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Wenn das Schule machte... Von Claus Stille Das anfängliche Erstaunen unter den deutschen Mitgliedern eines Frechener Lehrerkollegiums schlug nach kurzem Stillschweigen in Erschrecken um. Wie lange lebte man eigentlich schon mit türkischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in einem Land, in einer Stadt, zusammen, wohnte gar mit ihnen als Nachbarn Tür an Tür, hatte türkische Kolleginnen und Kollegen, oder kaufte in ihren Geschäften ein, bzw. holte sich ab und an etwas zu essen vom "Türken" an der Ecke? Au Backe! Viel hatten sie auf die Schnelle nicht zusammen bekommen können. Auch längeres Nachdenken half ihnen nicht: was blieb war weniger als nichts. Glücklicherweise hatten es die Pädagogen nicht mit einer Prüfung zutun gehabt, denn ob das schwache Ergebnis für ein "Ungenügend" gereicht hätte, ist mehr als fraglich. Döner und Kopftuch. Und Kopftuch und Döner. Wie es die Pauker auch drehten und wendeten: Diese zwei Wörter fürchteten sich unterm - im wahrsten Sinne des Wortes - kleinsten gemeinsamen Nenner. Äußerst mager diese Ausbeute angesichts des im Raume anwesenden geballten pädagogischen Sachverstands! Dieses dürftige Resultat vor Augen wagt man kaum darüber nachzudenken, wie es denn mit dem Wissen um Türkei und Türken sonst so bestellt ist unter den Deutschen im Lande der Dichter und Denker. Nach dem die Frechener Pädagogen den ersten Schock halbwegs verdaut hatten, stand für sie fest: Wir müssen etwas tun! Sie beschlossen das Manko zu beseitigen. Gesagt - getan. Funkhaus Europa berichtete kürzlich über das Ergebnis. Die Frechener Hauptschule hatte kurzerhand über türkische Pädogogen in Deutschland Kontakt mit staatlichen und privaten Bildungseinrichtungen in der Westtürkei aufgenommen. Der Trip hat sich offenbar bezahlt gemacht. Jedenfalls konnten die Deutschen von ihrer Bildungsreise zahlreiche interessante Eindrücke mit zurück an ihre Schule nach Frechen bei Köln nehmen. (Der Vollständigkeit halber sei hier angemerkt, dass das Kopftuch-Problem durchaus auch in der Türkei Wellen schlägt. Meines Wissens wohl aber hauptsächlich an den Universitäten. Die Regierung Erdogan hätte das Kopftuchverbot an den Universitäten ja bekanntlich gerne gekippt. Und will das sicher auch heute noch. Auch wenn man in Rechnung stellen muß, dass die deutschen Pädagogen mit der Westtürkei - verglichen mit den ärmeren Teilen der Türkischen Republik, etwa dem Südosten des Landes, wo in puncto Bildung noch einiges im Argen liegt; und manche Kinder gar nicht oder nur ein paare Jahre die Schulbänke drücken - eine hoch entwickelte reichere Region besucht haben, weshalb sie sich freilich kein vollständiges Bild des türkischen Bildungswesens machen konnten, hat sich die Reise für sie aber offenbar dennoch gelohnt. Nun geht man an der Frechener Schule fleißig daran, diese interessanten Erfahrungen in die Praxis umzusetzen. Dieses Jahr ist viel über Integration von Migranten geredet und geschrieben worden. Für den für den 14. Juli geplanten "Integrationsgipfel" der deutschen Regierung, las ich soeben, sind "gigantische" vier (!!!) Stunden eingeplant. Anders dagegen das positive Beispiel der Frechener. Sie entdeckten ein Manko, erschraken darüber fürchterlich, ließen sich aber nicht ins Boxhorn jagen. Im Gegenteil: Sie gingen schon bald daran es zu tilgen. Sie jammerten nicht. Sie forderten nicht. Sie klagten nicht an. Sie handelten ganz einfach. So etwas kostet nicht einmal die Welt. Höchstens Überwindung und Willen. Und offene Augen und Ohren. |
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