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- (Zaman, 1.05.06) Sonderregeln für Atomstrom.
Meldungen der Zeitung Zaman zufolge hatte die unabhängige Regulierungsbehörde
für den Energiemarkt EPDK Mitte der Woche deutlich gemacht, dass
auf der Grundlage der geltenden Rechtslage der Staat als Kraftwerksbetreiber
nicht in Frage käme. Nun sind Pläne bekannt geworden, denen
zufolge die EPDK im Zusammenhang mit dem Genehmigungsverfahren für
die geplanten Atomkraftwerke übergangen werden soll. Vorbereitungen
für einen diesbezüglichen Gesetzentwurf würden zur Zeit
im Energieministerium getroffen.
- (Zaman, 1.05.06) Keine Predigten mehr vom Präsidium für
religiöse Angelegenheiten. Gemäss
eines kurz zuvor gefaßten Beschlusses, werden zukünftig keine
zentral vorbereiteten Predigten (hutbe) für das Freitagsgebet mehr
erarbeitet. Die letzte zentrale Predigt soll den Jahrestag der Eroberung
Istanbuls am 26. Mai zum Gegenstand haben.
- (Radikal, 30.04.06) 10.000 demonstrierten in Sinop gegen geplantes
Atomkraftwerk. Ein breites Bündnis der
Mitgliedskammer der türkischen Ingenieurkammern, der türkischen
Grünen, der Plattform gegen Nuklearenergie und der Umweltplattform
Türkei hatte zu einer landesweiten Kundgebung nach Sinop, dem vorgesehenen
Standort für das erste türkische Atomkraftwerk, aufgerufen.
Die ganze Woche hindurch hatten aus Anlass des 20. Jahrestages der Tschernobyl-Katastrophe
an verschiedenen Orten Aktionen gegen den Einsatz von Kernkraft in der
Türkei stattgefunden.
- (Radikal2, 30.04.06) Veränderungen im Wählerprofil
der AK Partei. In einem Beitrag für die
Sonntagsbeilage der Tageszeitung Radikal nehmen Umut Özkirimli
und Hasan Kirmanoglu eine kurze Bewertung politischer Umfragen der vergangenen
Monate vor. Sie kommen zu dem Schluss, dass in den vergangenen Jahren
die gesellschaftliche Unterstützung für die AK Partei nicht
geschwunden sei, sich jedoch eine Veränderung in ihrer Wählerbasis
ergeben hätte. Sowohl AK Partei als auch CHP verfügen über
den größten Rückhalt in den drei größten
Städten des Landes. Während die AK Partei außerdem sozial
unterprivilegierte Gruppen der Landbevölkerung anspricht, erreicht
die CHP vor allem gehoberene Statusgruppen in größeren Städten.
Özkirimli/Kirmanoglu folgern, dass der hohe Unterstützungsgrad
für die EU-Beitrittspläne der Türkei innerhalb der AK
Partei-Wählerbasis voraussichtlich weniger mit den Demokratisierungs-
und Liberalisierungsversprechen verbunden ist, die mit dem Projekt verbunden
sind, sondern vor allem auf Wohlstandserwartungen zurückzuführen
seien. Ausgehend von dieser These verweisen sie darauf, dass insbesondere
die Beitrittsverhandlungen auf den Feldern Landwirtschaft und Sozialpolitik
innenpolitisch beträchtliches Konfliktpotenzial bergen. (Link)
- (Radikal, 26.04.06)Verfassungsgerichtspräsidentin für
Meinungsfreiheit. In einer Rede erklärte
die Präsidentin des türkischen Verfassungsgerichts Tülay
Tugcu, dass auch Kritik an der Justiz und ihren Urteilen als Teil der
Meinungsfreiheit begriffen werden müsse - unter der Bedingung,
dass diese "niveauvoll" erfolge. Kritisch äußerte
sich Tugcu außerdem zu den Beziehungen zwischen Parlament und
Justiz, was als indirekter Hinweis auf die Semdinli Untersuchungskommission
aufgefaßt wurde. Sie merkte an, dass es problematisch sei, wenn
sich das Rechtsetzungsorgan auch als rechtsprechendes betätige...
Eine weitere Kritik Tugcus bezog sich auf die materielle Lage von Richtern
und Staatsanwälten, die durch die jüngst verabschiedete Reform
der Sozialversicherung weiter verschlechtert werde. Diese Berufsgruppe
müsse einen Rückgang ihrer Bezüge um 22 % hinnehmen.
(In mehreren Berichten zur türkischen Justiz ist kritisch angemerkt
worden, dass für eine unabhängige Justiz auch eine angemessene
Bezahlung unabdingbar sei, S.H.)
- (Radikal, 25.04.06) Staatliche Oberschule bewirbt sich um
Akkreditierung für International Barchelor.
Als erste staatliche Schule hat sich die Prof. Dr. Mümtaz Turhan
sozialwissenschaftlich orientierte Oberschule um die Akkreditierung
für die Verleihung des International Barchelor beworben. Das begehrte
Zertifikat, das in der Türkei bisher an 16 Privatschulen erworben
werden kann, ermöglicht in mehr als Ländern den prüfungsfreien
Zugang zu mehr als 1.000 Universitäten. Der Antrag wurde im Januar
gestellt, das Akkreditierungsverfahren dauert üblicherweise 18
Monate.
- (Radikal, 25.04.06) Strafantrag gegen 80 Kinder und Jugendliche
von bis zu 15 Jahren Haft für Diyarbakir-Unruhen.
Gegen 80 Kinder und Jugendliche wurde wegen der Unruhen am 28. März
in Diyarbakir Anklage wegen "Mitgliedschaft in einer terroristischen
Vereinigung" sowie weiterer Delikte erhoben. Der Strafantrag lautet
auf 10 bis 15 Jahre Haft. Nun liegt die Entscheidung über die Verfahrenseröffnung
beim Großen Strafgericht für Jugendstraftaten in Ankara.
Ein Vertreter der Anwaltskammer in Diyarbakir wies darauf hin, dass
das Gericht eine gegen 36 Kinder verfaßte Anklageschrift zurückgewiesen
habe.
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