Jahrgang 4 Nr. 32 vom 15.08.2006
 

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Die Zeit ist reif für Deutsch-Türkische Arte

Türkische Gemeinde in Deutschland

Seref Erkayhan

Pressemitteilung vom 14.08.06

Deutschland-Türken begrüssen die Pläne von ARD und ZDF für einen eigenen Sender für Zuwanderer. Hierzu legt die Türkische Gemeinde in Deutschland ein 7-Punkte-Papier vor.

Die Einrichtung eines eigenen digitalen Spartenkanals mit 3-4 Stunden Sendezeit für die Zielgruppe Migranten wird von Deutschland-Türken begrüsst. In diesem Rahmen Programme wie eine deutsch-türkische Version der Quizshow "Wer wird Millionär" oder wie das in diesem Jahr in der ARD gelaufene "Türkisch für Anfänger" zu senden, reiche aber bei weitem nicht aus, so der stellvertretende Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Şeref Erkayhan. Damit durch Medienkonsum kein Nebeneinander, sondern mehr Miteinander ensteht,  müssen weitgehende Konzepte her, so Erkayhan weiter.

Hierzu legte die Türkische Gemeinde in Deutschland ein 7-Punkte-Papier vor:

    1.        Als Beitrag zur Integration muss im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Deutschland mehr Programme zum Thema Partizipation ausgestrahlt werden.
    2.        Die türkischen Medien in Deutschland wirken sich eher auf den Integrationsprozess aus, da die deutschen Medien mehr über Migranten reden anstatt mit Ihnen. Über die Lebenweise der Miganten müssen in deutschen Medien mehr berichtet werden. Das deutsche Fernsehen muss ein integrierendes Bild der Lebensart von Einwanderern zeichnen. Die Alltagsrealität oder der gesellschaftlicher Erfolg von Migranten muss im Fernsehen seinen Platz finden. So müssen Migranten im Fernsehen in angesehenen Berufen, z.B. als Arzt oder Richter auftauchen.
    3. Das “Migranten-Thema” darf nicht in Nischenprogramme abgeschoben werden. Es darf nicht auf einzelne Genres beschränkt werden. Das Thema gehört auf alle Sendeformate - ob Nachrichtensendung oder Spielfilm (migration-mainstreaming in den Medien).
    4. Die Rundfunkanstälte müssen verstärkt MigrantInnen vor und hinter der Kamera einsetzen. Es müssen mehr Fernsehmoderatoren und Schauspieler mit Migrationshintergrund auftauchen, die die Vielschichtigkeit der multikulturellen Bevölkerung Deutschlands widerspiegeln. Dabei dürfen MigrantInnen besonders vor der Kamera nicht auf das Thema Migration festgenagelt werden. Sie sollen personelle Präsenz in den anderen Sach- und Unterhaltungsformaten erhalten können und dabei positiv besetzte Rollen einnehmen.

    5. Hinter der Kamera müssen Autoren und Künstler mit Migrationshindergrund vermehrt an der Gestaltungs- und Umsetzungsphase der TV-Produktionen teilnehmen. Die gesellschaftliche Relevanz des Migrationsphänomens soll im Lehrprogramm der Filmakademien berücksichtigt und künftige Regiesseure und SchauspielerInnen durch ihr Studium der deutschen Alltagsrealität "Migration" bewusst werden.

    6. Die Teilnahme der MigrantInnen in Rundfunk- und Fernsehräten sowie ihre Partizipation in Entscheidungsprozessen soll gewährleistet werden. Als gesellschaftlich relevante Gruppe sollten ethnisch/kulturelle Minderheiten im Fernsehrat des ZDF und in den Rundfunkräten der ARD-Anstalten vertreten werden. Hierzu bedarf es der Änderung der Bundes- und Landesgesetze.

    7. Eine anspruchsvolle kulturelle Sendung ist mit einem Türkisch-Deutschen Kulturkanal zu gewährleisten. Hierzu sollten alle Anstrengungen gemacht werden, um Kooperationsprojekte in Gang zu bringen. Die technischen Entwicklungen ermöglichen die Sender aus der Türkei zeitgleich zu empfangen und sie werden von vielen türkischstämmigen Familien regelmäßig rezipiert. Ein Teil dieser Sendungen spricht sie gezielt an. Mit diesen Sendern sollten gemeinsame Maßnahmen entwickelt werden, um integrationsrelevante Programme zu gestalten. Auch die türkischsprachigen Medien aus Deutschland sollten als Kooperationspartner für den gleichen Zweck gewonnen werden.

"Die Türkische Gemeinde in Deutschland ist in diesem Zusammenhang bereit, Verantwortung zu übernehmen und bei einer integrationsfördernder Medienpolitik, die das “WIR GEFÜHL” verstärkt, mitzuwirken", erklärte Erkayhan weiter.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD, http://www.tgd.de) veranstaltet unterdessen eine Podiumsdiskussion gemeinsam mit ZKM | Institut für Medien und Wirtschaft (http://www.zkm.de/muw), dessen Projekt “Bundesinitiative Integration und Fernsehen (http://www.bundesinitiative.org)” ebenfalls von der TGD unterstützt wird, eine Podiumsdiskussion über die Rolle der Medien im Integrationsprozess im Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (http://www.zkm.de) am 5. Oktober 2006. Die Veranstaltung wird über den ersten deutschen Sender mit türkischsprachigem Vollprogramm in Deutschland „TGRT EU“ (http://www.tgrt.de) live mit simultaner Übersetzung gesendet.

 

 

 

 

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