstes
folgten die Souveränitätsrechte (14,1 %) und die territoriale
Einheit (12,3 %). Unter den Befragten wurde Ministerpräsident Erdogan
als der "nationalistischste Parteiführer" eingeschätzt,
gefolgt von Devlet Bahceli (MHP), Mehmet Agar (DYP) und Deniz Baykal
(CHP).
- (ABhaber, 6.04.06) Europaparlament diskutiert Vorfälle
in südost-türkischen Städten.
Der Bericht (türkischer Vorspann/englische Zusammenfassung der
Diskussion) gibt kurzgefaßt die Positionen der Sprecher der konservativen,
sozialistischen, liberalen und linken Fraktion im Europaparlament wieder.
Gemeinsam ist allen Positionen der Appell auf Gewaltverzicht, um Raum
für eine Lösung der Probleme zu schaffen (Meldung).
- (Zaman, 5.04.06) Anwaltskammern drohen, keine Pflichtverteidiger
mehr zu stellen. Angesichts unzureichender
Finanzmittel drohen die Anwaltskammern damit, ab dem 9. Mai keine Pflichtverteidiger
mehr zu stellen. Gemäß der im vergangenen Jahr in Kraft getretenen
neuen Strafprozeßordnung ist bei schwereren Strafverfahren ein
Anwalt zwingend vorgeschrieben und muß gegebenenfalls durch das
Gericht bei der Anwaltskammer beantragt werden. Aufgrund fehlerhafter
Anwendung sei die Zahl der unentgeltlichen Bestellung von Anwälten
seit dem 1. Juni 2005 jedoch extrem gestiegen, so dass die vorgesehenen
Finanzmittel unzureichend seien.
Das Justizministerium kündigte an, zur Lösung des Problems
gemeinsam mit den Kammern eine Überprüfung durchzuführen.
- (EU-Vertretzung Ankara, 4.04.06) EU-Projekt gegen Kinderarbeit.
Im Rahmen des Projektes zur "Abschaffung der schlimmsten Formen
der Kinderarbeit" sollen 1.500 Kinder statt zur Arbeit zur Schule
gehen. Es handelt sich um das erste Projekt zur Bekämpfung von
Kinderarbeit der EU in der Türkei und beinhaltet eine Förderung
in Höhe von 5,3 Mio. Euro. In sieben Provinzen - Çankiri,
Kastamonu, Sinop, Ordu, Erzurum, Elazig, Van - sollen Pilotbüros
eröffnet werden, die Kindern und ihren Familien Beratung zukommen
lassen sollen. Zugleich werden sie präventive Maßnahmen ergreifen
und die Entwicklung der Kinderarbeit beobachten. Das Projekt, das in
Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Arbeit und Soziales sowie
der ILO durchgeführt wird, hat eine Laufzeit bis 2015.
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