Jahrgang 4 Nr. 20 vom 5.06.2007
 

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Mahnt: Die neue Arche auf dem Berg Ararat

Von Claus Stille

Die Geschichte geht auf die Bibel zurück: Vor langer, langer Zeit soll Gott einen Mann namens Noah befohlen haben, ein Schiff zu bauen, um dessen Familie und viele Tiere vor der größten Überschwemmung aller Zeiten zu retten. Noah tat also wie ihm geheißen worden war. Er baute das Schiff und brachte darin die Tiere und seine Familie unter. Als schließlich die vorausgesagte, Sintflut genannte, Katastrophe eintrat, überlebten nur die Insassen des Schiffes mit dem Namen Arche - was wörtlich Kasten bedeutet – alle Menschen ertranken in den Fluten.

Es heißt, als das Wasser nach der Sintflut wieder abfloss, sei die Arche auf dem Berg Ararat gestrandet. Noah ließ eine Taube fliegen, um zu erkunden, ob es bereits wieder trockenes Land gibt. Nachdem die ausgesandte Taube mit einem Ölzweig in ihrem Schnabel zurückkehrte, war das ein Zeichen der Hoffnung. Auf der Erde wuchsen wieder Pflanzen. Und bald konnten auch Tiere und Menschen die Arche verlassen...

Der Energieexperte der Umweltorganisation Greenpeace, Andree Böhling, sagt: „Wir stehen heute kurz vor einer zweiten Sintflut. Aber es ist noch nicht zu spät. Wenn alle Staaten dieser Erde, allen voran die Industrieländer, eine Trendwende für den Klimaschutz einleiten, kann die Katastrophe abgewendet werden.“

Das Schreckgespenst heißt Klimakatastrophe. Gemeint sind die Folgen der globalen Erwärmung. Und die sind in vielen Teilen unserer Welt längst kein Gespenst mehr, sondern bittere Realität, die für die Zukunft nichts Gutes verheißt.

Diese harten Tatsachen brachten die Aktivisten von Greenpeace darauf, eine Arche unserer Tage zu bauen, um besonders vor dem bevorstehen Gipfel der G 8 in Heiligendamm (BRD) ein mahnendes Zeichen zu setzen. Und zwar auf sozusagen historischen Boden: dem mit 5165 Metern höchsten Berg der Türkei in unmittelbarer Nähe zu Armenien.

Am 31. Mai war es endlich so weit: Die neue Arche konnte der Weltöffentlichkeit in einer Höhe von 2500 Metern auf dem Berg Ararat präsentiert werden. Zugleich wurde eine Deklaration vorgetragen, in der sich Greenpeace besonders an die Politiker aller Länder wendet und diese dazu auffordert, endlich wirksame Maßnahmen zu beschließen (und auch umzusetzen), die den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch verringern helfen.

Zuvor waren die im Tal vorgefertigten Holzteile (insgesamt zwölf Kubikmeter Holz) mittels einer Karawane von 40 Pferden auf den Berg Ararat hinauf geschafft worden.

Der Transport, wie der Zusammenbau der Arche auf etwa halber Höhe zum schneebedeckten Gipfel des Berges Ararat, bewerkstelligte ein 20-köpfiges Team, welches sich aus türkischen und deutschen Zimmerleuten, sowie etlichen freiwilligen Helfern zusammensetzte.

Nach der Präsentation der Arche ließen Greenpeace-Aktivisten 208 Tauben aufsteigen. Stellvertretend eine für jedes Land unserer Erde. Wenn auch einige dieser seit Picasso auch für den Frieden in der Welt stehenden Tiere sich nicht so recht von der neuen Arche trennen wollten – das von der Aktion ausgehende Signal dürfte dennoch in die Welt hinausgetragen und von vielen Menschen verstanden worden sein.

Ob es auch die Mächtigen der Erde, die Regierungschefs der G 8 – Staaten, die noch diese Woche im Ostseebad Heiligendamm – abgeschottet wie nie zuvor vom Volk hinter einen 12 Millionen Euro teuren unüberwindbaren Zaun – zusammenkommen, was den deutschen Steuerzahlern insgesamt um die hundert Millionen (!) kosten wird, verstanden haben und sie dementsprechend handeln werden, ist bereits jetzt mehr als fraglich.

Dazu braucht man sich nur die Erklärung von US-Präsident Bush zum Klimaschutz durchzulesen.

Darin erkennt Bush zwar an, dass es ein Klimaproblem gibt. Die Maßnahmen dagegen aber verschiebt er mit mehr oder weniger schönen Worten weiter auf die lange Bank. Und da die USA auch in diesem Punkte die Weltführerschaft beanspruchen, kann man sich ausrechnen: vom G 8 - Gipfel kann die Welt in Sachen Klimaschutz weniger als nichts erwarten.

Die neu erbaute Arche auf dem Berg Ararat in der Türkei wird dagegen mahnend stehen bleiben. Auch nach dem Ende der Greenpeace-Aktion: Sie soll dann als Wanderhütte dienen...


 

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